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Von DigiFiz und User Experience - die Geschichte von Displays bei Volkswagen

Touchscreen statt Schalter, personalisiertes Benutzerprofil und Ambiente anstelle von Standard: Die Digitalisierung schreitet auch bei Volkswagen mit Riesenschritten voran. Welten liegen zwischen dem ersten Digitalen Fahrer-Informations-Zentrum von 1986 und dem aktuellen Active Info Display – aber auch verblüffende Parallelen. Die Wolfsburger geben Einblick in mehr als 30 Jahre Displaytechnologie im Cockpit.
Digital Cockpit der neusten Generation bei Volkswagen (Foto: Volkswagen)
Digital Cockpit der neusten Generation bei Volkswagen (Foto: Volkswagen)

Am Anfang stand die Frage: „Warum muss im Auto immer alles mechanisch sein? Wir könnten doch auch mal elektronische Lösungen suchen!“, sagt Dr. Walter Zimdahl, seinerzeit in der Abteilung Zukunftsforschung für den Bereich Elektronik zuständig. Ein Ergebnis war das „DigiFiz“ – die Kurzform von „Digitales Fahrer-Informations-Zentrum“. Ein digitaler Tacho mit Flüssigkristallbildschirm, der ab 1986 auf Kundenwunsch in Golf II und Jetta II Einzug hielt.

Es bot Innovationen, die dem Betrachter buchstäblich ins Auge fielen: Zum Beispiel die – für damalige Ver­hältnisse – futuristischen Digitalanzeigen mit einer bis dahin unbekannten Präzision. Hierzu zählten vor allem die Geschwindigkeits- und Wegstreckenanzeigen, die auf den Liter exakt arbeitende Kraftstoffvorratsanzeige und die gradgenaue Anzeige der Kühlmitteltemperatur.

DigiFiz - erste Displayversuche bei Volkswagen (Foto: Volkswagen)
DigiFiz – erste Displayversuche bei Volkswagen (Foto: Volkswagen)

Bachorski: „Ohne Pionierleistungen wie das DigiFiz hätten wir das Active Info Display heute niemals in Serie“., verbeugt sich der Leiter Interieur Design Marke Volkswagen vor Zimdahl und dessen Kollegen. 2018 hat die Digitalisierung längst auch das Volkswagen Innenraumdesign in all seinen Informations-Funktionen und Komfortzonen erreicht – was laut Bachorski auch eine Herausforderung darstellt: „Funktionale, vertrauenswürdige Technik, zum Beispiel bei den Anzeigen von Geschwindigkeit und Verbrauch, im Einklang mit attraktiver Ästhetik und grafischer Wertigkeit.“ Und, vor allem: mit zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten.

Bachorski erinnert sich gern an die Entwicklung des neuen Polo. Bei seiner Weltpremiere 2017 wird der Wagen mit einem digitalisiertem Cockpit präsentiert. Als erster Volkswagen und als erstes Konzernmodell startete der sechste Polo mit einer neuen Generation des Active Info Displays. Mit dem neuen Polo begann ein neues Cockpit-Layout für kompakte Modelle bei Volkswagen. Im Fokus der Design-Entwicklung standen die zunehmende Digitalisierung der Anzeige- und Bedienelemente sowie die Konnektivität, die neuer Lösungen bedurfte. Die Interface-Designer haben das Active Info Display in der nächsten Generation weiterentwickelt und die Anzeigen sowie das Funktionsspektrum auf ein neues Niveau gehoben.

Konkret: Die zweite Generation des Active Info Displays arbeitet zu 100 Prozent digital und ist frei konfigurierbar. „Von den Funktionsanzeigen bis hin zur Abstimmung von Instrumentenbeleuchtung und Ambiente-Licht ist alles individuell wählbar“, erklärt Bachorski. In der Zukunft „merke“ sich zudem das System die persönlichen Einstellungen von Display-Funktionen und -Beleuchtung und wende sie ab dem zweiten Einstellvorgang automatisch an. „Der Fahrer wird gefragt: ‚Darf dein Auto dich kennenlernen, ja oder nein?‘“, führt Barchorski aus.

Displaylose Zeit bei Volkswagen (Foto: Volkswagen)
Displaylose Zeit bei Volkswagen (Foto: Volkswagen)
So digital läuft der Polo heute vom Band 8Foto: Volkswagen)
So digital läuft der Polo heute vom Band (Foto: Volkswagen)

Das komplett glasüberbaute System ohne mechanische Tasten lässt Funktionen und Design miteinander verschmelzen. „Uns Designern eröffnet die Digitalisierung ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten. Das zeigt auch das Innovision Cockpit im neuen Touareg“, sagt Bachorski. Sein Team ist von Beginn an der Entwicklung beteiligt. Sie tauschen sich aus mit Ergonomie-Experten, den Entwicklern, beraten sich mit Vertriebskollegen und legen besonderes Augenmerk auf die User Experience – zu Deutsch: Es gibt direkte Rückmeldungen von Anwendern aus dem „wahren Leben“.

Das „Mäusekino“ genannte DigiFiz wurde damals kaum bestellt. Heute ist es ein umso mehr gesuchter Klassik-Artikel mit Kult-Charakter. Das digitale Cockpit ist für Zukunftsthemen, wie die Elektromobilität oder das vernetzte Fahren, essentiell. Auf dem langen Weg zu diesem Cockpit war das zentral angeordnete „Multi-Funktions-Display“ (MFD) ein Meilenstein. Mit dem Golf IV hatte es seine Premiere in den Serienfahrzeugen von Volkswagen. Neben der bis dato ungeahnt hohen Auflösung des großen Bildschirms bot es erstmals farbige Navigationskarten. Eine technische Meisterleistung, an die Interieur-Entwickler und Innenraumdesigner von heute nahtlos anknüpfen können, wie Bachorski betont.

Ach ja: die anfangs erwähnte Zeitlosigkeit. Wandel und Innovation – da war doch noch was …? Genau, Stichwort „Flüssigkristallanzeige“. „Wir wurden damals bei einem Digitaluhrenhersteller fündig“, berichtet Dr. Walter Zimdahl aus der Pionierzeit des DigiFiz. „Das Problem war nur, dass sich in den Uhren die Kristalle ab 50 Grad nicht mehr am elektrischen Feld ausrichten ließen, alles wurde grau oder schwarz-weiß, da war nichts mehr zu erkennen. Im Golf und Jetta musste die Anzeige jedoch in einem Temperaturspektrum von -40 bis +80 Grad funktionieren!“ Instrumentenhersteller VDO wurde konsultiert – gemeinsam gelang die Serienreife.

Tomasz Bachorski kann da nur beipflichten: Auch er kennt die kristallinen Herausforderungen. „Doch auch für uns war das letztlich kein Problem – das Active Info Display ist in jeder Klimazone perfekt lesbar. Bei Nacht, bei Tag, mit Brille oder Sonnenbrille.“

Cockpit Displays verändern das Cockpit Design - aus Rund wurde Eckig (Foto: Volkswagen)
Cockpit Displays verändern das Cockpit Design – aus Rund wurde Eckig (Foto: Volkswagen)
Weckt Erinnerungen an frühere Tage - Radiodisplay bei VW (Foto: Volkswagen)
Weckt Erinnerungen an frühere Tage – Radiodisplay bei VW (Foto: Volkswagen)

 

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