Casual Friday

Larger than Life – Giant iTab und Giga Smartphone

- D A S Ding des Sommers: Coole Digital Signage-Gadgets, die einfach too big to fail sind; Displays mit Rückkanal, larger than life. Und während Apple angeblich beim nächsten iPad Zoll-mäßig die Größe runterschraubt und das iPhone nicht kleiner, aber dünner wird – gehen ein distinguierter Flugzeug-Shop, eine nerdige TV-Sendung und sogar ein ehrwürdiges Parlament den umgekehrten Weg. Sie setzen auf smarte Kommunikation via übergroße Tablet- und Smartphone-Klone. von Thomas Kletschke

Einsatz für “Internet Retailing” -Giant iTab bei der Geburtstagssause (Video: Internet Retailing - Screenshot: invidis.de)

Einsatz für “Internet Retailing” -Giant iTab bei der Geburtstagssause (Video: Internet Retailing – Screenshot: invidis.de)

Wer 1785 das Licht der Welt erblickt hat, kann dennoch fit genug sein, um es mit den angegrauten New-Economy-Jungspunden aus der Onlinewelt aufzunehmen. So sind die britische Tageszeitung „The Times“ und ihre Schwester „The Sunday Times“ längst mit eigenen iPad- und, seit Herbst 2011 – Android-Ausgaben am Markt. Bei einigen der Präsentationen der iPad-Ausgabe vor Publikum setzte die Times auf die vom britischen Anbieter Touch2View geschaffene XXL-Variante – das Giant iTab. Zuletzt wurde das übergroße Touch-Modell Mitte Juli 2012 gesehen, auf einem Event eines nach Jahren deutlich jüngeren Mediums: auf der Internet Retailing eCommerce Birthday Party des britischen B2B-Magazins „Internet Retailing“. Selbst die erfolgs- und tech-verwöhnte Klientel hatte ihren Spaß an dem Tool, das wie Apples kleineres Vorbild funktioniert.

Welche Rede halte ich heute vor dem Parlament? - Giga Smartphone (Foto Archimedes Exhibitions)

Welche Rede halte ich heute vor dem Parlament? – Giga Smartphone (Foto Archimedes Exhibitions)

Schon klar: Was alteingesessenen Print-Medienfuzzies heilig ist, das müssen neureiche Fernseh-Fritzen schon lange einsetzen. Die vom britischen Sender Channel Five produzierte Gadget Show hat sich das Giant iTab deshalb direkt dauerhaft im Studio installieren lassen. Auch The Jet Business, die in London mit exklusiven neuen und gebrauchten Jets handeln, setzen schon mal auf die Werbewirkung des übergroßen Tablets.

Bloß: Stellen Sie sich vor, Sie sind fernab der britischen Insel tätig. Im fiktiven Referat „Big Beschaffe“ bei einem in Kontinentaleuropa gelegenen Parlament – und wollen auch so ein Dings, das den EU-Bürgern den Integrationsgedanken, die aktuellen Diskurse näherbringen will – und auch noch auf die Eingaben der Wahl- und Wutbrüger antworten mag. Mal ehrlich, muss es dann ausgerechnet ein britisches Giganten-Tablet sein? – Von Leuten, die das metrische System nicht eben lieben? – So rein sportlich gesehen? Nö, nicht so direkt. Aber bitte auch nicht unbedingt eine Lösung, die – analog zu europäischen Rüstungsprojekten – um locker 14 Jahre zu spät, überteuert und dafür mit Röhrentechnologie und in Schwarz-Weiß daherkommt.

Aufmerksamkeit durch Größe: Giant iTab (Foto:Touch2View)

Aufmerksamkeit durch Größe: Giant iTab (Foto:Touch2View)

Das Europäische Parlament (EP), das seit einiger Zeit mit seinem eigenen TV-Kanal informiert, hat sich in diesem Jahr für eine ähnliche Signage-Lösung entschieden. Also: ähnlich der smarten britischen, nicht der s/w-Blaupunkt-Röhre anno 1962. – Während man seit neustem im Web 2.0 mit www.epnewshub.eu alle offiziellen Verlautbarungen des EP, Äußerungen der Parlamentarier und Medien plattformübergreifend unter einen Hut bekommen möchte, hat EuroParl TV zusätzlich eine greifbare Lösung installieren lassen. An den beiden EP-Standorten in Straßburg und Brüssel wurde jeweils ein Giga Smartphone installiert. Konzipiert wurde es von der Agentur Scholz & Friends Agenda in Brüssel für EuroParlTV – technisch umgesetzt von der Berliner Archimedes Exhibitions GmbH. (Video, via Website von Archimedes)

Was die olle Apple-Siri kann, muss das Giga Smart selbstredend auch draufhaben, schon aus Paritätsgründen: Das Multi-Touch-User Interface ist mit einer Sprachauswahl für 23 europäische Sprachen versehen. Die Software besteht aus zwei Komponenten. Einmal das Gigaphone als Applikation selbst, also der Teil mit dem der Benutzer interagiert, und ein Datenbank-Backend, das die Inhalte für das Gigaphone bereit stellt. Die Daten werden automatisiert aus dem Datenstamm des Europaparlaments akquiriert – via RSS der EuroParlTV – Website. Sowohl Interaktions- und Grafikdesign, als auch die Software selbst sind Eigenentwicklungen. Als Applikations – und Userinterface Framework verwendet Archimedes Exhibitions die Open Source-Bibliothek libavg, deren Urherber und Hauptentwickler bei Archimedes arbeitet. Die Applikation ist per EMS (Exhibit Management System) wartbar. Als Hardware kommen handelsübliche Komponenten wie ein 55″ LC-Display (1920 x 1080 p) zum Einsatz.

Ob Schönwetter nur in Sonntagsreden gemacht wird, oder draußen wirklich die Pole schmelzen, ist ebenfalls zu eruieren: Der Europäische Wetterbericht gibt an, ob gegebenenfalls gute Temperaturen die Eiseskälte an den Kapitalmärkten oder die Solidaritätsschmelze zwischen den EU-Mitgliedern wenigstens teilweise aufheben.

An die Mitglieder des Hohen Hauses -  Nutzerin klinkt sich ein (Video: Archimedes Exhibtions - Screenshot invidis.de)

An die Mitglieder des Hohen Hauses – Nutzerin klinkt sich ein (Video: Archimedes Exhibtions – Screenshot invidis.de)

Und: Wer es wie weiland die Grünen, aktuell die Piraten – und seit geraumer Zeit altgediente und über Partei- und Staatengrenzen weg respektierte Recken wie Elmar Brok (CDU) oder der aktuelle Parlamentspräsident Martin Schulz – ausprobieren mag, der kann das auch. Also, „so-partizipieren-un‘-so“, wie der idealtypische junge Wahlberechtigte sagen könnte, den sich mancher Experte so vorstellen mag.

Kurz: Nutzerinnen und Nutzer des Giga Smartphones können virtuell eine flammende Rede vor dem Parlament der Mitgliedsstaaten halten – das bekanntlich deutlich besser als sein Ruf, und deutlich kritischer als die Kommission, und gefühlt 23 hoch 7 mal so legitimiert wie der (Minister-) Rat der Europäischen Union ist. Also: Das Volk darf gerne auch seinen wahlweise mittelscharfen, süßen oder Dijan-Senf dazu geben. Möglich macht es eine Foto-Funktion des „Giga-iPhones“: Das Foto – beispielsweise der Kopf des Nutzers erscheint dann in einem Bild aus dem EP, sodass er den Eindruck hat, er halte gerade eine Rede vor den Abgeordneten und mit dem Präsidenten im Hintergrund.

Double von Double Robotics setzt auf Bewegung, nicht auf Größe (Foto: Double Robotics)

Double von Double Robotics setzt auf Bewegung, nicht auf Größe (Foto: Double Robotics)

Wahre Größe zeigt sich in den Inhalten, den Feedback- und Interaktionsmöglichkeiten und manchmal eben auch in Zoll.
Bei letzterem kann Double Robotics nicht mithalten, hat aber eine andere Idee umgesetzt, die Tablets in Verkaufs-, Kommunikations- sowie weiteren Anwendungen „pimpt“: Der US-Anbieter nimmt für seine Lösung „Double“ iPads, die auf ein intelligentes höhenverstellbares Rollensystem montiert werden, um sie für Einsätze in der Telearbeit (statt aufwändiger Konferenzsysteme) oder im Retailbereich (als Ersatz für real im Supermarkt agierende Vertreter der Markenartikler) einsetzen zu können. Auch Anwendungen im Bereich Healthcare sind angedacht. Allerdings werden laut Firmen-Website nur Vorbestellungen angenommen, die frühestens Anfang 2013 ausgeliefert werden.

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