Nach geplatzter Übernahme

Unschöne Bescherung – Kürzungen bei Aixtron absehbar

- Nachdem die US-Regierung den Einstieg eines chinesischen Investors bei Aixtron verhindert hatte, ist dessen Übernahmeangebot erloschen. Neue Geldgeber sind nicht in Sicht. Jetzt plant der Hersteller für Halbleiter-Produktionsanlagen harte Einschnitte. An welchen Orten Personal abgebaut wird, dürfte in wenigen Wochen absehbar sein. von Thomas Kletschke

Forschungsanlage für organische Halbleiter (Foto: Aixtron)

Forschungsanlage für organische Halbleiter (Foto: Aixtron)

Wie berichtet, hatte die US-Regierung den geplanten und seit langem bekannten Einstiegswunsch des chinesischen Investors FGC bei Aixtron quasi in letzter Minute verhindert. Dies war rechtlich dadurch möglich, dass Aixtron in den USA selbst über einen großen Standort verfügt. Die Anlagen von Aixtron werden in der gesamten Halbleiterindustrie genutzt. Dies schließt Produktionsanlagen für LED und OLED mit ein.

Vielleicht steht der US-Standort Aixtrons im kalifornischen Sunnyvale ja nun weiter oben auf der internen Streichliste. Denn Aixtron kann nur durch harte Einschnitte weiter überleben, da kein neuer Interessent in Sicht ist. Alleine die Vorbereitung des kürzlich abgeblasenen Einstiegs der Chinesen hat Unternehmensangaben zufolge etwa zwei Jahre gedauert; neue Investoren kann man sich nicht backen.

Das Herzogenrather Unternehmen Aixtron setzte im vergangenen Jahr 197,8 Millionen Euro um. Weltweit gab es zuletzt 750 Mitarbeitende; Forschungszentren gibt es in Deutschland, UK und den USA, F&E Kooperationen (einschließlich Wissenschaft) existieren mit Instituten und Firmen auf vier Kontinenten. Vorstandschef Martin Goetzeler hatte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bereits im September gesagt, ohne einen Partner drohten harte Einschnitte und ein Abbau von Arbeitsplätzen. Jetzt teilte Aixtron auf Nachfrage von Reuters mit, dass es Anfang 2017 erste Ergebnisse über Art und Umfang der Sanierungsbemühungen geben werde. Für die weltweit Beschäftigten stellen die Folgen der US-Entscheidung von Anfang Dezember eine unschöne Bescherung dar.

Gegen eine Schließung des US-Standorts Sunnyvale würde das große Geschäft in den Vereinigten Staaten sprechen – auch ein potenziell vorhandenes Interesse von Seiten der US-Rüstungsindustrie, das es zumindest in der Theorie geben könnte. Eine starke Niederlassung in Großbritannien gibt ein Unternehmen ebenfalls nicht einfach so auf, erst recht nach den Folgen der Brexit-Entscheidung (sinkende GBP-Kurse, damit auf Euro-Basis tendenziell niedrigere Lohnkosten, Zugang zum UK-Markt und der dortigen exzellenten Forschungslandschaft).

Insofern ist es also nicht undenkbar, dass der Gründungs-Standort – Aixtron ist aus einer Ausgründung der RWTH Aachen entstanden – in Teilen oder in Gänze selbst zur Disposition steht. Für diesen Fall mag man den Aixtron-Mitarbeitenden wünschen, dass sich das Bundeswirtschaftsministerium dann genauso vornehm mit Solidaritätsbekundungen zurückhält, wie es dies nach Bekanntwerden der US-Bedenken auch getan hatte.

Offiziell befand sich das BMWi nach der Entscheidung der Obama-Administration in der erneuten Prüfung, die durch den Rückzug der Chinesen beendet sein dürfte. Am Rückzug der ursprünglichen Ministererlaubnis waren zudem weitere, nicht SPD-geführte, sondern von der Union geleitete Ressorts der deutschen Bundesregierung beteiligt.

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