Konsumklima trotzt Finanzkrise

- Trotz Finanzkrise mit teilweise tumultartigen Reaktionen an den Börsen kann sich das Konsumklima im Oktober auf niedrigem Niveau stabilisieren – so das Ergebnis der GfK-Konsumklimastudie für den Monat Oktober. Dazu trägt vor allem eine leicht steigende Einkommenserwartung in Verbindung mit einer rückläufigen Sparneigung bei. von Oliver Schwede

Bild: GfK


Im Gegensatz dazu müssen die Konjunkturerwartung sowie die Anschaffungsneigung Einbußen hinnehmen. Der Indikator prognostiziert nach 1,8 Punkten im Oktober einen Wert von 1,9 Punkten im November.

Auf die teilweise dramatischen Ereignisse an den internationalen Finanzmärkten haben die Verbraucher vergleichsweise besonnen reagiert. Dies gilt insbesondere für ihre Einkommensaussichten. Sinkende Inflationsraten gefährden derzeit die Kaufkraft der Konsumenten weniger stark. Deshalb kann die Einkommenserwartung sogar etwas zulegen. Dagegen haben die turbulenten Vorgänge an den Börsen die Rezessionsängste verstärkt, und so müssen die Konjunkturerwartungen der Deutschen signifikante Einbußen hinnehmen.

Die Anschaffungsneigung kann bislang von den zuletzt deutlich gesunkenen Energiepreisen nicht profitieren und geht moderat zurück. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass die Bundesregierung zum Zeitpunkt der Befragung das Paket zur Stützung des Finanzmarkts weder abschließend diskutiert noch beschlossen hatte. Somit konnte diese Maßnahme, die vor allem darauf gerichtet ist, das Vertrauen in den Finanzmarkt wiederherzustellen, noch keinen Einfluss auf die Verbraucherstimmung nehmen.

Konjunkturerwartung: Rezessionsängste nehmen zu

Bei der gestiegenen Konjunkturerwartung im September handelte es sich offensichtlich um eine einmalige Entwicklung. Im Oktober verlor der Indikator mit einem Minus von 11,8 Punkten wieder deutlich an Wert. Aktuell weist er minus 27,5 Zähler auf, was im Vorjahresvergleich einen Rückgang von gut 66 Punkten darstellt. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im Mai 2003 gemessen.

Damit haben sich die Rezessionsängste der Deutschen weiter verstärkt. Wesentlich dazu beigetragen haben die teilweise panikartigen Ereignisse an den internationalen Börsen, die das Vertrauen der Konsumenten in die weitere konjunkturelle Entwicklung erschüttert haben. Damit sind die Bundesbürger momentan im Einklang mit einer Reihe von Wirtschaftsexperten, die die deutsche Wirtschaft derzeit „am Rande einer Rezession“ sehen, wie der Titel des jüngst von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlichten Herbstgutachtens lautet. Ob das inzwischen von der Bundesregierung beschlossene Rettungspaket für den Finanzmarkt für mehr Ruhe an den Börsen sorgen und zu einem Stimmungsumschwung beitragen kann, bleibt abzuwarten.

Einkommenserwartung: Kaufkraft nicht stärker gefährdet

Vor allem deutlich sinkende Rohölpreise haben die Einkommensaussichten auch im Oktober gestützt. Bereits zum dritten Mal in Folge bewirkte der nachlassende Preisdruck eine positive Entwicklung. Der Indikator konnte aktuell um einen guten Punkt zulegen und weist minus 12,9 Punkte auf. Dennoch bleibt das Niveau niedrig. Dies unterstreicht auch das Minus von 12,2 Zählern im Vorjahresvergleich.

Damit haben die Konsumenten hinsichtlich ihrer Einkommensaussichten, einer wesentlichen Bestimmungsgröße des Konsumklimas, bislang überaus besonnen auf das Chaos auf den internationalen Finanzmärkten reagiert. Zu einem ähnlichen Resultat kommt auch eine Mitte Oktober durchgeführte GfK-Studie über die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Anlageverhalten sowie das Vertrauen der Bürger in den Bankensektor. Zum einen haben relativ wenig Deutsche ihr Geld in Aktien investiert, die aufgrund der Finanzkrise herbe Verluste hinnehmen mussten. Zum anderen bleiben wichtige Rahmenbedingungen wie die Beschäftigungslage oder der nachlassende Inflationsdruck weiterhin positiv.

Anschaffungsneigung: Rezessionsgefahr sorgt für Zurückhaltung

Nach deutlichen Zuwächsen im September in Höhe von gut 15 Punkten hat die Konsumzurückhaltung aktuell wieder zugenommen. Der Indikator Anschaffungsneigung büßte 5,4 Punkte ein und verzeichnet momentan minus 18,2 Zähler. Im Vorjahresvergleich bedeutet dieses immer noch ein Minus von gut 5 Punkten.

Die Furcht vor einem Abgleiten der deutschen Wirtschaft in die Rezession sorgt bei den Konsumenten dafür, dass sie bei größeren Anschaffungen zurückhaltend bleiben. Dies macht sich unter anderem im Automobilbereich, aber auch in der Baubranche bemerkbar, die bereits teilweise mit Produktionseinschränkungen auf die sinkende Nachfrage reagieren. Offenbar konnte auch der nachlassende Inflationsdruck in der derzeitigen Situation für keine spürbaren Impulse sorgen, so dass viele Deutsche hinsichtlich ihrer Anschaffungen eine abwartende Haltung einnehmen.

Konsumklima: Stabilisierung auf niedrigem Niveau setzt sich fort

Das Konsumklima setzt damit vorerst seine Stabilisierung fort. Der Gesamtindikator prognostiziert für November einen Wert von 1,9 Punkten nach 1,8 Punkten im Oktober.

Neben der stabilen Einkommenserwartung hat auch eine zurückgehende Sparneigung der Konsumenten dazu beigetragen, dass das Konsumklima nicht gesunken ist. Eine sinkende Spar- und Anschaffungsneigung scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Dies könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, dass in der augenblicklichen Situation sowohl die bewusste Kauf- als auch Sparentscheidung keine große Zustimmung findet und finanzielle Mittel – vermutlich auch in Bargeldform – zurückgehalten werden.

Nachdem in diesem Jahr hinsichtlich des Konsums keine gravierenden Impulse mehr zu erwarten sind, richten sich die Hoffnungen nun auf das Jahr 2009. Hier kommt es ganz wesentlich darauf an, dass bei den Konsumenten das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder wächst und ein Abgleiten in die Rezession vermieden werden kann. Dann bestünde auch die berechtigte Hoffnung, dass sich der Arbeitsmarkt weitgehend stabil zeigt. Dies würde in Verbindung mit einer gemäßigten Inflationsrate belebend auf den privaten Verbrauch wirken. (eca)

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