Digitalisierung im Einzelhandel

Globus investiert weiter in Multichannel und Innovation

- Die Warenhausgruppe Globus arbeitet seit einiger Zeit an innovativen Retail Konzepten. Neben dem jüngst renovierten Retail Lab mit Partnern aus der Wissenschaft, werden auf Kleinflächen neue Multichannel Technologien getestet. Was sich bewährt, wird auf den Großflächen eingeführt. von Thomas Kletschke

Scan&Go Station bei Globus in Koblenz (Foto: Globus)

Scan&Go Station bei Globus in Koblenz (Foto: Globus)

Seit mehr als 50 Jahren ist Globus als konzernunabhängiger Einzelhändler aktiv; die Wurzeln des Unternehmens reichen sogar noch weiter zurück – bis ins Jahr 1828.

Seit 1965 der erste großflächige Globus Verbrauchermarkt eröffnete, hat das Unternehmen ein Netz an zusammengenommen über 160 Standorten in insgesamt vier Ländern aufgebaut. Neben aktuell 46 SB-Warenhäusern, 88 Baumärkten, einer Drive Station und acht Elektrofachmärkten in Deutschland zählen auch 23 Vollsortimenter in Tschechien und Russland sowie zwei Baumärkte in Luxemburg zur Globus Gruppe. Zuletzt setzte man insgesamt rund 6,9 Milliarden Euro um.

Im Bereich Digitalisierung des Point of Sale ist die in St. Wendel beheimatete Gruppe seit mehreren Jahren kontinuierlich am Ball geblieben. Seit mehreren Jahren leistet man sich den Luxus, in einem Retail Lab weiter am Puls der Zeit zu sein.

Artikelfinder im Testlabor IRL (Foto: Globus)

Artikelfinder im Testlabor IRL (Foto: Globus)

Was Sinn macht, wird sukzessive eingeführt. Selbstverständlich gehört auch Digital Signage seit Jahren zum Portfolio der eingesetzten Instrumente am PoS. So wurden – nach einer Testphase in 11 Globus Märkten – im Jahr 2014 die Frag‘ Henry! Terminals eingeführt, digitale Weinberater, an deren Screens sich Kunden ausführlich über das Sortiment des Händlers informieren können.

Ein weiterer langjähriger Partner bei Digital Signage und weiteren digitalen und analogen Werbeformen sind die Kreativen der Agentur m&r Kreativ aus Saarbrücken. Deren Digital Signage Lösung setze man seit Jahren ein, so Jung im invidis Interview.

Damit dürfte „OmniChannel Enterprise“ gemeint sein, ein Aktionsplanungs- und Steuerungssystem, das von dem IT- und Werbedienstleister m&r Kreativ gemeinsam mit Globus entwickelt wurde. Das System kann alle bei Globus relevanten Werbekanäle, vom Faltblatt über Markt-Sonderwerbungen, Zeitungs-, Internet-, Radio- und TV-Werbung, PoS-Werbung, Plakate, Social Media, Mailings, Mitarbeiterzeitung bis hin zu den aktuell 800 Digital Signage Screens (Ausbaustand Sommer 2015) in den Märkten bedienen.

Bereits Ende 2008 waren insgesamt 150 Digital Signage und DooH Screens bei Globus installiert, zusätzlich gab es zu diesem Zeitpunkt elektronisch Waagensysteme mit zusammen 70 Screens. Schon damals beteiligte sich das Unternehmen an der Gründung des heute noch existierenden Retail Labs. Was dort getestet wird, kann so oder in anderer Form später seinen Weg in den Supermarkt finden.

Wein-Kaufberatung via Digital Signage - Frag Henry Terminal bei Globus (Foto: Globus)

Wein-Kaufberatung via Digital Signage – Frag Henry Terminal bei Globus (Foto: Globus)

So ist etwa das Thema Self Checkout (SCO) bei Globus inzwischen in der Gegenwart angekommen: Der Service „Scan&Go“ mit 150 Handscannern für die Kundinnen und Kunden wurde bei Globus in Losheim eingeführt. Für die Installation musste der komplette Kassenbereich umgebaut werden (Verlängerungen der Bänder an den 20 Kassen, Installation von vier Linkshänder-Kassen, zwei Stehkassen und eine barrierefreie Kasse).

Wie wird der „Scan&Go“-Service von den Kunden angenommen? Wie Dr. Ralf Jung, Head of Multichannel bei Globus, erklärt, wird der Bereich Selbstbedienung / Selbstzahler gut angenommen. „Wir haben in Deutschland Scan&Go erstmalig in unserem SB-Warenhaus in Koblenz Bubenheim im Oktober 2014 eingeführt. Nach gut einem Jahr Pilotbetrieb können wir sagen, dass die Resonanz unserer Kunden sehr positiv ausfällt, weshalb wir zwei weitere Pilotmärkte gestartet haben. Mittlerweile haben wir die Anzahl der Handscanner auch erhöht, um unseren Kunden in Spitzenzeiten genügend Geräte zur Verfügung stellen zu können.“

Seit Frühherbst 2015 ist auch kontaktloses Zahlen über NFC möglich, wenn Kunden kontaktlos zahlen wollen (via Master Card). Schließlich legen auch die Kunden immer größeren Wert auf verschiedene Payment Optionen.

Was wird die Zukunft bringen? – Mögliche Antworten auf diese Frage werden regelmäßig im Innovative Retail Laboratory (IRL) gesucht, dem im Jahr 2007 gemeinsam mit den Partnern Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Universität des Saarlandes gegründeten Retail Lab. Erst in diesem Jahr wurde das IRL nach einer mehrmonatigen Umbauphase wiedereröffnet. Nach der Neugestaltung konzentriert sich das IRL auf innovative Handelskonzepte und personalisierte Kundenansprache. Das Labor thematisiert neben Technologien für den Supermarkt auch verstärkt die Bedeutung des Online-Handels im Kundenalltag.

Electronic Shelf Labels im IRL (Foto: Globus)

Electronic Shelf Labels im IRL (Foto: Globus)

Mit dem IRL will man vor allem eines: Erkenntnisse gewinnen. Welche der am IRL entwickelten Technologien könnten in naher Zukunft in die Märkte kommen? – „Das primäre Ziel des IRL ist es nicht, marktreife Produkte zu entwickeln, sondern das Labor ist für Globus ein wichtiger Inspirator und eine Ideenschmiede für innovative Themen, die auf neuen Technologien basieren“, so Ralf Jung gegenüber invidis. „Hier werden Visionen anhand von Technologiedemonstratoren erlebbar und getestet. Dadurch können wir identifizieren, wo wir noch Hausaufgaben, speziell bei unseren Basistechnologien, zu machen haben. Trotzdem wird man in Zukunft Forschungsergebnisse auch in unseren Märkten testen und erleben können.“

Electronic Shelf Labels (ESL) könnten zu den Hilfsmitteln gehören, mit denen Globus am PoS künftig herkömmliche Preisschilder gegen elektronische Preisschilder auswechselt. Getestet wird ihr Einsatz am IRL. Interessant könnte für Globus der Einsatz von Beacons werden, verrät Jung. „Mit dem Potential der Beacons und der BLE Technologie im Allgemeinen beschäftigen wir uns schon seit etwa zwei Jahren“, sagt Ralf Jung. Anwendungsfälle hier: Bewegungsanalyse und Kundenkommunikation am PoS. „Wir haben mit dem IRL schon Testszenarien durchgeführt, um erste Erfahrungen zu sammeln, sehen jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch einige, vor allem technologische, Hürden für eine sinnvolle Markteinführung“, skizziert Jung den aktuellen Stand.

Dass sie im Saarland noch einiges in Punkto vorhaben, zeigt auch eine Personalie: Seit Oktober 2015 ist Petra Schäfer in die Geschäftsführung der Globus SB-Warenhaus Holding GmbH & Co. KG eingetreten. Dort verantwortet sie die Bereiche Marketing und Multichannel. Schäfer war zuvor 12 Jahre bei der Drogeriekette dm für Marketing und Beschaffung verantwortlich.

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