Karstadt Instore-TV mit konzeptionellen Schwächen

- Karstadt-SteeleWas haben Martin Stosch und das Karstadt-Digital-Signage-Projekt gemeinsam? – Einen vielversprechenden Start und Schwächen in der Umsetzung. Am letzten Samstag konnte man beides im Karstadt München am Bahnhofsplatz live erleben. Während Martin Stosch, ehemaliger Teilnehmer bei DSDS, seine zumeist weiblichen Fans in der fünften Etage (Consumer Electronics und Musik-Store) in Ekstase versetzte, machte ich mich auf Inspektionstour in den Verkaufsräumen. Ziel war es, einen Blick auf die Digital-Signage-Installation zu werfen, die in der Branche für einigen Gesprächsstoff sorgt. von Oliver Schwede

Die Stelen von Mavis Brand Concept sehen gut aus und wirken sehr edel. Leider haben die Projektverantwortlichen die Screens ein wenig lieblos zwischen die Kleiderständer geschoben. Zwar stehen sie somit nah an den Gängen, jedoch wirken sie dort verloren und deplatziert. Durch ihre stattliche Größe sind die Displays gut einsehbar, aber von einer Integration in den Verkaufsraum kann nicht die Rede sein.In der offiziellen Pressemitteilung aus dem vergangenen Jahr heißt es:

„Ein Mix, bestehend aus Information, Infotainment und Werbung, wird die Konsumenten künftig beim Einkaufsbummel begleiten. Immer mit dabei: Der Werbetreibende, der seine Botschaften nun direkt am Point of Sale mit dem Produkt verknüpfen kann und dadurch Kunden direkt während ihrer Kaufentscheidung erreicht. Informationen zu erklärungsbedürftigen Produkten wie Outdoor-Kleidung und ihren Funktionen tragen zu einem intensiven Dialog mit Kunden bei. Die Umsetzungszeit bis zur Präsentation auf dem Bildschirm beträgt dabei nur wenige Stunden.“

„Auch Karstadt ist in der Lage, die Kommunikation der monatlich wechselnden Themeninszenierungen abteilungsgenau zu steuern. Dazu gehören auch Verweise auf passende Produkte aus themenverwandten Abteilungen: Kunden, die sich für asiatisches Kücheninventar interessieren, erhalten zum Beispiel Informationen über passende Lifestyle-Artikel.“ Quelle: Karstadt

Der Wunsch war wohl Vater des Gedankens, als man diesen Marketingtext verfasste. Die abteilungsgenaue Themeninszenierung gipfelt in einem Spot von Philips, der dem Kunden die neuen LED-Lampen näher bringen soll –allerdings in der Jeansabteilung. Vielleicht hatte man einige Stunden zuvor die Lampenabteilung umgesiedelt und nur vergessen das Programm anzupassen? Unwahrscheinlich, denn auf allen Stelen, die sich auf den Verkaufsflächen befinden, läuft derselbe Loop.

Großartig ist auch der Eva-Padberg-Spot, der in regelmäßigen Abständen zu sehen ist. Hier empfehle ich jedem Besucher etwas Zeit mitzubringen. Die obligatorische Aufmerksamkeitsspanne von wenigen Sekunden reicht nur aus, um eine schnelle und verwirrenden Bildfolge von Frau Padberg zu erhaschen. Wer allerdings vor dem Fernseher Platz nimmt, dem wird ein wenig später die Bedeutung der Bildcollage klar. Leider gibt es keine Sitzmöbel vor den Stelen, und ich musste feststellen, dass ich der einzige Kunde bin, der wie gebannt auf den Schirm schaute und auf den nächsten Werbeclip wartete.

Peter Wolf, KarstadtQuelleDazu noch ein Zitat aus einer Pressemitteilung: „Wir sehen unsere Filialen und Häuser zunehmend als Plattform für kreative Inszenierungen. Den Kunden soll Shoppen Spaß machen und sie durch die Atmosphäre der Erlebniswelten inspirieren.“ (Peter Wolf) Quelle: Presseportal

So sieht dann die kreative Inszenierung in der Realität aus. Alles in allem scheint da noch viel Raum für Verbesserungen zu sein.Zu allem Überfluss gab es dann noch ein defektes System zu bestaunen, in dem ein Monitor alle Inhalte in attraktive Gelbtöne tauchte. Vielleicht hatte das Display erst vor ein paar Minuten das Leben ausgehaucht. Dennoch beschleicht einen der Eindruck, dass keiner der Angestellten auf so etwas wirklich achtet. Übrigens kein Einzelfall. Im Supermarkt des Jahres 2007 (Hit Markt in Laim, München) kann man eingebrannte Displays bewundern. Auch nicht gerade das beste Aushängeschild.

„Wir zeigen mit diesem Projekt einmal mehr, dass unsere Neuausrichtung der Karstadt-Warenhäuser zu einem modernen Marktplatz von den Kunden nachhaltig positiv wahrgenommen wird und die monatlich wechselnden Themenwelten messbare Verkaufsimpulse setzen. In Verbindung mit vielen anderen Maßnahmen trägt Instore TV dazu bei, dass sich die Kundenfrequenz und Aufenthaltsdauer kontinuierlich erhöhen und Karstadt weiter Marktanteile gewinnen wird.“ (Karstadt Warenhaus-Chef Peter Wolf) Quelle: Karstadt

Hoffen wir mal, dass dies nur die Kinderkrankheiten sind und die Verantwortlichen in den nächsten Monaten Bemühungen unternehmen, um die Ankündigungen aus den Pressemitteilungen in die Praxis umzusetzen. Die Voraussetzungen für kontinuierliche Anpassung und Optimierung erfüllt so ein Digital-Signage-System ja von Hause aus. Wer übrigens in den Genuss von Martin Stosch kommen möchte, der findet die Karstadt-Tourdaten auf seiner offiziellen Website.

(eca)

One thought on “Karstadt Instore-TV mit konzeptionellen Schwächen

  1. Hallo,
    der Artikel ist eine wunderbare Beschreibung der jetzigen Stituation. Eine ähnliche Erfahrung hatte ich im Karstadt Essen gemacht. Dennoch möchte ich eine Lanze für Karstadt brechen und diese Engagement uneingeschränkt loben. Geht es doch darum, überhaupt die Möglichkeit zu schaffen, das Thema Digital Signage voranzutreiben. Und ohne das Testen, das Spielen in einer Live-Umgebung werden wir nie lernen, wie es sinnvoll funktioniert. Es geht um eine neue Art der Kommunikation! Nicht mehr und nicht weniger. Und die lernen wir nicht in unseren Meetingräumen. Ich kann nur berichten, wie sich unsere Kunden erst durch den regelmäßigen Einsatz von neuen Bildschirmpräsentationen dieser neuen Ausdruckform bewußt wurden. Und sie werden immer besser bei der Themenwahl, wir lernen gemeinsam jeden Tag neues dazu. Darum: Lasst uns mit großen Erwartungen und unpassendem Content starten, aber lasst uns starten und aus den Fehlern lernen. Es wird irgendwann eine fantastische Kommunikationsform!
    Wolfgang Kuhl, accivo content services

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