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Stratacache plant eigene MicroLED-Fertigung

Ende März überraschte Stratacache CEO Chris Riegel die Digital Signage-Branche mit dem Kauf einer stillgelegten Computer-Chip Fabrik in Oregon. Damals plante Stratacache, den Standort an der US-Westküste zu einer eigenen Display-Fertigung auszubauen. Jetzt vermeldet der Disruptor der Digital Signage-Branche neue Details: anstelle von LCD-Displays sollen hier ab 2022 MicroLED gefertigt werden.
Stratacache übernimmt ehemaligee Chipfarik (Foto: Stratacache)
Stratacache übernimmt ehemaligee Chipfarik (Foto: Stratacache)

In einem Interview mit der Tageszeitung The Oregonian erläutert Stratacache CEO Chris Riegel, dass die 111.000 Quadratmeter große Anlage in Eugene nun für die Entwicklung und Herstellung von MicroLED-Displays genutzt werden soll. Mit der Entwicklung und Fertigung eigener MicroLED-Lösungen  tritt Stratacache in Wettbewerb zu Sony (Crystal) oder Samsung (The Wall for Business) und vielen anderen Anbietern. Der Start der Probefertigung soll bereits im Sommer 2021 erfolgen, ab 2022 will man dann voll in die Produktion einsteigen. Wieviele Mitarbeiter Stratacache in Oregon einstellen wird, steht noch nicht fest. Zurzeit beschäftigt Stratacache weltweit 1.100 Mitarbeiter.

USA: Stratacache übernimmt Computer-Chip Fabrik

Die ehemalige SK Hynix-Chipfabrik stand mehr als 12 Jahre lang leer und wurde von Stratacache zum Schnäppchenpreis von 6,3 Mio. USD ersteigert. Der südkoreanische Chiphersteller Hynix hatte ehemals 1,5 Milliarden Dollar auf dem 81 Hektar großen Gelände investiert. Stratacache hat es besonders auf den Reinraum der Chipfabrik abgesehen, der sich ideal für die LED-Chipproduktion eignet. Ein weiterer Vorteil des Standortes sind die großzügigen Steuerbefreiungen, die Oregon der IT-Industrie bietet. So betreibt Intel eine große Fertigung in Oregon.

Digital Signage Konsolidierung: In der Krise stecken neue Chancen

Auch Display-Anbieter wie Planar sind in Oregon zuhause. Allerdings konnte die US-amerikanische Planar nicht mit den großen asiatischen Displayanbietern mithalten und wurde von der chinesischen Leyard übernommen.

Im Interview mit Oregon Live berichtet Stratacache CEO Chris Riegel von Investitionen in Höhe von 150-350 Mio. USD, die am Standort notwendig sind, um die Produktion aufzunehmen. Dazu zählt die Instandhaltung des Fabrikdachs und die Ausstattung mit dem für MicroLED notwendigen Maschinenpark.

invidis Kommentar

Der Fokus auf die Fertigung von hochpreisigen MicroLED ist strategisch sicherlich vernünftiger als die Produktion / Assemblierung von LCD-Displays. LCD Technologie ist mehr oder weniger ausgereift und der Markt sehr wettbewerbsintensiv. Die Margen bei LCD sind so gering, dass selbst die großen koreanischen Hersteller Samsung und LG sich aus der eigenen Fertigung zurückziehen, um sich auf margenträchtigere Lösungen zu fokussieren.

MicroLED ist die Zukunftstechnologie für Digital Signage, das ist unbestritten. Die Qualitätssicherung in der Fertigung gilt aber als extrem komplex. Nicht nur die beiden koreanischen Hersteller, sondern auch die chinesischen LED-Hersteller investieren Milliarden in die neue Technologie.

Es bleibt abzuwarten, wie Stratacache ausreichend Volumen am Markt absetzen kann, um wettbewerbsfähig zu sein. Realistischer als eine Eigenentwicklung ist aber eine Kooperation mit einem chinesischen Hersteller, so wie Stratacache sie bereits im Displaybereich mit BoE betreibt. Es bleibt also spannend – Wenn einer in der Branche es schaffen könnte, dann der Disruptor Chris Riegel.

Über die Rolle von MicroLED diskutiert invidis mit Experten von Absen, LG, NEC, Samsung, Sharp und Sony in der kommenden Woche auf dem DSS 2020. Jetzt noch kostenlos anmelden.

Danke an Dave Haynes von Sixteen-Nine, der vom Interview mit dem Oregonian zuerst berichtet hat.