Geschäftsbericht

Umsatz steigt – aber Ströer schreibt rote Zahlen

- Ströer hat im Jahr 2011 einen einstelligen Millionen-Euro-Verlust zu verbuchen – bei einem Umsatzanstieg auf 577 Millionen Euro. Der deutsche Markt trug dagegen zu drei Vierteln des Umsatzes bei und entwickelte sich recht gut. von Thomas Kletschke

Für das laufende Geschäftsjahr geht Ströer von einem moderaten einstelligen Wachstum aus (Foto: Ströer)

Für das laufende Geschäftsjahr geht Ströer von einem moderaten einstelligen Wachstum aus (Foto: Ströer)

Investitionen, Abschreibungen und Währungsverluste: Besonders das Geschäft in der Türkei führte dazu, dass unter der Bilanz ein roter Strich gezogen werden musste.  Im Jahr 2010 hatte der Außenwerber noch einen Gewinn von 58 Millionen Euro erzielt – 2011 wurden 3,6 Millionen Euro Verlust verbucht. Im Geschäftsjahr 2011 hat die Ströer Out-of-Home Media AG ihren umsatzmäßigen Wachstumskurs vor allem durch die starke Entwicklung in Deutschland fortgesetzt. Der Umsatz des Konzerns erreichte 577,1 Millionen Euro und lag damit um 8,6 Prozent über dem Vorjahreswert von 531,3 Millionen Euro. Das um Aufstockungen an Beteiligungen und Wechselkurseinflüsse bereinigte organische Wachstum betrug im Konzern 4,8 % (VJ: 7,5 %).

Mit dem Umsatzwachstum erhöhte sich auch die für Ströer wichtige Steuerungsgröße, das Operational EBITDA, in 2011 um 3,9 % auf 132,3 Millionen Euro (VJ: 127,3 Millionen Euro). Das Operational EBITDA umfasst das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, bereinigt um Einmaleffekte für Aufwendungen und Erträge (wie etwa die Kosten für Reorganisationsmaßnahmen oder Änderungen im Beteiligungsportfolio).

Auf dem Heimatmarkt lief es für Ströer ebenso gut, wie für die Konkurrenz aus Berlin: Die zu 90 % im Besitz von JCDecaux befindliche Wall AG hatte ebenfalls Umsatzsteigerungen bekanntgegeben. Allerdings konnte Wall auch am Bosporus punkten, während Ströer hier durch Investitionen im Jahr 2011 keine Gewinne machte. Ströer und Wall – beziehungsweise JCDecaux – sind allerdings schwer vergleichbar. So ist die französische Außenwerbeholding umsatzmäßig fünfmal größer und auch international diversifizierter.

Die Operational EBITDA-Marge bei Ströer betrug 22,9 % nach 24,0 % im Vorjahr, da für die Erweiterung des Werbeträgerportfolios in der Türkei Vorlaufkosten zu verkraften waren. Aufgrund von Währungsverlusten in Höhe von rund 15 Millionen Euro ergibt sich unter dem Strich ein niedriger Jahresfehlbetrag von -3,6 Millionen Euro, während im Vorjahr insbesondere durch Sondereffekte im Zusammenhang mit der Aufstockung des Beteiligungsportfolios an Ströer Kentvizyon ein hoher Jahresüberschuss von 58,1 Millionen zu verzeichnen war. Bereinigt um diese und ähnliche Bewertungsmaßnahmen bestätigt der mit einem Plus von 21,4 % bereinigte Jahresüberschuss der Gruppe in Höhe von 40,3 Millionen Euro (VJ: 33,2 Millionen Euro) die Leistungsfähigkeit von Ströer.  Die Nettoverschuldung der Ströer Gruppe konnte 2011 um 4,9 % auf das 2,3-fache (VJ: 2,5-fache) des Operational EBITDA zurückgeführt werden. Dieser Effekt beruht im Wesentlichen auf dem deutlich erhöhten Free Cash-Flow, also der Differenz aus operativem Cash Flow und Investitionsmitteln in Höhe von 38,0 Millionen Euro (VJ: -68,2 Millionen Euro). Vor allem der Operating Cash Flow hat sich positiv entwickelt und sich von 30,3 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 95,0 Millionen Euro mehr als verdreifacht.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Ströer sehr stark in Qualität und Kapazität seines Werbeträgerportfolios investiert. Dafür hat das Unternehmen in Deutschland besonders in Premiumprodukte wie den Out of Home-Channel (OC) investiert. Mit dem Erwerb der ECE flatmedia GmbH – einem Anbieter für digitale Vermarktungskonzepte in Einkaufszentren – kann Ströer das OC-Netz auch auf Shopping Malls ausdehnen. Daneben hat Ströer 2011 den Aufbau von Premium Billboards vorangetrieben und in der Türkei seine Werbeträgerkapazitäten erheblich ausgeweitet. Insgesamt hat Ströer im abgelaufenen Geschäftsjahr seine Investitionen um 82,6 % auf 52 Millionen Euro erhöht (VJ: 28,5 Millionen Euro).

Der Heimatmarkt ist für Ströer immens wichtig: Das mit rund 74 % Umsatzanteil größte Segment Deutschland weitete 2011 seinen Umsatz um 4,2 % auf 427,3 Millionen Euro (VJ: 409,9 Millionen Euro) aus. Organisch ist der Umsatz sogar um 6,2 % gestiegen, so dass Ströer das Wachstum des Werbemarktes (laut Nielsen Media Research auf Basis der Bruttowerbeausgaben 2011  3,5 %) übertroffen hat. Das Operational EBITDA auf dem Heimatmarkt kletterte um 5,3 % auf 115,3 Millionen Euro (VJ: 109,5 Millionen Euro), während die Operational EBITDA-Marge leicht um 0,3 Prozentpunkte auf 27 % stieg. Insgesamt erwirtschaftete Ströer Deutschland im Jahr 2011 schon 8,5 % seines Umsatzes mit digitalen Werbeträgern.

Angesichts der anhaltenden Unsicherheit in seinen Kernmärkten rechnet Ströer 2012 im 1. Quartal – das normalerweise saisonal das geringste Umsatzvolumen aufweist – mit einem Rückgang des organischen Umsatzwachstums im Konzern zwischen 3 % und 4 %. Für das Geschäftsjahr 2012 erwartet Ströer ein organisches Umsatzwachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich, wobei nach Einschätzung des Unternehmens vor allem im zweiten Halbjahr die geschäftlichen Aktivitäten zulegen dürften.

Für Ströer trägt der deutsche Markt zu drei Viertel des Umsatzes bei (Tabelle: Ströer)

Für Ströer trägt der deutsche Markt zu drei Vierteln des Umsatzes bei (Tabelle: Ströer)

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