JCDecaux

Big in Aserbeidschan – Start auf schwierigem Terrain

- Am Samstag findet das Finale des Eurovision Song Contest 2012 statt. Zeitgleich startet der französische Außenwerber JCDecaux seinen Markteintritt in Aserbeidschan. Wenn alles glatt läuft, wird der wohl äußerst lukrativ sein. von Thomas Kletschke

JCDecaux in Aserbeidschan - Markteintritt passend zum Eurovision Song Contest 2012 (Foto: JCDecaux)

JCDecaux in Aserbeidschan - Markteintritt passend zum Eurovision Song Contest 2012 (Foto: JCDecaux)

Seit dem gestrigen Dienstag laufen die ersten Halbfinalsendungen des Eurovision Song Contest 2012 (ESC) im TV – und seit gestern ist auch JCDecaux offiziell in Aserbeidschan im Außenwerbegeschäft. Den Startschuss zum  Markteintritt hat man entsprechend passgenau terminiert: Der französische Konzern hat rechtzeitig zum Eurovision Song Contest 2012 die ersten hinterleuchteten Plakatsäulen mit integriertem Telefon- und Internetanschluss in Baku installiert. Erst vor sechs Wochen waren die Verträge unterzeichnet worden, in denen sich JCDecaux die Rechte für den Bereich Stadtmöblierung sicherte.

Die 5-Millionen-Einwohner Metropole, deren Altstadt aus dem sechsten nachchristlichen Jahrhundert stammt, ist unter anderem für ihre Architektur berühmt. Zu den ambitionierten Neubauten, die in der Stadt entstehen, zählt das von Zaha Hadid entworfene Heydar Aliyev-Kulturzentrum. Die von dem französischen Architekten Jean-Michel Wilmotte gestalteten Plakatsäulen sollen sich nahtlos in die europäisch beeinflusste Architektur der orientalischen Stadt einfügen.

Zeitgleich wirbt JCDecaux an Premium-Standorten in 26 europäischen Hauptstädten wie Oslo, Paris, London, Berlin, Madrid oder Prag für den Gesangswettbewerb.

Der ESC 2012 hat eine gute (Außen-) Werbung nötig. Bereits seit Monaten gibt es Kritik an der Austragung im autoritär regierten Aserbeidschan. Unter anderem hatten die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie die NGOs Amnesty International und Reporter ohne Grenzen Menschenrechtsverletzungen und Behinderungen der Pressefreiheit dokumentiert. Am letzten Wochenende fand bereits das Gegen-Festival „Sing for Democracy“ statt. Die Veranstaltung der gleichnamigen Bürgerrechtsbewegung wurde demonstrativ auch vom deutschen Botschafter Herbert Quelle besucht. Nach Medienberichten wurden zuletzt Anfang dieser Woche Bürgerrechtler und Demonstranten verhaftet beziehungsweise von Polizisten verprügelt.

Für JCDecaux sicherlich eine schwierige Entscheidung: Einerseits Markteintritt in einer momentan prosperierenden Region. Auf der anderen Seite macht der Konzern damit zumindest indirekt Geschäfte mit dem Clan um Präsident Ilham Aliyew, der Aserbeidschan seit 2003 autoritär regiert. Sein im gleichen Jahr verstorbener Vater Heydar Aliyev hatte das Land von 1993 bis 2003 regiert. – Aus Compliance-Sicht ist ein wirtschaftliches Engagement in Aserbeidschan ein heißes Eisen für eine börsennotierte Gesellschaft: Im aktuellen Corruption Perceptions Index 2011 der Organisation Transparency International rangiert Aserbeidschan auf Platz 143 von 182 – und liegt damit noch hinter Staaten wie Sierra Leone, Mosambik oder Kasachstan.

In Kasachstan konnte JCDecaux laut letztem veröffentlichten Jahresbericht einen ähnlich exklusiven Deal abschließen, wie ihn der Konzern vermutlich wohl bald für Aserbeidschan wird kommunizieren können. In der von Nursutan Nasarbajew regierten Kaukasusrepublik ist JCDecaux durch das Joint Venture RTSDecaux exklusiver Ausrüster für Stadtmöblierung in der ehemaligen Hauptstadt Almaty. Für die Dauer von 25 Jahren sollen dort ab 2014 hunderte von Bushaltestellen, Billboards und weitere Infostände betrieben werden.

Nach dem gleichen Muster dürfte ein neuer exklusiver Großauftrag aus Aserbeidschan gestrickt sein. – Und, dass ein Großauftrag in Baku bald konkreter verkündet wird, kann als sicher gelten. In der internationalen Presseaussendung schwärmt der Konzern bereits von seinem neuen „Schaufenster in der Kaukasus-Region“. Kann das noch als nette Wortwahl abgetan werden, spricht das Zitat von Co-CEO Jean-François Decaux eine deutlichere Sprache: „Es ist eine große Ehre für JCDecaux, dass sich Baku für uns als langfristigen Stadtmöblierungs-Partner entschieden hat.“ – Über Auftragsvolumen und -Dauer wurde bisher nichts bekannt. Also werden wohl noch Details (nach-) verhandelt – oder ein prominenterer Termin für die Bekanntgabe des Deals gesucht. Der könnte um den kommenden Samstag herum liegen, dem Zeitpunkt des ESC-Finales in Baku.

Für die Ausrichtung des ESC hat Aserbeidschan nach Angaben von „Sing for Democracy“ die unglaublich hohe Summe von 686 Millionen US-Dollar verplant – was mehr als das 16-fache des Betrags für den letzten Contest in Moskau wäre. Angesichts dieser Dimensionen könnte auch für JCDecaux ein großzügig bemessenes Tortenstück reserviert worden sein.

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