Regulierung

Eine Woche Sendepause für Digital-out-of-Home-Werbung in Singapur

- Nach dem Tod von Staatsgründer Lee Kuan Yew verzichtete das Gros der Medien in Singapur auf Werbeanzeigen – und das in nahezu allen Mediengattungen. In dem wohlhabenden Stadtstaat arbeiten alle Medienunternehmen und damit auch die Werbeindustrie unter staatlicher Zensur – den Rest erledigt die Schere im Kopf. von Thomas Kletschke

Singapur - DooH-Screens am Airport (Foto: JCDecaux)

Singapur – DooH-Screens am Airport (Foto: JCDecaux)

Singapur – flächenmäßig kleinster Stadt in Südostasien – ist ein Platz voller Gegensätze: Auf dem aktuellen Human Development Index (HDI) der Vereinten Nationen findet sich der Stadtstaat auf einem sehr guten neunten Platz, noch vor Dänemark.

Kein Wunder: Singapur ist ein wirtschaftlich prosperierendes Land mit hoch entwickelter Finanzindustrie – die Schweiz des 21. Jahrhunderts.

Wenn es um die Pressefreiheit geht, verdüstern sich die Wolken schon deutlich: Im Prinzip gibt es nur staatsnahe Medien, Zensur bei Film, Fernsehen und Internet sind an der Tagesordnung. Reporter ohne Grenzen bezeichnet die Lage in Singapur als schwierig.

Im aktuellen World Press Freedom Index belegt Singapur Platz 150 von 180. In den letzten sechs Jahren hat sich der kleine Staat in dieser Hinsicht sogar kontinuierlich verschlechtert.

Vor diesem Hintergrund versteht man, warum quasi ein ganzes Land mal eben eine Woche Sendepause bei der Werbung einlegt. Onlinemedien, Digital-out-of-Home sowie traditionelle Außenwerbeformate blieben nach dem 23. März 2015 eine Woche lang fast flächendeckend unbespielt. Zumindest die nach Reichweite führenden Online-, Print- und sonstigen Medien hielten sich an eine nur halbwegs selbst auferlegte Werbepause der besonderen Art.

Dienstlich genutzter Koffer von Lee Kuan Yew (Foto: National Museum of Singapore)

Dienstlich genutzter Koffer von Lee Kuan Yew (Foto: National Museum of Singapore)

Am besagten Tag im März ist Lee Kuan Yew im Alter von 91 Jahren gestorben, Singapurs erster Premierminister, der jahrelang als Politiker aktiv war. Auch wenn er bei der Unabhängigkeit durchaus eine positive Rolle spielte, sind von ihm auch in den allerletzten Jahrzehnten stets autoritäre bis antidemokratische Ressentiments überliefert – eine Wirtschaftszeitschrift, die ihm und seinem Sohn unter anderem Korruption vorwarf, ging an den Folgen einer Verleumdungsklage zugrunde.

Allerdings hatte der Staatsmann mit dem rotbraunen Diplomatenkoffer auch im Westen seine Fans, etwa Maggie Thatcher. Präsident Obama attestierte ihm, ein „Gigant der Geschichte“ gewesen zu sein.

Nach dem Tod des Mannes, der 52 Jahre lang in verschiedenen Regierungsämtern die südostasiatische Form der „gelenkten Demokratie“ entscheidend mitgestaltet hatte, verzichteten Medien anlässlich des Staatsbegräbnisses und der daran anschließenden Trauerzeit nun landesweit eine Woche lang auf Werbeanzeigen in Online, Print und Digital-out-of-Home. Insofern schon eine fast passende, in jedem Fall auch gigantische, Verabschiedungsgeste – wenn auch eine gelenkte.

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