Digital-Signage-Systeme richtig installiert

- Die Praxis zeigt, dass das Thema Installation und Inbetriebnahme von Digital-Signage-Systemen meist nur marginal und damit oft zu spät in die Planung eines Gesamtprojekts mit einbezogen wird. Vielfach resultiert daraus eine Verzögerung des Systemstarts, was wiederum nicht nur zu höheren Kosten, sondern auch zu unnötigem Ärger führen kann. Im Folgenden wird auf die wichtigsten Faktoren, die bei der Installation zu beachten sind, eingegangen, um daraus Standards für eine reibungslose Implementierung zu entwickeln. Insbesondere werden dabei die Infrastruktur, das Implementierungskonzept sowie die Auswahlkriterien für den richtigen Installationspartner näher betrachtet. von Oliver Schwede

Axel Bürger, Geschäftsführer der Black Box Deutschland GmbH

Egal, ob es sich um Einzelinstallationen, wie kleinere oder Pilotprojekte, oder um größere Roll-outs, das heißt eine Anzahl von Installationen in einem zeitlich und räumlich definierten Bereich, handelt – prinzipiell stellt sich anfangs stets die Frage, auf welchem Weg die Daten übertragen werden sollen. Denn welche Art der Infrastruktur gewählt wird, hat konkrete Auswirkungen auf das ganze Projektmanagement seitens der Montage.

Im Wesentlichen gibt es folgende Infrastrukturvarianten:

  • Satellit,
  • Internet/DSL,
  • UMTS, GPRS, HSDPA,
  • USB-Stick,
  • Wireless (kabellos) mittels WiFi-Lösungen sowie
  • kabelgebundene Lösungen mit einer strukturierten Verkabelung.

Für die Auswahl der geeigneten Infrastruktur gilt es folgende Punkte zu beachten:

  • Welche Art von Inhalten soll auf den Displays ausgespielt werden? Statische Informationen (Bild und Text), Newsfeeds, RSS-Feeds oder bewegte Bilder?
  • Wie häufig ändert sich der Content? Permanent, regelmäßig oder selten? Dies gibt z.B. Aufschlüsse auf die benötigte Bandbreite.
  • Wie sehen die räumlichen Gegebenheiten aus? Wie hoch sind die Räume? Gibt es abgehängte Decken? Steht das Gebäude unter Denkmalschutz?
  • Welche möglichen Störquellen für eine reibungslose Datenübertragung gibt es? (Ein Beispiel wären Geräte mit einer hohen Netzlast, die Stromschwankungen auslösen, wie Kühltruhen im Lebensmitteleinzelhandel.)

Grundlegende Überlegungen hinsichtlich des Implementierungskonzeptes

Bei der Art der Implementierung vor Ort stellt sich die Frage, ob das Digital-Signage-Netzwerk in die bestehende IT integriert werden oder separat laufen soll bzw. ob ein zentrales oder dezentrales Setup vor Ort gewünscht wird.

Bei den meisten Firmen ist ein umfangreiches Netzwerk bereits vorhanden, das als Basis für die Übertragung von Digital-Signage-Inhalten dienen kann. Der Vorteil der Nutzung einer bereits vorhandenen Infrastruktur mit sowohl aktiven als auch passiven Netzwerkkomponenten sowie eines meist vorhandenen DSL-Anschlusses liegt vor allem in der Kosteneinsparung bei der Hardware und der Installation. Zudem verringert sich der Administrationsaufwand. Gegen die Integration in das bestehende Firmennetzwerk spricht häufig das vorhandene IT-Sicherheitskonzept, das vor allem den Zugriff Dritter ausschließen möchte.

Ein weiterer relevanter Aspekt ergibt sich aus der bereits vorhandenen Verkabelung. Hier stellt sich die Frage, ob diese sich aufgrund ihrer Qualität für die Datenübertragung überhaupt eignet. Heutzutage werden für die Verkabelung von Unternehmensnetzwerken vielfach schon CAT6- und CAT7-Kabel eingesetzt. Manche der CAT6- und alle CAT7-Kabel sind doppelt geschirmt (Stichwort PiMF = Pair in Metal Foil). Diese Eigenschaft ist zwar für die Übertragung von Daten und Sprache in Corporate-Netzwerken wichtig, jedoch eignet sie sich kaum für die Verteilung von Videosignalen in Digital-Signage-Anwendungen. Zur Reduzierung von elektrischem Nebensprechen haben Cat5e-und Cat6-Kabel enger verdrillte Kabel und mehr davon als Cat5-Kabel. Dadurch bedingt ist die Leitungslänge, die ein elektrisches Signal durchlaufen muss, für jedes Paar anders.

Normalerweise bringt dies bei der Datenübertragung keine Probleme mit sich. Werden jedoch analoge Videosignale mit höherer Auflösung über langes Kabel gesendet, sind eventuell Farbtrennungen zu sehen. Die dargestellten Inhalte sind weniger brillant und werden häufig von Schlieren und Schatten überlagert. Dies gilt insbesondere für analoge VGA-Bildsignale, während bei DVI-Video (Digital Visual Interface) die Art des Kabelmediums keine Rolle spielt, da es sich um digitale Bildsignale handelt. Preislich muss man jedoch bei der DVI-Verteilung vom 2- bis 2,5-fachen ausgehen. DVI findet daher im Bereich Digital Signage zurzeit noch wenig Verbreitung.

Letzten Endes sprechen Sicherheitsaspekte und die technischen Eigenschaften der Kabel eher gegen eine Integration des Digital-Signage-Systems in die bestehende IT-Landschaft. Die Qualität des Systems steht und fällt mit der Wahl des richtigen Kabeltyps: Für eine qualitativ hochwertige Übertragung der Bilddaten garantieren ungeschirmte CAT5- oder CAT5e-Kabel.

Zentrales oder dezentrales Setup? Meist eine Frage der Philosophie

Foto: Blackbox

Foto: Blackbox

Ein zentraler Aufbau ist dadurch gekennzeichnet, dass sich der oder die PCs mit dem Content Management System (Media Player) an einem einzigen Ort befinden. Dies kann z.B. in einem Computerschrank im klimatisierten Serverraum oder im Marktleiterbüro im Einzelhandel sein. Von diesem Ort aus werden dann alle Inhalte über die Infrastruktur auf die Bildschirme verteilt. Der dezentrale Aufbau ist dadurch charakterisiert, dass der Media Player in der Nähe oder direkt am bzw. im Screen platziert ist.

Für einen zentralen Aufbau spricht eindeutig, dass wichtige Komponenten wie Media Player abseits vom Kundenverkehr in einem klimatisierten, sauberen und eventuell überwachten Bereich installiert sind und somit dem Zugriff Dritter entzogen sind. Allerdings ist bei dieser Variante oft mit höheren Kosten für das Material zu rechnen (Serverschrank, Verkabelung, zusätzliche Hardware zur Übertragung von Daten über einen längeren Weg).

Bild: Blackbox

Bild: Blackbox

Für das dezentrale Setup spricht, dass hier in der Regel weniger Hardware wie Racks, Extender und Kabel zum Einsatz kommen, was jedoch zu Lasten eines bestimmten, gewünschten Sicherheitsstandards geht. Ebenfalls zu bedenken ist, dass bei ungeschützten Geräten durch Staub (insbesondere in Bekleidungsgeschäften), Wärme und ähnliche Umwelteinflüsse ein wesentlich höherer Aufwand bei der Wartung von Media Playern und Monitoren entsteht.

Kriterien für die Wahl eines Installationsdienstleisters

Bei der Auswahl des Roll-out-Partners sollten im Wesentlichen folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Beratung,
  • Planung,
  • Vor-Ort-Begehung (Site Survey),
  • Projektmanagement,
  • Installation (Pilot bzw. Roll-out),
  • Logistik und Lagerhaltung bei der Installation sowie
  • vollständige Dokumentation.

Nach Inbetriebnahme des Digital-Signage-Netzwerks:

  • Wartungsservices auf Basis von Service Level Agreements (SLAs);
  • Logistik und Lagerhaltung im Rahmen der Wartung.

Entscheidend in der Beratungsphase ist die professionelle Unterstützung bei allen konzeptionellen Fragen (Infrastruktur und Art der Implementierung) sowie bei der Umsetzung selbst. Weitere Erfolgsfaktoren sind für die Projektplanung eine Begehung vor Ort und das ganzheitliche Projektmanagement mit einem direkten Ansprechpartner auf Seiten des Dienstleisters. Für die Installation ist es wichtig, sich bereits im Vorfeld ein Bild über die Bedingungen zu machen. Diese Informationen dienen als wesentliche Grundlage bei der Planung und beim gesamten Projektmanagement. Für viele bedeutet dies zunächst einen zusätzlichen Kostenfaktor, trägt aber rückwirkend betrachtet zur Einhaltung der Kosten bei, da Projekte zeiteffizient und wesentlich reibungsloser abgeschlossen werden können.

Die Logistik und Lagerhaltung sollte komplett in den Verantwortungsbereich des Installationsdienstleisters übertragen werden. Im Sinne eines Just-in-time-Ansatzes kümmert sich dieser um die gesamte Logistik aller einzusetzenden Komponenten und den Einsatz des Installationsteams. Der Stellenwert der Logistik steigt mit zunehmender Größe und Komplexität des Roll-outs.

Nicht vergessen werden darf: Wenn das System erst einmal zum Einsatz gekommen ist, muss es auch am Laufen gehalten werden. Eine präventive Wartung im laufenden Betrieb sowie kompetenter und schneller Service im Falle einer Funktionsstörung des Digital-Signage-Netzwerkes sind das A und O, da somit eventuelle Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert werden können.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Installation digitaler Kommunikationslösungen weit mehr erfordert als reines Wissen um die Elektrotechnik. Kenntnisse im Projektmanagement, in der IT sowie im gesamten AV-Bereich sind notwendig, um ein Digital-Signage-System professionell und effizient durchführen zu können.

Axel Bürger/eca

Über Black Box:
Black Box ist eines der größten technischen Serviceunternehmen mit Schwerpunkt Design, Installation und Wartung von Netzwerk-Infrastrukturen. In den Bereichen Datenkommunikation, Netzwerkinstallation vor Ort und Telekommunikation unterstützt das Unternehmen mehr als 175.000 Kunden in 141 Ländern mit 173 Niederlassungen.
Die Black Box Deutschland GmbH ist seit 1984 am deutschen Markt. Zum Kundenstamm gehören kleine und mittelständische Betriebe sowie Großunternehmen aus unterschiedlichen Branchen wie Dienstleistung, Industrie, Telekommunikation, Gesundheit und öffentliche Verwaltung sowie Banken und Versicherungen.

Axel Bürger: Black Box Deutschland GmbH
axel.buerger@black-box.de

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