ISE 2016

Interaktiver Spaß im Jet – Planes@Plaza in Schiphol

- Wer einen pfeilschnellen Papierflieger bauen möchte – oder sich einmal wie der Kapitän eines vierstrahligen Flugzeugs fühlen will, der kann das am Airport Amsterdam versuchen. Wir haben es auch ausprobiert. von Thomas Kletschke

Vom Innenraum des Ladens aus gesehen - Flugzeugrumpf des Shops Planes@Plaza (Foto: invidis)

Vom Innenraum des Ladens aus gesehen – Flugzeugrumpf des Shops Planes@Plaza (Foto: invidis)

Wie jeder größere Airport verfügt auch Amsterdam Schiphol über einen großen Retail Bereich. Neben Geschäften, die sich eher dem alltäglichen Bedarf decken (etwa: Supermärkte) oder die höherpreisige Konsumgüter anbieten (Beispiel: Boutiquen exquisiter Modelabels), sind Andeckenläden und Geschenke Shops in ausreichender Anzahl vertreten.

Wer für kleinere oder größereMenschen noch einen Flugmechanikeroverall sucht oder eine täuschend ähnliche Pilotenkluft, kann hier fündig werden.

Als Standort hat der Händler die Plaza genannte Einkaufszone im Erdgeschoss gewählt. Im Laden selbst nimmt der Retailer dasLeitmotiv Fliegen auch bei der Einrichtung auf. So sind etwa die Lampen in Form von dreiblättrigen Rotorblättern ausgeführt.

Doch auch andere, analoge, Gestaltungselemente im Außenbereich des Shops wecken schon viel früher die Aufmerksamkeit der Menschen. Im Gang gegenüber ist ein altes Flugzeugfahrwerk samt Gummireifen installiert.

KLM Cockpit bei Planes@Plaza (Foto: invidis)

KLM Cockpit bei Planes@Plaza (Foto: invidis)

An einer Seite des Shops ist – weithin gut sichtbar – ein Teil eines Flugzeugrumpfs in Farben und Design der KLM installiert. Neuerdings ist dieser Flugzeugrumpf auch durch eine Treppe begehbar – zuvor war des nur innerhalb des Ladens möglich.

Innerhalb des aufgeschnittenen Jets, der über ein weitestgehend noch originales Cockpit verfügt, sind rechts zwei Sitzreihen installiert, an denen sich interaktive Terminals befinden, die kleinere und größere Kunden begeistern sollen sowie einen Mehrwert bieten.

Das Projekt wurde von Bitmove gestemmt, einem niederländischen Dienstleister, der Projekte sowohl in Holland (Van Gogh Museum, Anne Frank Haus, Heineken Experience) wie im Ausland aktiv ist.

Seit etwa drei Monaten setzt Planes@Plaza auf die Installation, die zwei interaktive Anwendungen bereitstellt. Bei wem könnte man sich besser über das Projekt informieren, als bei Bitmove Gründer und Geschäftsführer Klaas van der Veur?

Am Vortag des ersten Messetags informierte van der Veur eine Gruppe, die sich im Rahmen einer Tech Tour die Retail Inszenierung zeigen ließen.

Einmal selbst Captain sein - ISE Besucher testet das interaktive System (Foto: invidis)

Einmal selbst Captain sein – ISE Besucher testet das interaktive System (Foto: invidis)

Für den Kunden – insgesamt betreibt der Händler etwa 20 Shops an verschiedenen Airports – konzipierte, fertigte und betreibt Bitmove an diesem Ort zwei Kiosksysteme. Vor gut 3 Monaten wurden sie innerhalb von etwa acht Wochen geplant, installiert – und sind seitdem in Betrieb.

Die beiden Systeme sind jeweils in die Rückenlehne der Vorderreihe installiert, arbeiten mit Touch – und bieten zwei Applikationen. Diese sollen – genau wie das große „Drumherum“ der Installation – neue Kunden und Kundengruppen für den Laden und sein Angebot interessieren.

Da das Sortiment bei Planes@Plaza aus Airlines- und Flugverkehr bezogenen Spielen und Spielzeug besteht, sollte mit den beiden Applikationen der Spieltrieb der Kunden angeregt werden.

Mit der ersten Anwendung können die Besucherinnen und Besucher testen, wie sie sich als Flugkapitän oder Stewardess machen: In eine Vorlage kann man ein Selfie einbauen, dass das Kiosk von einem schießt. Die oberhalb des Screens installierte Kamera schießt die nötigen Bilder. Die fertige Collage kann via E-Mail oder Social Media an Freunde versandt werden. Tipp fürs nächste Update: Als Pilotin kann man sich mit den bestehenden Auswahlmöglichkeiten ablichten lassen – die Variante männlicher Steward fehlt. Man kann also noch ein wenig nach-gendern.

Auch beim Lighting ist man ganz auf Flugverkehr eingestellt (Foto: invidis)

Auch beim Lighting ist man ganz auf Flugverkehr eingestellt (Foto: invidis)

Applikation zwo, komplett Carbon-free: Ausgehend von zwei Grundformen lassen sich diverse Papierflieger designen und ziemlich individualisiert erstellen. Inklusiver Markierungen für Falz und Co. sowie farbiger Designelemente. Das Ganze wird dann unten im Laden ausgedruckt – fertig ist der Papierflieger, mit dem man dann ganz ohne vorherigen Test im Windkanal die Aerodynamik mal so richtig austesten kann.

Das komplette System ist von Bitmove konzipiert und umgesetzt worden: eigene Software, auf Windowws OS laufend; eigene Hardware (Screen und speziell designter Mediaplayer. Von außen ist der Touchscreen samt Player in einem Alugehäuse untergebracht, das ein wenig an die Flügel von großen Jets erinnert – samt zugehöriger Nieten im Leichtmetall. Auch Maintenance wickelt der Dienstleister ab.

Die Systeme laufen an den regulären Öffnungszeiten des Jobs, sind also täglich etwa 12 Stunden im Einsatz. Alles ist remote steuerbar, und – so Klaas van der Veur – im Betrieb absolut robust.

Wenn man sieht, wie viele begeisterte kleine Möchtegern-Pilotinnen oder Möchtegern-Flugbeleiter sich an den beiden Kiosken die Zeit vertreiben, spricht das für das System. Hervorzuheben ist, dass die Kioske mit sehr intuitiver Bedienbarkeit wirklich barrierefrei sind – was allerdings nicht für den Flugzeugrumpf gilt (Treppe).

Sicherlich kann man weitere Features hinzufügen, so ein System noch viel schicker machen. Aber in der Kombination mit den originalen Kabinensitzen und dem restlichen Interieur ergibt sich eine stimmige uns spaßige Installation – auch für Junggebliebene.

Eines würden wir uns wohl doch noch wünschen: eine coole interaktive Installation im Cockpit selbst. Mal schauen, ob Planes@Plaza da mal nachlegt.

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