Kampagne

Müll-Sünder, Du bist enttarnt!

- Ein wenig scary ist es schon, was die Kreativen von Ogilvy Hong Kong und die US-Firma Parabon Nanolabs für die Umweltschutzorganisation Hong Kong Cleanup da umgesetzt haben: Aus in Straßenabfällen gefundenen DNA-Resten ließen sie die Gesichter der Umweltsünder rekonstruieren – und zeigten sie auf Out-of-Home-Medien. von Thomas Kletschke

Plakate der Litterbugs-Kampagne (Foto: Ogilvy)

Plakate der Litterbugs-Kampagne (Foto: Ogilvy)

Im Prinzip gibt es nur zwei Wege, um das Umweltbewusstsein zu wecken oder zu stärken: entweder nach dem Modell De Efteling oder à la CSI Hong Kong.

Während früher junge Besucher des niederländischen Freizeitparks staunend vor den sprechenden Mülleimern standen, die sie dann artig und mit kindlicher Neugier mit dem Müll befüllten, holt dieses Modell heute kaum noch einen hinterm Ofen hervor. Das dachte sich zumindest die Nonprofit-Organisatiom Hong Kong Cleanup, die ihre im Juni 2015 stattfindende Zero Waste Week und ihre allgemeinen Anliegen – Müllvermeidung, Recycling – promoten wollte.

Bedarf an solchen Sammelaktionen ist eindeutig vorhanden: Im vergangenen Jahr konnte – beziehungsweise musste – die Initiative bei einer sechs Wochen dauernden Müllsammelaktion rund 3,9 Millionen kg Müll entfernen, wobei über 51.000 freiwillige Helfer im Einsatz waren.

Das Prinzip Müllpolizei: Achtlos weggeworfene Abfälle an der Straße aufsammeln, ins Gen-Labor zur Analyse schicken – und dort die Täter per DNA identifizieren. So funktioniert die Kampagne Litterbugs, die Ogilvy Hong Kong mit dem Spezialdienstleister Parabon Nanolabs umgesetzt hat. Motto: „Zeig‘ mir Deinen Müll – und ich sag‘ Dir wer Du bist.“ Fehlt eigentlich nur noch: „…und wo Du wohnst.“

Litterbugs-Kampagne in Hong Kong (Foto:  Parabon Nanolabs)

Litterbugs-Kampagne in Hong Kong (Foto: Parabon Nanolabs)

Im Labor ließen sich die genetischen Merkmale zumindest im Groben extrahieren. Bestimmte persönliche Merkmale sind nicht eindeutig festlegbar. Möglich war es etwa nicht – respektive ist es Stand heute noch nicht – herauszufinden, ob der Müll-Sünder lockige Haare hat oder sein genaues Alter oder seine Körpergröße zu bestimmen. Letztere Merkmale hat man mit anderen detektivischen Kniffen erschlossen: achtlos weggeworfenes Kaugummi beispielsweise macht es wahrscheinlich, dass es nicht von einem 70-Jährigen, sondern einem jüngeren Menschen stammt.

Feststellbar sind nach der Methode aber einige persönliche Details: Augenfarbe, Haarfarbe, Form des Gesichts, Sommersprossen – alles kein Problem.

Ein wenig weiter gedacht, ließe sich nach dieser Methode eine recht finster anmutende Zukunft mit Müllpolizei denken: Gerade eben den Kaffebecher „fallengelassen“, die Kippe auf den Boden geschnippt – und schon kommen Robocop, Judge Dredd und ihre Kollegen um die Ecke, und nehmen dich fest – oder terminieren Dich gleich an Ort und Stelle.

Bei der Kampagne hatten Genlabor und Werbeagentur nach eigener Aussage darauf geachtet, jeden zuvor um Erlaubnis zu bitten, seinen Müll zur Gen-Analyse nutzen zu dürfen.

Es ging ja auch eher um den mahnenden Zeigefinger, der zum Umdenken anregen soll, als um eine Umsetzung von Minority Report in der Version 1.1.

Noch spektakulärer wäre für die Kampagne eine Echtzeit-Analyse und -Ausspielung gewesen, die allerdings aufgrund der aufwändigen technischen DNA-Analyse so nicht durchgeführt werden konnte.

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