„Wir werden ein Bewegtbildmedium sein“

- „Ströer goes digital“ – unter diesem Motto steht die diesjährige Roadshow des Kölner Außenwerbers. Maßgeblich umgesetzt wird diese Zukunftsstrategie von der Münchner Tochter Infoscreen, die mit 17 Prozent Wachstum bereits die zweitgrößte Sparte im Konzern ist. Geschäftsführer Stefan Kuhlow möchte die positive Entwicklung aktiv vorantreiben. Dazu wird er auf der 4. Digital Signage Konferenz am 19. Oktopber einen Vortrag halten. Im Vorfeld sprach er mit invidis über seine Visionen und Pläne für den digitalen Außenwerbemarkt. von Stefanie Schömann-Finck

Infoscreen-Geschäftsführer Stefan Kuhlow

 

Herr Kuhlow, der Börsengang der Ströer Out-of-Home Media AG liegt zwei Monate zurück. Sind Sie zufrieden? 

Stefan Kuhlow: Ja, sehr. Wir sind zu einem Zeitpunkt erfolgreich an die Börse gegangen, an dem viele andere Unternehmen unter schwierigen Bedingungen am Kapitalmarkt es nicht geschafft haben. Das freut mich natürlich, denn das unterstreicht unser solides Geschäftsmodell. Für Ströer Infoscreen war der Börsengang auch sehr wichtig. Denn mit den Mitteln, die wir aus dem Börsengang erzielt haben, wollen und werden wir in Bereiche investieren, in denen wir die Zukunft sehen. 

Sie sprechen von dem digitalen Out-of-Home-Channel, der im Börsenprospekt angekündigt wurde.  

Stefan Kuhlow: Mit dem ersten nationalen Netzwerk von digitalen Werbeträgern möchten wir alle Vorteile von Bewegtbildmedien mit allen Vorteilen von Außenwerbemedien verbinden. 

Was kann ich mir darunter genau vorstellen? 

Stefan Kuhlow: Wir planen, im vierten Quartal dieses Jahres mit der Installation von 1 000 digitalen Werbeträgern an den 200 größten Bahnhöfen Deutschlands zu beginnen. Das Ziel ist, ein sehr reichweitenstarkes Netz aufzubauen, mit dem Kunden ziel- und treffgenau ihre Zielgruppe ansteuern können. Wir werden auch bei unserem bisherigen Medium Infoscreen Anfang nächsten Jahres unsere Ansteuerungsmechaniken dergestalt ändern, dass unsere Kunden ihre Werbung punkt- und ortsgenau platzieren können. 

Der geplante Out-of-Home-Channel

Wo am Medienmarkt werden Sie sich damit positionieren?

Stefan Kuhlow:Vor einigen Jahren wurden wir in erster Linie als klassischer Außenwerber gesehen, der mit Infoscreen auch einen digitalen Werbeträger anbietet. Heute werden wir von Agenturen und Werbetreibenden ganz anders wahrgenommen. Wir werden zunehmend in Bewegtbild-Mediapläne aufgenommen, als Bewegtbildmedium kategorisiert und dort in Kampagnen integriert. Wir glauben, dass man zukünftig gar nicht mehr über Mediengattungen in traditionellen Kategorien sprechen wird. Es wird die eigenen Kategorie „Bewegtbildmedium“ geben. Dort wären auch wir einzuordnen. Das ist unsere Vision.

Ist das eine Vision, die Sie dem Kunden nahebringen müssen? 

Stefan Kuhlow: Das kann man pauschal nicht beantworten. Wir haben bereits eine ganze Reihe von Kunden, die nicht mehr in traditionellen Mustern denken. Die meisten sind sehr aufgeschlossen. Viele Kunden fragen sich, ob sie beispielsweise junge, mobile Menschen tatsächlich noch mit tradierten, klassischen Medien erreichen. Wir können unseren Kunden ganz neue Möglichkeiten bieten, denn wir erreichen die Menschen zu Zeitpunkten, an denen andere Medien sie nicht erreichen. Besonders die regionalen Kunden schätzen uns sehr, weil wir hohe Reichweiten in gut zuordenbaren Räumen ohne hohe Streuverluste produzieren können. 

Bewegtbild, einzelne Zeitschienen und verstärkte Regionalisierung. Das war technisch alles auch bisher schon möglich. 

Stefan Kuhlow: Ja, aber es war bislang sehr aufwändig. Es ist deutlich komplexer, ein Medium zu betreiben, in dem einzelne Zeitschienen und nicht Tages- oder Wochenbuchungen bewirtschaftet werden. Es ist für uns natürlich eine Investition, aber wir glauben, dass es die richtige ist. Unsere Kunden sind begeistert, dass sie in der Lage sein werden, ihre Zielgruppen noch genauer ansteuern zu können als bislang. 

Das ist im Fernsehen ebenfalls möglich. 

Stefan Kuhlow: Wir haben untersucht, in welchen Rhythmen andere Medien funktionieren und wie wir uns mit diesen Medien sinnhaft und intelligent verzahnen können. Zum Beispiel können wir tagsüber besser Menschen erreichen, die von anderen Bewegtbildmedien erst am Abend erreicht werden. Gleichzeitig können wir unseren Kunden nachweisen, welche Zielgruppen wann, wie und wo die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Genau in diesen Umfeldern können unsere Kunden dann ihre Werbung platzieren. 

Das Fernsehen ist nach wie vor das Leitmedium und der Werbeträger Nummer Eins. Online zieht bereits Geld aus den TV-Mediabudgets ab. Jetzt sollen sich Werbungtreibende einem weiteren Bewegtbildmedium öffnen? 

Stefan Kuhlow: Wir wollen das Medium Fernsehen nicht ersetzen. Aber wir gewinnen zunehmend neue Kunden aus Umfeldern, die bisher traditionell in den Bewegtbildmedien unterwegs waren und weniger im Postergeschäft. Viele von ihnen sind offen für Neues. Wenn Sie sich heute vor unsere Screens stellen, sehen sie bereits Werbekampagnen von Kunden, die wir vor drei, vier Jahren noch nicht hatten und die traditionelle TV-Kunden sind. Das freut uns natürlich. 

Sie erwarten für das laufende Jahr weiterhin Wachstum und geschäftlichen Erfolg. Sicherlich haben Sie auch Aktien an der Ströer-Gruppe erworben? 

Stefan Kuhlow: Selbstverständlich, aber die Anzahl unterliegt nicht der Meldepflicht. (lacht) 

Herr Kuhlow, vielen Dank für das Interview.

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