Interaktive Kampagne

Bei Anruf ehrliche Antwort – wie VisitBrussels mit Terrorgefahr kommunikativ umgeht

- Wen würden Sie fragen, wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Reiseziel auch wirklich sicher ist? – Sicherlich wäre ein Mensch vor Ort eine gute Quelle, die man in die eigene Entscheidung mit einbeziehen kann. Kürzlich hat Belgien in der Outdoor Aktion dieses Prinzip umgesetzt. von Thomas Kletschke

#CallBrussels - Stele mit Telefon in Brüssels Stadtteil Molenbeek (Foto: VisitBrussels)

#CallBrussels – Stele mit Telefon in Brüssels Stadtteil Molenbeek (Foto: VisitBrussels)

Nach jedem Anschlag, nach jeder Schlagzeile folgt ein: „Kann man jetzt eigentlich noch nach … reisen?“ – was zuletzt auch die Stadt Istanbul betraf, so wie andere Städte in Europa und andernorts. Auch in Brüssel will man seit den Anschlägen von Paris und den Razzien und Verhaftungen in Belgien, dass sich Geschäftsreisende und Touristen nicht von den Anschlägen abschrecken lassen. Dabei stehen Brüssel und Belgien seit dem Mai 2014 durch Anschläge oder Razzien immer wieder im Mittelpunkt des Medieninteresses.

Reisewarnungen, Lageberichte: Oft reichen diese offiziellen Infos nur zu einer ersten Information für Reisende. Aber, um das Risiko noch genauer einschätzen zu können, das man eingeht (oder nicht eingeht), kann man statt der Verlautbarungen auch eine Quelle zurate ziehen, die einen sehr unmittelbaren Eindruck vermitteln kann: die Stimme von der Straße.

Das umgesetzte Konzept ist zwar nicht revolutionär. Und man hat es in einer noch spannenderen Variante schon an einigen Orten umgesetzt, etwa in Paris: Installiere eine Tür, hinter der eine andere Welt wartet, verbinde Menschen in einer interaktiven Aktion.

Eine solche geöffnete Tür samt Screen und Kamera zur Kommunikation hatte die SNCF schon einmal bei einer DooH Kampagne genutzt, um auf ihr Fernreiseangebot aufmerksam zu machen. An den interaktiven Screens konnten Menschen Ende 2013 in Paris Kontakt zu Passanten in anderen europäischen Städten knüpfen und sich mit ihnen unterhalten. Titel der Aktion damals: Europe is just next door.

Gleiche Idee, wesentlich ernsterer Anlass – und eine schnelle Umsetzung: So hat Visit Brussels auf die Anschläge in Paris, den folgenden Ausnahmezustand und die Razzien in Belgien reagiert, die dazu geführt hatten, dass Touristen und Brüssel-Besucher zunächst ausgeblieben waren.

Deshalb haben die Fremdenverkehrsexperten aus Belgien Anfang Januar 2016 eine interaktive Social Media und Außenwerbekampagne gestartet, die zeigt, dass Brüssel nicht unbedingt sicherer oder unsicherer ist, als man aufgrund der Berichterstattung meinen könnte.

Auch auf dem Mont des Arts waren Brüsseler Passanten telefonisch erreichbar (Foto: VisitBrussels)

Auch auf dem Mont des Arts waren Brüsseler Passanten telefonisch erreichbar (Foto: VisitBrussels)

Dazu wurde eine Microsite aufgesetzt sowie via Twitter und über andere Kanäle der Hashtag #CallBrussels verbreitet. Die Idee: Wer nach Brüssel reisen möchte (oder: muss) kann vorab über die Website ein Telefonat mit einem waschechten Brüsseler führen. Dazu ließ man an drei Orten in Brüssel Stelen mit einem Telefon installieren.

Als Standorte dienten für die Aktion, die vom 07. Januar bis 11. Januar 2016 lief, der Mont des Arts, die Place Flagey (Ixelles) und der Place Communal im durch die Berichterstattung als besonders problematisches Viertel bekanntgewordenen Molenbeek.

Kam man als Anrufer durch, landete man mit etwas Glück bei einem Brüsseler Bürger oder einer Einwohnerin der Stadt, der oder die einem einen ungeschminkten und subjektiven Blick auf „die Lage“ in Belgiens (und Europas) Hauptstadt gewährte. Der Tenor der Angesprochenen zumeist: Alles safe soweit, und allein wegen der Waffeln (oder anderer Besonderheiten) müsse man das kleine Land doch mal besuchen kommen.

Wie einige Medien berichteten, hatte die Aktion dann und wann auch einen Haken: Rief man über die Website an, landete man am anderen Ende auch schon mal bei einer Gruppe von Touristen ohne Englischkenntnisse, oder musste warten, da besetzt war.

Über einen Video Feed konnten Nutzer der Microsite zudem vorab sehen, ob an einem der drei Orte in der Stadt jemand gerade in Nähe des CallBrussels Telefon war, und wie die Umgebung aussah.

Für die Kreation zeichnet die Brüsseler Agentur Air verantwortlich, technischer Dienstleister war Teken & Maak aus dem belgischen Betekom.

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