Internet of Things

Dash Replacement Service – Amazon greift Handel an

- Lediglich zehn Zeilen Programmiercode und Markenartikler sowie FMCG-Produzenten können den stationären Handel bald ganz umgehen. Amazons neuer Dash Replacement Service (DRS) soll dafür sorgen, dass Kunden künftig ein kleines IoT-Device im Bad oder Büro nutzen können, um Waschmittel oder Druckertoner zu bestellen. von Thomas Kletschke

Roter Dash Replacement Service Button an einer Waschmaschine (Screenshot: invidis)

Roter Dash Replacement Service Button an einer Waschmaschine (Screenshot: invidis)

Als Amazon den Dash Replacement Service vorstellte, wurde das zunächst von einigen Medien als Scherz interpretiert – schließlich wurde der Start des Dash Replacement Service am 1. April 2015 bekannt. Doch Amazon meint es bierernst.

Das für DRS genutzte Gerät ist ein Internet of Thing-Device, das lediglich ein WiFi-Netz braucht. Da letzteres in quasi jedem Haushalt verfügbar ist, kann der Roll out direkt losgehen. Zunächst werden wohl Produzenten (und Konsumenten) von Fast Moving Consumer Goods in den USA von dem neuen IoT-Winzling profitieren.

Der DRS-Button schaut aus wie ein kleiner bunter Sticker. Über die verbaute Technologie sagt der Konzern bisher nichts, allerdings muss es ein Gerät sein, dass zumindest einen WiFi- und vielleicht weitere Funkstandards beherrscht. Möglich sind beispielsweise BLE oder NFC. Ähnlich einem Bluetooth Low Energy Beacon-Sender handelt es sich bei dem aufklebbaren Button wohl eher um einen kleinen Blödmann, der aber Potenzial hat.

Für sich genommen ist er ein kleines Helferlein. Im angedachten Kontext könnte das Device dem stationären Handel weiter zusetzen, und die (Einkaufs-) Welt ähnlich stark verändern, wie es der klassische E-Commerce seit den 1990er Jahren vormacht. Nur mit WiFi-Verbindung einer Amazon-App und einem Amazon Prime-Zugang können Kunden den DRS Button nutzen.

Der wird von großen Markenherstellern gebrandet. Eine Reihe von Partnern hat Amazon offenbar schon gefunden, sie werden alle namentlich genannt: Gillette, Dash und Bounty etwa. Jeweils auf Waschmaschine oder nahe des Spiegels oder des Küchenschranks geklebt. Will man dann neue Küchenrollen, Rasierklingen oder Waschmittel ordern, hält man lediglich das Smartphone (bei angeschalteter App) vor das Device. Und schon ist die Bestellung drin im System.

Amazon App und DRS Button (Screenshot: invidis)

Amazon App und DRS Button (Screenshot: invidis)

Wie der Konzern versichert, kann man versehentliche Bestellungen innerhalb von 30 Minuten stornieren. Schließlich könnten Kind, Katze, Hund versehentlich (oder absichtlich) 8.000 Mars-Riegel, Dosen Katzenfutter oder Frolic-Päckchen ordern. Weitere Markenhersteller wie Brita (Wasserfilter), Brother (Druckerpatronen) und Quirky mit seiner neuen Kaffeemaschine Poppy (Kaffeepulver) werden als Partner auf FMCG-Seite genannt. Mit Whirlpool ist auch der erste Hersteller von Wasch- und Spülmaschinen sowie Trocknern mit im Boot.

Laut Amazon wendet man sich auch ausdrücklich nicht nur an große Hersteller. Mit lediglich zehn Zeilen Programmiercode (HTML container, REST API calls) soll die benötigte Mini-Intelligenz des kleinen Buttons geschrieben sein.

Damit kommen Hersteller an Endkunden direkt heran, ohne erst große Datenbanken anlegen zu müssen. Kunden müssten theoretisch nie mehr das Haus verlassen, oder können ganz ohne altmodischen PC wirklich alle ihre Einkäufe erledigen. Amazon hatte – ebenfalls in den USA – schon ein Fresh Dash Device gelauncht. Da muss der Kunde allerdings noch richtig arbeiten: Es handelt sich um einen Strichcode-Scanner, mit dem man am heimischen Küchenschrank neue Cornflakes oder was auch immer ordern kann.

Mit dem Dash Button hat Amazon dagegen ein Device gelauncht, dass deutlich schneller bedienbar ist. Umso größer dürfte das Potenzial fürs schnelle Nachbestellen sein.

Dagegen muss sich der stationäre Handel – und hier die Unternehmen, die das Gros ihrer Umsätze mit Fast Moving Consumer Goods erzielen – überlegen, wie er dieser Herausforderung begegnet. Ein Roll-out des Dash Replacement Service auf Märkte wie Westeuropa ließe sich für Amazon fast so schnell bewerkstelligen, wie man „Internet of Things“ aussprechen kann.

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