„Es ist eine missionarische Tätigkeit“

- Die diesjährige Digital Signage Konferenz ist geprägt von durchweg positiver Stimmung der Teilnehmer. Sowohl den Hype als auch die Talsohle habe man hinter sich gelassen. Trotzdem: Digital Signage gewinnt zwar bei den Entscheidern an Akzeptanz, aber noch ist die Branche nicht fest etabliert.  Am Ende der Konferenz ziehen die wichtigsten Vertreter eine Bilanz der aktuellen Situation, darunter Infoscreen-Geschäftsführer Stefan Kuhlow und ECE flatmedia-Geschäftsführer Oliver Poppelbaum. von Stefanie Schömann-Finck

Die Branchenvertreter ziehen Bilanz

Geschlossen treten der Branchenvertreter auf und in fast allem sind sie sich einig. Vor allem darin, dass es bereits zum Ende dieses Jahres und mit Sicherheit in 2011 stark aufwärts gehen wird. Grund seien die wieder gestiegenen Werbebudgets.

Das aber überhaupt zunehmend Werbemittel in Digital Signage fließen, ist ein noch junges Phänomen. „Dgital-out-of-Home ist in den Fokus der Werbetreibenden gerückt und ist für sie kein fremdes Medium mehr. Wir sehen eine deutliche Bewegung zum Positiven“, sagte Oliver Poppelbaum, Geschäftsführer der ECE flatmedia. Dem stimmt Stefan Kuhlow, Geschäftsführer Ströer Infoscreen zu: „Das Know-how und das Interesse haben zugenommen. Das Medium hat bewiesen, dass es funktioniert.“

Studien zur Effizienz und Wirkung seien daher besonders wichtig. Denn nur dadurch ließen sich Kunden und Werbeagenturen dauerhaft von dem Medium überzeugen. Roadshows und regelmäßige Vorstellungen bei den Mediaagenturen halten deshalb alle für unerlässlich. Der bisherige Erfolg und die Erfahrung zeigten, dass das Medium viele kreative Möglichkeiten biete.

Aber genau hier sieht Christian Vogel, Leiter Digital Outdoor bei der Wall AG, nach wie vor ein Problem. „Mediaagenturen und Werbetreibende sind die eine Seite, die Kreativen die andere. Und hier stellen wir fest, dass viele sich noch nicht mit Digital Signage beschäftigt haben“, sagte Vogel.

Überzeugungsarbeit zu leisten, bleibt deshalb trotz des Erfolgs die Hauptaufgabe der großen Player am Markt. „Es ist eine missionarische Tätigkeit“, resümiert Poppelbaum. „Niemand wartet auf unser Medium. Es ist ein Eroberungs- und Verdrängungswettbewerb. Infoscreen ist dabei die Speerspitze und der Marktbereiter.“

In den Mediaplänen dominieren die klassischen Medien, allen voran das Fernsehen. Doch das Kuchenstück für DooH am Werbekuchen werde größer. „Wir sind ein neues Werbemedium und keine Technologie. Deshalb ist es besonders wichtig, dass DooH von der Technik getrennt wird, die nur ein Mittel zum Zweck ist“, so Anne Nölling, Geschäftsführerin CityUp.

Ein Werbemedium überzeuge vor allem durch Reichweite. Die werde zum einen durch flächendeckende Netze geschaffen, aber auch durch die Bündelung verschiedener Digital-Signage-Netze in den Mediaplänen. Die Mediaagenturen seien daher aktuell die einzigen funktionierenden und sinnvollen Aggregatoren. Aber es ist nur eine Vermutung Denn inwieweit aber tatsächlich Agenturen Medipläne aus verschiedenen Netzen zusammenstellen und ob Werbekunden das annehmen, das wissen die vier Vertreter nicht.

Klar ist, dass die Mediaagenturen sich nur durch Reichweitennachweise überzeugen lassen. Deshalb halten die vier Vertreter für Messungen für sinnvoll und folgen nach eigenen Angaben Standards. Doch schnell wird deutlich: Die einen verlassen sich auf den Frequenzatlas des Fraunhofer Instituts, die anderen auf die GfK.  Die Ergebnisse, die an die Mediaagenturen geleitet werden, mögen ähnlich sein. Doch von Standards bei den Messmethoden ist das Medium noch weit entfernt. Ströer immerhin erhebt Zahlen MA-kompatibel. Damit ist Infoscreen und in absehbarer Zeit auch der neue digitale Out-of-Home-Channel mit klassischen Medien durchaus einfach vergleichbar.

Ob Ströer auch hier eine Vorreiterrolle übernimmt, wird sich zeigen. Die anderen Branchenvertreter halten sich bezüglich Standards zurück. Nur Christian Vogel gibt zu bedenken, dass ein international agierendes Unternehmen wie JC Decaux sicher Wert darauf legt, überall auf die gleichen Standards zurückzugreifen.

Wie Standards aussehen können, diskutiert die Branche heute am zweiten Tag der 4. Digital Signage Konferenz in München. Am Standards Workshop nehmen rund 50 Gäste teil.

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