Politische Meinungsumfragen via Digital-out-of-Home

40% der US-Amerikaner wollten weder Clinton noch Trump als Präsidenten

- Das Medium Digital-out-of-Home kann auch als Forschungs-Tool in Wahlkämpfen genutzt werden. Ein großes DooH Netzwerk in den USA führte im Frühjahr 2016 politische Meinungsumfragen über seine interaktiven Screens durch – mit teils überraschenden Ergebnissen. Ein Fallbeispiel. von Thomas Kletschke

Teilnehmerin einer politischen Umfrage im EYE Play Netzwerk (Foto. EYE Corp Media)

Teilnehmerin einer politischen Umfrage im EYE Play Netzwerk (Foto. EYE Corp Media)

Marktforschung und besonders politische Meinungsforschung sind die hohe Schule der angewandten quantitativen Sozialforschung: Lediglich repräsentative Umfragen geben die größtmögliche Gewissheiten über die vorherrschende Stimmung in der Gesamtbevölkerung – oftmals noch ergänzt und gestützt durch qualitative Ansätze, etwa weitergehende Tiefeninterviews in Kleingruppen sowie Online Panels.

Nur durch statistische Methoden, Kontrollfragen und weitere Tools lassen sich verlässliche Aussagen treffen. Und trotzdem straft das reale Abstimmungsverhalten an manchem Wahlabend die Forscher und ihre Vorhersagen ab – alles schon passiert.

Deshalb sind die unten folgenden Ergebnisse der Umfrage natürlich mit Vorsicht zu genießen. Zudem bilden sie nur den Umfragezeitraum ab, das Frühjahr des Jahres 2016 (März bis April). Andererseits sind die Ergebnisse in zahlreichen Befragungsrunden über einen Zeitraum von einem Monat entstanden und zeigen exemplarisch, wie sich DooH auch als Tool für Wahlforschung einsetzen lässt.

Das lässt einerseits für Werbungtreibende weitere mögliche Schlüsse bei Kampagnen zu – also als Ergänzung zu über DooH durchgeführten Konsumentenbefragungen. Doch auch für große MaFo Institute, Stiftungen oder Parteien wären Ergebnisse interessant – ob als Auftraggeber oder durchführendes Institut. Angesichts der durch den grundlegenden Medienwandel und die Beschleunigung von News-Rezeption immer wieder zutage tretenden schnellen Meinungsumschwünge eine weitere Möglichkeit, die andere neue Ansätze wie Social Media Auswertung, ergänzen kann.

Politische Meinungsumfrage zum Präsidentschaftswahlkampf 2016

Einen Monat lang befragte EYE Corp Media Nutzer seines in 23.000 Bars und Night Clubs der AMI Entertainment Group installierten DooH Netzwerks zum Präsidentschaftswahlkampf in den USA. Insgesamt 7.000 Befragungen wurden vom System registriert; 2.354 Befragungen wurden von den Teilnehmern komplett abgeschlossen – was wiederum nahelegt, dass sehr geduldige und politisch besonders interessierte Menschen in der nachfolgenden Auswertung überrepräsentiert sein könnten.

Über 60% der Befragten waren männlich. Fast die Hälfte der Befragten haben einen College-Abschluss oder einen höheren Bildungsabschluss. Zudem: In den USA ist nicht zwangsläufig jeder Staatsbürger auch als Wahlberechtigter eingetragen. Von diesen Einschränkungen abgesehen haben die MaFo Experten Ergebnisse mit Aussagekraft in der Gesamtbevölkerung sowie von einzelnen Bevölkerungsgruppen (Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft, Standort/ Bundesstaat, eigene Zuordnung zu einem politischen Lager) extrahiert.

Verblüffendstes Ergebnis: 40% der US-Amerikaner wollten im Frühjahr 2016 weder Donald Trump noch Hillary Clinton als künftigen Präsidenten/ Präsidentin sehen. Stattdessen würden sie ihr Kreuz lieber bei einem unabhängigen, unbekannten oder anderen Kandidaten machen, antworteten sie damals. Hintergrund dürfte hier unter anderem der sowohl bei Republikanern wie Demokraten mit harten Bandagen geführte Prozess des Aussiebens und der Einigung auf einen Kandidaten gewesen sein, bei dem Mitbewerber wie Ted Cruz oder Bernie Sanders hatten aufgeben müssen. Offenbar hatten im Befragungszeitraum auch deren Anhänger sich noch nicht mit der jeweiligen Alternative in ihrer Partei anfreunden können. Hinzu kommen die Bürger, die aus anderen Gründen lieber einen weiteren Kandidaten im Weißen Haus sehen würden.

Beim Thema Einwanderung teilten 52% die Meinung des Papstes – im Februar 2016 hatte Papst Franziskus bei einem Mexiko-Besuch eine großzügige Einwanderungspraxis seitens der USA gegenüber von Migranten aus Mexiko eingefordert – waren also für eine liberale Haltung beim Thema. Dagegen teilten 48% die Meinung von Donald Trump (Begrenzung/ Verschärfung).

Andere Ergebnisse aus der Umfrage zeigen in der Tendenz ähnliche Verteilungen, wie sie aus herkömmlichen Umfragemethoden bekannt sind. Mehr als die Hälfte der weißen Umfrageteilnehmer vertraten beim Thema Einwanderung die Position von Trump. Dagegen waren 73% der Hispanics und 59% der Afro-Amerikaner in dieser Frage auf Seiten der Gegenposition.

Zwei von fünf Menschen waren im Umfragezeitraum noch unentschlossen, wem sie im November ihre Stimme geben möchten. Trump konnte 41% der weißen, männlichen Republikaner in der Altersgruppe von 50 – 65 Jahren im Nordosten der USA überzeugen. An der Westküste wollten 22% aller Befragten ihr Kreuz bei Trump machen. Unter allen Anhängerinnen und Anhängern der Demokraten wollten rund 38% dagegen Clinton als künftige Präsidentin.

Die wichtigsten Fragen und Politikfelder, die die Wähler zu diesem Zeitpunkt beschäftigten, waren Wirtschaft, gefolgt von Terrorismus, Waffenkontrolle, Gesundheitswesen, Einwanderung und Arbeitslosigkeit. Für die Millenials – also die Jahrgänge der späten 1970er bis frühen 1980er Jahre – ist die Wirtschaft das wichtigste politische Anliegen. Das gaben 32% der Generation Y an.

Auch allgemeine Ergebnisse, die so im September 2016 noch ziemlich genau stimmen müssten, lieferte die Umfrage. Wie interessieren sich die US-Bürger, wenn es um Politik geht? – Auf die Frage, was die wichtigste Quelle für politische Nachrichten für sie ist, sagten 35%, dass dies das TV sei. Dagegen informieren sich 23% über Politik im Internet. Bereits 13% nutzen dazu überwiegend Social Media, für 14% sind andere Mediengattungen der Hauptlieferant politischer News.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.