Westiform Interview

„Keine leichte Situation, aber wir sehen neues Potential“

Die Beantragung auf Insolvenzschutz der deutschen Leuchtwerbetochter der Westiform hat auch Auswirkungen auf die Digital Signage Schwester Westiform Digital aus Freiburg / Breisgau. invidis sprach mit Anna Aebischer-Imfeld, der Verwaltungsratspräsidentin der Westiform Holding AG über die aktuelle Lage der Unternehmensgruppe.
Westiform Deutschland (Foto: Westiform)
Westiform Deutschland (Foto: Westiform)

Ende Oktober musste die deutsche Westiform GmbH & Co KG Insolvenzschutz beantragen. Der deutsche Lichtwerbespezialist war mit 250 Mitarbeitern das größte Unternehmen der Schweizer Westiform-Gruppe (400 Mitarbeiter, ca. 90 Mio SFR Umsatz FY 2018/19). In Schieflage geriet die deutsche Tochter durch einen gravierenden Einbruch der Nachfrage. „Unsere deutsche Westiform Tochtergesellschaft verzeichnete einen Auftragsrückgang von 20% seit April 2019. Insbesondere die Nachfrage der Automobilkunden ist deutlich eingebrochen.“ erklärt Anna Aebischer-Imfeld im invidis Gespräch. Zeitgleich standen Investitionen in neue Produkte an und die Erträge von neuakquirierten Projekten sind zu Anfang üblicherweise eine Herausforderung.

Swisscom Digital Signage Projekt von Westiform (Foto: Westiform)
Swisscom Digital Signage Projekt von Westiform (Foto: Westiform)

„Unsere Geschäftsführer, der Verwaltungsrat der Westiform Holding AG und die Inhaberfamilie  haben monatelang hartgearbeitet, mit einer renommierten Beratungsfirma Szenarien und Business Pläne entwickelt, um die Tochter zu retten. Es ist eine sehr bittere Realität, dass am Ende als einzige Option die Beantragung des Insolvenzverfahren übrig blieb“. Trotz finanziellem Engagement der Eigentümerfamilie und einem angelaufenen Investorenprozess haben die Finanzierungspartner die Kredite nicht verlängert. Seit 25. Oktober wird die Westiform GmbH & Co KG nun von Rechtsanwalt Dr. Dirk Pehl als vorläufiger Insolvenzverwalter geleitet.  „Wir haben die Hoffnung insbesondere für die 250 Mitarbeiter, dass die Rettung gelingt. Ein Insolvenzverfahren ist nicht das Ende eines Unternehmens. Dem Insolvenzverwalter kann es durchaus gelingen, eine Firma als Ganzes zu erhalten.“

Die Insolvenz der Westiform GmbH & Co KG hat auch Einfluss auf Westiform Digital – den Digital Signage Spezialisten der Unternehmensgruppe. Die ehemalige Equinoxe ist ein 60/40 Joint Venture mit den Equinoxe-Gründern Wolfgang Schuler und Gerda Buss , die das Unternehmen heute auch noch führen. Auch wenn Westiform Digital direkt an der Schweizer Holding angedockt ist und somit vom Insolvenzverfahren nicht betroffen ist, spürt der Digital Signage Integrator die Auswirkungen im Tagesgeschäft deutlich.

Media Markt LED Digital Signage Projekt von Westiform (Foto: Westiform)
Media Markt LED Digital Signage Projekt von Westiform (Foto: Westiform)

Die GmbH & Co KG war bisher der größte Kunde, da fast alle Projekte über die große Schwester abgewickelt wurden. „Somit ist es gerade keine leichte Situation für Westiform Digital, wenn der größte Kunde die Forderungen zum Teil nicht mehr begleichen kann. Das Unternehmen muss sich an die neue Situation anpassen.“ Mit 17 Mitarbeitern ist der Freiburger Digital Signage Integrator in der Westiform Gruppe eine verhältnismäßig kleine Einheit. Die schlagkräftige Truppe hat in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich Digital Signage Projekte u.a für die Ergo Versicherung, BAT, Snipes, Skoda, MediaMarkt oder Knaus-Tabbert umgesetzt.

„Wir sind sehr zufrieden wie sich die Digital Signage Aktivitäten entwickelt haben. Westiform Digital lag im Business Plan. Aber natürlich wird sich mit den neuen Rahmenbedingungen jetzt einiges ändern müssen und eigene, neue Kunden müssen gewonnen werden. Wir sehen  Potential, vor allem in Nischenmärkten“ so Anna Aebischer-Imfeld im invidis-Gespräch. Alle laufenden DS-Projekte würden weiterhin betreut.

Snipes Projekt von Westiform (Foto: Westiform)
Snipes Projekt von Westiform (Foto: Westiform)

Das Erfolgsrezept der vergangen Jahre war die Kombination aus statischer Leuchtwerbung und dynamischen Digital Signage Touchpoints. „Der Kundenzugang über die Leuchtwerbung war sehr gut. Kunden wollen eine flexible Lösung in der Kommunikation. Hoch flexibel über Digital und insbesondere für jüngere Konsumenten sehr wichtig, braucht es aber weiterhin auch Lichtwerbung und Beschriftung. Diese sind Teil der Architektur und der Corporate Identität und spielen im CI eine wichtige Rolle. Digital und Analog müssen sich ergänzen“.

Für Westiform ist Lichtwerbung Teil der DNA und wird auch zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Das Unternehmen entstand 1959 aus einer Ausgliederung der Neon-Aktivitäten des amerikanischen Westinghouse-Konzerns in der Schweiz. „Auch wenn der Lichtwerbemarkt weltweit tendenziell zurückgeht, ist es weiterhin für uns ein attraktiver Markt. Wir haben Designgeschichte geschrieben und mit Schweizer Qualität seit Jahrzehnten Erfolg. Mit der Kombination statische Lichtwerbung und Digital wollen wir auch in Zukunft erfolgreich am Markt agieren“.