Interview mit Willi Meyer von Goldbach Media

„Signifikantes Wachstum bei DooH in der Schweiz“

- Digitale Außenwerbung wächst auch in der Schweiz – und große Werbungtreibende nutzen sie inzwischen häufiger. Diese und weitere Trends verrät Willi Meyer von Goldbach Media im invidis-Interview. von Thomas Kletschke

Goldbach-Head of Sales DooH Willi Meyer (Foto: Goldbach Media)

Goldbach-Head of Sales DooH Willi Meyer (Foto: Goldbach Media)

invidis: Grüezi, Herr Meyer. Als Head of Sales DooH kennen Sie sich im Schweizer Markt besonders gut aus. Wie hat sich Digital-out-of-Home in den letzten 12 Monaten entwickelt?
Meyer: Der gesamte europäische DooH-Markt hat sich sehr stark entwickelt und ist gewachsen, davon profitiert natürlich auch der Schweizer Markt. Besonders erfreulich ist die Entwicklung, dass vermehrt und regelmäßig renommierte Brands DooH buchen. Damit verbunden werden agenturseitig zunehmend Kompetenzen im digitalen Außenwerbebereich aufgebaut.
Die beiden großen Vermarkter APG und Clear Channel haben ihre Aktivitäten in den Bereichen PoS (Shopping Center) und Bahnhöfe verstärkt und damit Bewegung ins Marktgeschehen gebracht.

Auf der anderen Seite konnten wir bei Goldbach Media unsere Marktführerschaft im Segment Tankstellen/ Convenience weiter ausbauen: Das neue Netzwerk MelTV mit Bildschirmen in 111 Elektronikfachmärkten der Migros, die modernisierten Tamoil-Zapfsäulenschirme oder der Ausbau des BP AmScreen-Netzwerks haben unser Portfolio in den letzten 12 Monaten optimal ergänzt.
Für unseren erfolgreichen Geschäftsgang war unter anderem auch die Abspaltung des Radio-Geschäfts in eine eigenständige Aktiengesellschaft Mitte 2013 entscheidend – somit konnten wir unser Know-How in der zweiten Jahreshälfte noch stärker auf DooH fokussieren.

invidis: Uns ist im Media Focus-Branchenbarometer des Jahres 2013 ein Mega-Peak bei den Digitalen Werbeflächen aufgefallen: Dort hatte sich im Dezember der Werbedruck auf über 4,2 Millionen SFr mehr als verdoppelt. Seit Anfang 2014 hat sich dann der Index wieder normalisiert. Können Sie als Spezialist uns diesen Ausschlag erklären?
Meyer: Richtig, Digital out of Home hat zum Jahresende kräftig zugelegt. Das ist zum einen der Jahreszeit geschuldet (im Winter wenn es früher dunkel ist, wirken die Screens noch besser), dann natürlich auch dem Weihnachtsgeschäft, wie in anderen Mediengattungen auch. Die Vorteile von DooH wie beispielsweise die schnelle Einsetzbarkeit, die zeitliche und regionale Aussteuerbarkeit und die Möglichkeit kurz vor dem Kaufentscheid einen finalen Branding- und auch Abverkaufseffekt zu setzen, haben viele Kunden überzeugen können. Es freut uns, dass sowohl Mediaagenturen als auch Kunden gerade in dieser wichtigen Abverkaufszeit ganzheitlicher denken und den letzten Touchpoint mit dem Konsumenten besetzen.

Digital out of Home ist aber ganz allgemein weiterhin auf Wachstumskurs – der Werbedruck ist auch nach dem Peak im Dezember von Monat zu Monat gestiegen und gerade im März konnten wir erneut ein signifikantes Wachstum verzeichnen.

invidis: Goldbach Media ist seit langem im DooH-Markt aktiv. Stichwort Key-Performance-Indikatoren: Welche KPI-Standards wünscht sich der wichtigste Vermarkter in der Schweiz für die Branche?
Meyer: Wir brauchen dringend normierte und vom Werbemarkt akzeptierte Angaben/ Messungen zu Brutto/ Netto-Reichweiten und der Nutzung der einzelnen DooH-Netzwerke. Deshalb laufen im Moment zu diesem Thema ganz konkrete Projekte in Zusammenarbeit mit den verschiedenen DooH-Anbietern, DooH-Verbänden und Forschungsinstituten.

invidis: Für 2014 hat Ihr Unternehmen eine Erweiterung des Portfolios in den Bereichen öffentlicher Verkehr und Tankstellen angekündigt. Welche Projekte gehen Sie aktuell an?
Meyer: Wir setzen strategisch auf DooH und sind für diesen Bereich seit über 10 Jahren mit viel Herzblut im Markt unterwegs um die Relevanz des Mediums im Mediamix zu erhöhen. Auf kurzfristige Sicht liegt unser Fokus bei den Tankstellen oder auch den Unterhaltungselektronikfachmärkten. Da sind wir laufend daran, unser Portfolio auszubauen. Es ist uns aber auch ein Anliegen, unsere bestehenden Pools zu erweitern und zu optimieren. Mit Blick in die nähere Zukunft, interessiert uns auch insbesondere der Bereich öffentlicher Verkehr und wir würden uns freuen hier unsere Expertise einsetzen zu können.

invidis: Einer der spannendsten Trends im DooH-Markt weltweit ist die Bündelung von Netzwerken auf Online-Plattformen. Was können und müssen diese Tools leisten?
Meyer: Die Tools müssen Marktstandards eines Online-Vermarkters erfüllen können. Das heißt, insbesondere via AdServing Lösung eine Schnittstelle zwischen Anbieter/ Vermarkter und Mediaagenturen/ Kunden bilden, um den gesamten Arbeitsprozess für Digital-out-of-Home-Kampagnen zu vereinfachen. Desweiteren müsste eine solche Plattform in der Lage sein, auf Ad Impression Basis ausliefern zu können. Mit unserer Schwestergesellschaft Goldbach Audience haben wir einen absoluten Online-Spezialisten und damit auch das Know-How im Haus, um diese Entwicklung für uns weiterzuverfolgen.

invidis: Wann startet die von Goldbach geplante App, die Buchung und Adserver-Dienste kombinieren soll? – Und: In welchen Ländern wird sie nutzbar sein?
Meyer: Es geht dabei nicht primär um eine App, sondern vielmehr darum eine Plattform für unsere Kunden zu schaffen, um das Buchungsverhalten und die Bedürfnisse des Marktes abzudecken. In welcher Form und wann dies passiert steht allerdings noch nicht fest.

invidis: In Deutschland gibt es in Bezug auf große digitale Werbeflächen im Öffentlichen Raum immer noch große Bedenken bei Politik, Bürgern und Presse; besonders wenn es um LED-Boards an belebten Straßen geht. Sind uns die Eidgenossen da in Punkto Liberalisierung voraus?
Meyer: Ich denke nicht unbedingt. Mitbewerber haben sich meines Wissens diesbezüglich um Tests bemüht oder sogar durchgeführt. Im Bereich der digitalen Außenwerbung gibt es auch bei uns in der Schweiz einige Herausforderungen zu bewältigen. Ich sehe diese vor allem im politischen Bereich – Bewilligungen unter Berücksichtigung von Aspekten wie Verkehrssicherheit sind Hürden für DooH-Installationen im öffentlichen Raum.

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