Interview mit DS Connekt-Gründer

Florian Bogeschdorfer – „Wir connecten alles mit jedem.“

- Digital Signage-Experte Florian Bogeschdorfer hat sich in München mit der Firma „DS Connekt“ selbstständig gemacht. Was er nach mehr als 20 Jahren Branchentätigkeit mit seiner Programmier-Manufaktur vor hat – und was nicht, verrät er im invidis-Interview. von Thomas Kletschke

Florian Bogeschdorfer (Foto: privat)

Florian Bogeschdorfer (Foto: privat)

In München hat sich Florian Bogeschdorfer mit seiner neuen Firma DS Connekt niedergelassen. Dort sorgt das Team seitdem etwa dafür, dass beim Kunden vorhandene Standardsysteme angepasst oder erweitert werden. Grundsatz: „der Code gehört dem Auftraggeber“, so Bogeschdorfer im invidis-Gespräch mit Analyst Oliver Schwede.

Herr Bogeschdorfer, die Branche kennt Sie aus Ihrer Tätigkeit bei der memedia. Dort waren Sie der technische Vordenker für die Entwicklung der eigenen Digital Signage-Software. Nun gehen Sie eigene Wege. Wie kam es zu diesem Schritt?

Florian Bogeschdorfer: Als Digital Signage-Lösungsanbieter waren wir mit unserer Software technologisch sehr weit vorne, es ist uns aber nie gelungen, vertrieblich ähnliche Erfolge zu erzielen. Daher haben wir Anfang 2012 unsere Digital Signage-Software verkauft und entwickeln diese seither lediglich im Kundenauftrag weiter. Seitdem ist diese nur noch ein Projekt von vielen und wir wollten mit unserem geballten Know-how, unseren in dieser Branche sehr erfahrenen Programmierern und unseren Ideen neue Wege einschlagen.

Dies entspricht auch eher meinem persönlichen Naturell – ich entwickle, programmiere und berate lieber, als mich um Marketing und Vertrieb zu kümmern. Darüber hinaus sehe ich bei der derzeitigen Marktentwicklung mittelfristig nur geringe Chancen für eigene Softwareentwicklungen jenseits der Top Ten der Branche oder ohne Koppelung an spezielle Märkte oder Marken und Hardwarehersteller. Es war also der logische Schritt.

Ehemalige Mitbewerber lassen sich nicht gern in die Karten schauen. Müssen Integratoren die DS Connekt zukünftig als Mitbewerber fürchten?

Florian Bogeschdorfer: Absolut nicht. Ich kann diese Bedenken aber durchaus nachvollziehen. Die DS Connekt betreibt jedoch keinerlei Verkaufs-, Lizenz- oder Projektgeschäft. Wir verkaufen weder Software noch Hardware, noch bieten wir Softwarelizenzen an. Wir arbeiten anderen Lösungsanbietern zu, unterstützen Systemhäuser und Hersteller bei technischen Problemstellungen und bringen auch gerne Ideen ein, um anspruchsvolle Projekte zum Leben zu erwecken.

Projekte für Digital Signage-Endkunden begleiten wir nur, wenn wir von diesen hinzugezogen werden, Kundenakquise findet ausschließlich im Bereich der Reseller und Hersteller statt. Darüber hinaus arbeiten wir vertraulich, gerne mit NDA und bieten natürlich Kundenschutz. Potentielle Kunden äußern eher die Befürchtung, dass die DS Connekt nach einem Auftrag das erworbene Know-how über die Lösungen des Kunden bei Folgeaufträgen an andere Mitbewerber transferieren könnte. Diese Angst ist verständlich, aber unbegründet – ich persönlich bin seit 1993 in diesem Markt tätig und habe mich immer integer verhalten. Darüber hinaus sind Zusammenhänge über die DS Connekt leicht nachvollziehbar und die von uns entwickelten Codes Eigentum des Auftraggebers. Würde ein Mitbewerber das Know-how eines anderen Mitbewerbers haben wollen, so könnte er genauso gut dessen Mitarbeiter abwerben oder den Programmiercode durch Reverse Engineering auslesen. Etwas Vertrauen gehört also dazu.

Mit der DS Connekt bieten Sie nun Endkunden und Marktteilnehmer Dienstleistungen im Bereich der Software-Entwicklung an. Wo sehen Sie den Bedarf für Ihre Leistungen?

Florian Bogeschdorfer: Der Fokus liegt eindeutig auf Resellern, Herstellern und Integratoren. Reseller sind häufig limitiert auf die angebotenen Produkte mit deren zwangsläufig limitiertem Funktionsumfang. Oft fehlen darüber hinaus insbesondere technische Kenntnisse, wie man die Digital Signage-Software in vorhandene IT-Landschaften integrieren kann oder größere Netzwerke betreiben kann. Da können wir mit unserem Wissen und entsprechenden Anpassungen diese Lücken schließen.

Die größeren Integratoren am Markt sind da natürlich viel erfahrener, kommen aber bei mehreren Projekten gleichzeitig auch schon mal an ihre Kapazitätsgrenzen. Hier sehe ich den Bedarf eher in speziellen Entwicklungen oder bei zeitlich begrenzten, projektbezogenen Einsätzen. Soft- und Hardwarehersteller mit eigener Software haben meist eine historisch bedingte Entwicklung durchlaufen, müssen sich an neue Märkte anpassen und sehen sich immer mehr damit konfrontiert, dass ein CMS alleine nicht mehr ausreicht. Vielmehr muss sich heutzutage alles mit jedem connecten und dafür sind wir Spezialisten.

DS Connekt sind Sie und Ihr Entwicklungsteam. Welche Rolle nehmen Sie ein und welche technischen Anforderungen können Sie mit Ihrem Team abdecken?

Florian Bogeschdorfer: Ich bin der Teamleiter. Über mich läuft sämtliche Kommunikation, die Absprache und Umsetzung des Projektes sowie die Kontrolle und Übergabe der Leistungen. Ich programmiere seit 35 Jahren, bin seit 1993 in der Branche und habe lange sämtliche Bereiche eines Digital Signage-Unternehmens geführt. Daher gibt es kaum einen Bereich, den ich nicht kenne und nur wenige Andere mit diesem Fachwissen. Das macht es natürlich bei Entwicklungsaufträgen entsprechend einfacher, denn ich weiß genau, worüber mein Kunde redet, und wo neben den softwaretechnischen auch die hardwaretechnischen, aber auch die unternehmerischen Schwierigkeiten liegen.

Die technischen Details und Fähigkeiten des Teams aufzulisten, würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Aber es zählen alle gängigen Programmiersprachen dazu sowie alle gängigen Betriebssysteme. Alle sind top ausgebildet, haben die entsprechenden Studien als Jahrgangsbeste abgeschlossen und viele Jahre Erfahrung mit Digital Signage.

Unsere primären Leistungen sehe ich da, wo es darum geht, ein System an das andere zu verbinden, also zum Beispiel ein CMS an Autoscout24. Die Einbindung von dynamischen oder prozessgesteuerten Inhalten gehört ebenso dazu wie die Anbindung an die Social Media-Komponenten. Selbstverständlich erweitern wir auch ein CMS oder einen Player um neue Features und Technologien, als Beispiel seien hier Smartphone-Unterstützung, iBeacon, Hardwaresteuerung, Eskalationsmanagement und Ähnliches genannt. Aber auch „einfache“ Aufträge wie die Portierung von Inhalten von einem CMS (oder Format) ins andere, die Erstellung von Templates oder die Umsetzung interaktiver Content-Konzepte gehören dazu.

Es gibt so viel CMS am Markt, haben Sie sich auf einige Produkte spezialisiert oder sind es eher generische Programmier-Leistungen, die mit allen CMS arbeiten?

Florian Bogeschdorfer: Natürlich sehe ich die größten Chancen bei den Marktführern, denn damit werden die meisten Projekte gemacht und es entsteht der meiste Anpassungsbedarf. Auch einige neue Ansätze, z.B. von Samsung und Google finde ich sehr spannend. Hier wird es sicherlich noch viel zu tun geben, da beide noch neu auf dem Markt „Digital Signage-Software“ sind und großes Potenzial haben.

Ansonsten sind sich die modernen CMS Lösungen häufig sehr ähnlich, die Anforderungen an externe Lösungen sind da durchweg vielfältiger. Sicherlich werden wir uns mit dem einen oder anderen CMS mehr beschäftigen, aber die Lösungen liegen ja zu 90% außerhalb der Content Management Systeme und Player und sind daher eher als generisch einzustufen. Aber ich bin kein Hellseher – wir freuen uns auf alle Herausforderungen und in einem Jahr werde ich mehr dazu sagen können.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen im Digital Signage-Markt?

Florian Bogeschdorfer: Im Moment sehe ich als größtes Problem die Zersplitterung des Marktes in Hunderte von Lösungen und Formaten. Jedes Jahr kommen alleine in Deutschland mindestens 100 neue Digital Signage-Softwares auf den Markt – die meisten davon verschwinden genauso unbemerkt wie sie gekommen sind. Im Einzelfall mag so eine Software ihre Berechtigung haben, aber viel öfter sind sie schlicht überflüssig und auf mangelnde Kompetenz in der Entscheidungsfindung des Kunden oder auf mangelndes Marktwissen der Entwickler zurückzuführen. Dabei erschweren sie es dem Markt, gemeinsame Konzepte, Preise und Technologien durchzusetzen, die aber dringend notwendig wären.

Die größte Herausforderung sehe ich im Aufbrechen der klassischen Digital Signage-Anwendung und deren Integration in moderne Kommunikationstechnologien und Nutzerverhalten. Smartphones, Internet, QR-Code, iBeacon, Interaktiviät, Gesten, Facebook, Twitter und prozessgesteuerte Inhalte und Abläufe sind heutzutage nicht nur ein Teil von Digital Signage. Abgesehen von einigen Insellösungen sind sie die Zukunft. Und genau hier können wir helfen und Hersteller und Anwender unterstützen.

Last not least hat Google zusammen mit Intel nahezu unbemerkt eine Digital Signage-Lösung geschaffen. Noch ist sie nicht ausgereift, aber Google könnte mit seinen finanziellen Mitteln, dem riesigen Inhalteangebot und der Werbevermarktung für tiefgreifende Änderungen sorgen – zumindest außerhalb von Digital Signage als Markenkommunikationsmittel.

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