ISE 2018

LED wird der Disruptor für Digital Signage

- Amsterdam | Das Thema auf der ISE 2018: LED. Was kommt auf die Branche zu? Wir haben erste Stimmen und Eindrücke gesammelt. Und merken immer wieder: LED und OLED haben viel gemeinsam. von Thomas Kletschke

LED Screen am Stand von LG auf der ISE 2018 (Foto: invidis)

LED Screen am Stand von LG auf der ISE 2018 (Foto: invidis)

Gefühlt macht nun jeder in LED: etwa die LCD-Riesen, die ein Portfolio aufbauen (mal mit, mal ohne Zukauf). Dann gibt es die LCD-Hersteller, die gerne LED machen würden (aber derzeit keine unter eigenem Namen liefern können), einige wenige, die LED für überbewertet halten. Jedenfalls haben wir auf der Messe mehr Integratoren getroffen, die das Thema LED Signage angehen wollen. Bei einigen Herstellern, die nun auch auf LED setzen, melden sich die Integratoren oder Zwischenhändler: Schulungen sind gefragt.

Die ISE 2018 hatte nicht einmal begonnen, schon verkündete NEC den Kauf von S[quadrat]. Der Kauf war von den japanischen Headquarters aus gewünscht. Kein schlechter Schachzug. Bei mindestens einem LCD-Hersteller klagte man unter der Hand: „Wir würden ja gerne LED anbieten, haben aber immer noch nichts.“. Gab‘ ja damals nix, möchte man noch anfügen.

Wer auf absehbare Zeit kein LED Indoor Signage anbieten wird: BenQ, Panasonic und Sharp. Alle anderen: Daumen hoch für Indoor LED! Auf den Fluren werden schon Wetten abgeschlossen. Wann feiern wir den Tod der LCD Video Wall?, fragen die einen. So ein Quatsch, rufen die anderen.

Samsung zeigte in diesem Jahr mehr Indoor LED. Dazu kam dann noch The Wall als Profi-Variante. Bekannt ist ja auch der proprietäre Weg Samsungs, das Vertical Digital Cinema mit LED zu koppeln. In anderen Worten: Tod dem Projektor. Auch bei LG – die natürlich OLED besonders betonten – war LED zu sehen. Einmal die Fine Pitch-Lösung (vgl. Aufmacherfoto) und die in Glas eingelassenen Lauf-LEDs. Im Jahr 2018 auch in Farbe. Eine der Spezial-Lösungen am Rande.

Technisch ist LED derzeit in der Weiter-Entwicklung. Bedeutet: In der Industrie ist derzeit alles wieder mal hochpolitisch. Sprich: Wer nutzt aktuell welche Technologie, was wird in LED in den kommenden zwei bis fünf Jahren passieren?

Preise: Generell weiter unterwegs gegen Süden. Was Indoor betrifft, behaupten einige, Faktor 4 gegenüber einer LCD Video Wall. Frage: Wie lange noch?

Derzeit immer noch state-of-the-art: Black SMD LED. Und dann bitte ordentlich vor-selektiert und mit ordentlichen Controller Boards und dergleichen. Von einem Lieferanten mit Lager in Europa. Der idealerweise ein Partner-Netzwerk ausbaut. Gibt es alles im Markt. Sowohl von den klassischen LED Signage-Herstellern wie den LCD-Herstellern, die in dem Bereich aktiv sind. Offenbar werden Claims neu abgesteckt.

Sehr fein-pixelige Lösungen, die der Traum sind, waren einige zu finden. Etwa die bei Leyard. Nachteil bei der Multitouch-LED mit 1,2 mm Pixel-Abstand: Auf-Foliertes muss im schlimmsten Fall auch mal runter. Aber Interaktivität und NPP LED ist nur ein Anwendungsfall.

Dann gibt es noch die echten COB (Chip-On-Board)-Lösungen und die Zwischenstufe mit dem Harz-Zeugs. Ganz ehrlich: In 24 bis 48 Monaten reden wir über Preise und Qualitäten. Das sehen übrigens auch einige dieser Anbieter selbst so. Wir haben den Test gemacht: Wer konnte uns fünf Sekunden in die Augen schauen, ohne zu blinzeln. Wenige.

Wenn dann COB soweit ist – also die Fertigungsprozesse – kommen ganz neuartige LED-Lösungen in den Markt. Diese sind robuster, deutlich günstiger herzustellen. Wie gesagt: Alles außer Black 3-in-1 SMD hat nicht überzeugt auf dieser Messe. COB ist aber das Zukunftsthema. Absen war einer der wenigen Hersteller, der COB in Serie hat. Damit lassen sich beispielsweise interessante Control Rooms bauen. Und auch zuvor hat LED Signage weiter wachsende Chancen.

Größen und so: Inzwischen gibt es 55″ LED Panel. Man darf sie als Replacement für LCD Large Format Screens in Video Wall interpretieren.Ansonsten ist bei den 16:9 LED-Modulen die Größe 27″ herstellerübergreifend gesetzt.

Highlight (wie 2017): Sony mit Crystal LED. Allerdings: 55.000 Euro, pro Quadratmeter. Noch zu glossy, ansonsten superb. Wie uns einer der Ingenieure am Stand verriet: Die ab Frühjahr kommende Sony-Lösung wird weniger glossy. Wie gesagt: Optisch ein Traum. Preislich leider Utopie für viele Projekte.

Die Benchmark in allem und für alles in diesem Jahr: der verdammte Schwarzwert und das Kontrastverhältnis. Und spätestens hier zeigt sich, dass OLED im Markt wohltuend wirkt. Sowohl Anbieter von LCD-basierten Systemen wie LED Signage müssen sich mit dem sprichwörtlich perfekten OLED-Schwarz messen lassen. Dies macht sich bei LED und besonders bei nahezu allen Direct LED und MircoLED Produkten und Showcases bemerkbar.

Wir haben auch den ein oder anderen MicroLED Screen angesehen, den man nicht mal anhauchen durfte, obwohl er als Outdoor-Produkt empfohlen wurde. Also: einfach mal abwarten. Schöne Black SMD Lösungen gibt es. Und wie auf verschiedenen Fluren zu hören war, auch Projekte. Die waren übrigens dem Vernehmen nach dieses mal nicht bei sprichwörtlichen Londoner Investment Banking-Offices bei Soundso and Cie. Eben weil es auch preislich interessanter wird, wie einige glaubhaft argumentieren.

LED ist aus der Schmuddel-Ecke raus. Obwohl: Einen haben wir noch getroffen, der meinte, die Halle 8 sei doch nicht die LED-Halle. Als ob das was Schlimmes wär‘.

Formel der Messe: Price per Pixel. Statt: Price per Square Metre.

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