Stinova

„Wir suchen deutsche Partner“

- Flexibilität steht bei Stinova Ltd. an erster Stelle. Mit seiner Software möchte das Unternehmen verschiedenste Lösungen ermöglichen und Kunden in aller Welt bedienen. Während Stinova international erfolgreich ist, ist es auf dem deutschen Markt kaum präsent. Geschäftsführer Franz Hintermayr erläutert im invidis-Interview die Gründe dafür und welche Visionen er für die Zukunft hat. von Stefanie Schömann-Finck

Franz Hintermayr

 Herr Hintermayr, Sie waren ursprünglich in einem ganz anderen Bereich tätig. Wie sind Sie zu Digital Signage gekommen?

Franz Hintermayr: Es ist richtig, wir haben im Jahr 2000 im Bereich Business-TV und IPTV-Streaming begonnen und sind  dann zunehmend in den Bereich Contentmanagement gegangen. Unser erstes Digital Signage-Projekt hatten wir zur Fußballweltmeisterschaft 2006. Wir haben fünf Stadien ausgestattet.

Was haben Sie damals gemacht?

Franz Hintermayr: Das Projekt lief nicht unter dem Namen Digital Signage, sondern noch unter IPTV/Streaming. Es ging um die Frage, wie Spiele live zum Beispiel in die VIP-Lounge oder den Restaurantbereich übertragen werden können. Das war unser klassischer Bereich. Aber dann kam die Frage auf, ob in den Pausen Werbung oder Informationen eingespielt und im Internet gesurft werden kann. Von der Playout-Seite her war das alles möglich, aber wir haben gemerkt, dass wir ein Contentmanagementsystem (CMS) brauchen.

Dann haben Sie ein eigenes entwickelt?

Franz Hintermayr: Ja. Wir hatten bereits 2004 erste Versuche mit einem französischen Partner, da waren aber die Einschränkungen für uns zu groß. Da wir eine eigene Programmierabteilung hatten, haben wir beschlossen, selbst ein CMS zu entwickeln.

Das auf Linux basierte. Ist das heute noch so?

Franz Hintermayr: Wir haben auch heute noch Linux-Produkte, aber natürlich in der nächsten Generation und mit neuen Features. Um flexibler zu sein, nutzen wir aber auch Windows. Und wir sind in letzter Zeit auch weiteren Systemen gegenüber offen geworden. Wir können nun den Kunden alle Lösungen und Formate anbieten. Eine LED-Wall zum Beispiel kann man ausschließlich mit Windows ansteuern.

Aber Windows hat auch Nachteile bei den Kosten oder der Stabilität.

Franz Hintermayr: Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Wir betrachten immer, was der Kunde möchte, wie seine Prioritäten aussehen und welches Budget er hat. Mit diesem Hintergrund erläutern wir das Für und Wider der unterschiedlichen Produkte.

Sie haben Ihre interne Entwicklungsabteilung erwähnt. Reicht die aus?

Franz Hintermayr: Um die Software up-to-date zu halten, greifen wir auf unsere interne Abteilung zurück. Für spezielle Projekte nutzen wir externe Entwickler. Dadurch sind wir sehr flexibel.

Sie sind sowohl im IP-TV-Bereich als auch im Digital Signage-Bereich unterwegs. Kombinieren Sie beide?

Franz Hintermayr: Das ist hauptsächlich im Hospitality-Bereich, auf Schiffen oder in Hotels, mit Live-TV gut möglich. Wir haben ein TV-Gateway und eine Software mit einem Empfangspunkt, der Inhalt wird über das Netzwerk verteilt.

Auf dem Markt gibt es zahlreiche ähnliche Anbieter. Worin unterscheiden Sie sich?

Franz Hintermayr: Die Bedienoberfläche unseres CMS ist intuitiv und der Composer funktioniert ähnlich wie PowerPoint. Andere Anbieter tun sich da schwerer, denn bei Ihnen braucht man immer einen Player, um zu sehen, was am Ende rauskommt. Das ist fürs Internet besonders gut geeignet, aber auch für Digital Signage. Im Moment gibt es sonst nichts Vergleichbares. Sie können per drag-and-drop ein Youtube-Video, Flickr-Fotos oder Twitter-Texte einbinden und eine Microsite steuern. Diese lässt sich überall einbauen.

Am Markt ist das aber noch nicht angekommen?

Franz Hintermayr: Zurzeit noch nicht, aber wir sehen einen Markt und sind auf der Suche nach Partnern und der richtigen Vermarktung. Die Möglichkeiten, die Einsatzbereiche und ich glaube auch die Nachfrage sind groß.

Was halten Sie davon, Software kostenlos anzubieten, wie es einige Hersteller tun?

Franz Hintermayr: Die Idee ist, dass es zunächst kostenlos ist, aber eben nur limitiert. Wir bieten unseren Partnern die Software als Presale an oder für ihre Kunden als 30-Tage-Demoversion. Danach kostet es aber. Das erleichtert den Einstieg ohne große Investition.

Sie haben momentan zwei Systeme. Wird es bald nur noch eine Software geben?

Franz Hintermayr: Ja, das ist unser Ziel. Wir haben ein Agentursystem für große Netzwerke und ein System für kleinere. Dadurch sollen auch komplexere Systeme einfach bedient werden können. Unsere Partner haben unterschiedlichste Kunden in verschiedensten Branchen und werden die Software entsprechend positionieren.

Ihre Partner sitzen hauptsächlich im Ausland.

Franz Hintermayr: Ich war früher weltweit tätig und habe daher internationale Kontakte. Wir arbeiten mit Partnern in 19 Ländern weltweit. Ehrlich gesagt, ist das der Grund weshalb wir gut am Markt stehen. Hätten wir uns nur auf Deutschland konzentriert, wären nicht genügend Projekte vorhanden gewesen, um sich ein Entwicklungsteam zu leisten und ausreichend Umsatz zu erzielen.

Besonders 2009 hat Ihnen das sicher geholfen?

Franz Hintermayr: Das war sehr angenehm, denn dadurch, dass wir breit aufgestellt waren, haben wir trotz der Krise noch immer Projekte bekommen. In Deutschland war lange Zeit keine Nachfrage da und wir haben den Markt vernachlässigt.

Aber die Initialzündung im Bereich Digital Signage kam aus Deutschland. Möchten Sie sich künftig mehr auf den heimischen Markt konzentrieren?

Franz Hintermayr: Wir suchen deutsche Partner, das ist uns wichtig. Es ist in der Tat unsere Schwäche, dass wir hier kein großes Partnernetzwerk haben. Besonders im Bereich Content sind wir auf der Suche. Unser Partnerprogramm ist hauptsächlich noch auf ausländische Partner zugeschnitten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich Ihr Unternehmen positionieren?

Franz Hintermayr: Der Digital Signage-Markt muss sich konsolidieren. Es gibt zu viele Anbieter und ich glaube, dass der Markt nicht so stark wachsen wird wie prognostiziert. Ich bin auch der Meinung, dass Digital Signage nicht nur mit Werbung gleichzusetzen ist. Der Bereich Information ist für uns ein ganz spannender Markt. Wir haben 40 Prozent Werbepanel und 60 Prozent Informationspanel. Da wir beides bedienen, sind wir nicht so stark von der konjunkturellen Entwicklung am Werbemarkt abhängig.

Welche Veränderungen stehen bei Ihnen an?

Franz Hintermayr: Für uns ist der amerikanische Markt interessant, wir haben dort seit zwei Jahren ein Office. Momentan haben wir kleinere AV-Händler als Partner, sind aber im Gespräch mit großen Hardwareanbietern, um im Markt Fuß zu fassen. Unsere Vision ist es, mit unserem Produkt mehrere Kanäle bedienen zu können: Angefangen vom Internet über die Microsite bis hin zum Mobilmarkt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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