Chris Riegel

Scala fünf Jahre nach der Übernahme

Vor fünf Jahren übernahm Stratacache die Digital Signage CMS Plattform Scala. Seitdem ist sehr viel passiert: nicht nur in Bezug auf das einstmals größte Digital Signage Ökosystem, sondern auch die allgemeine Rolle von Software im Digital Signage Markt. invidis Partner Sixteen-Nine sprach mit CEO Chris Riegel über die letzten fünf Jahre, Gegenwart und die Zukunft.
Chris Riegel über 5 Jahre Scala (Foto: 16:9/Scala)
Chris Riegel über 5 Jahre Scala (Foto: 16:9/Scala)

Seit vielen Jahren unterhält sich Sixteen-Nine Chefredakteur Dave Haynes mit Digital Signage-Persönlichkeiten primär aus Nordamerika im Rahmen eines Podcasts. Regelmäßig auch mit Stratacache-CEO Chris Riegel, der für seine klaren Worte bekannt ist und oft unorthodoxe Wege geht. Ob mit dem Kauf einer eigenen LED-Fabrik in Oregon oder mit den provokanten Baseballcaps „Make Scala great again.“.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.podbean.com zu laden.

Inhalt laden

Der Scala-Weg von der Übernahme vor fünf Jahren zur heutigen globalen Digital Signage Retail Plattform war eine Achterbahnfahrt für Chris Riegel und sein Team. So beschreibt es der Stratacache-CEO im aktuellen 16:9 Podcast. Mit der Übernahme von Scala wurde Stratacache zum globalen Anbieter. Denn Scala war insbesondere in den Märkten Europa, Naher Osten, Japan und Australien stark, wo Stratacache noch nicht ausreichend vertreten war. Heute betreut Stratacache/Scala globale Kunden über 28 Büros weltweit.

Die Scala-Plattform war bei der Übernahme etwas in die Jahre gekommen und man ruhte sich laut Chris Riegel auf den vergangenen Erfolgen zu sehr aus. Außerdem war Scala historisch eine Windows-fokussierte Organisation (von den Commodore -Anfängen abgesehen). Chris Riegel ließ nach der Übernahme ein Großteil der Plattform neuentwickeln und setzte von nun an bei Scala, analog zur restlichen Stratacache-Gruppe, auf Linux.

Digital Signage Plattform: Scala kündigt Version 12 an

Die Neuausrichtung des Partner-Ökosystems, insbesondere der direkte Kundenzugriff an Partnern vorbei, führte zu einem großen Softwarewechsel bei bisher treuen Scala-Partnern. Bis zur Übernahme war Scala die präferierte Plattform für die erfolgreichsten Digital Signage-Integratoren in Europa. „Scala hatte zum Zeitpunkt der Übernahme 300 Reseller, davon 200, die nur 5 – 10.000 USD Scala-Umsatz generierten. Ich wollte weniger, aber dafür bessere Reseller. Die Kronjuwelen von Scala sind die 16.000 Großkunden weltweit.“ Und Großkunden wie die Citibank benötigen aus Sicht von Chris Riegel professionelle Partner, nicht kleine Integratoren. In Lateinamerika hat man das Partnermetz von 50 auf 5 bis 6 Partner reduziert.

Riegel setzt vielmehr auf neue Partner, nicht unbedingt Digital Signage-Experten, sondern Partner mit Kundenzugang. So arbeitet Scala weltweit erfolgreich mit der japanischen Agenturgruppe Hakuhodo zusammen. Ein bis zwei weitere solcher Partner will Scala noch im laufenden Jahr gewinnen.

Zukunft für Europa-Integratoren „schwierig“

Die Zukunft für viele europäische Digital Signage-Integratoren, die typischerweise aus der AV-Welt stammen, sieht Riegel als schwierig an, obwohl die Nachfrage nach Digital Signage-Projekten riesig ist. Stratacache kann durch Größe, Skalierbarkeit und Erfahrung punkten. „Ich habe 3,5 Millionen Displays, einen Fuhrpark und 1.100 Mitarbeiter. Wir sind rund um die Uhr im Einsatz. Für McDonald’s betreuen wir über 400.000 Bildschirme, da geht jeden Tag etwas kaputt.“

Während die Marke Stratacache primär in Nordamerika im Banking- und QSR-Sektor aktiv ist, übernimmt Scala die Rolle des globalen Anbieters für intelligente Digital Retail-Lösungen. am besten mit AI und Analytics. Chris Riegel überlässt das „Hang&Bang“ und Einfach-CMS Geschäft gerne dem Wettbewerb.

Indien mit riesigem Potenzial

Das große Digital Signage-Potenzial sieht der prinzipiell europakritische CEO wenig überraschend in Asien. Während im Westen der „stationäre Einzelhandel durch den Druck von eCommerce-Anbietern wie Amazon verkümmert“, hat in Asien das Zeitalter des „Organized Retail“ begonnen. Stratacache subsumiert darunter die Professionalisierung und Markenkonsolidierung in Märkten wie Indien, China, Indonesien oder Malaysia. „In Märkten wie Indien, in dem es buchstäblich 2 Millionen kleine Einzelhandelsgeschäfte gibt, beginnen Retailer, sich zu echten Einzelhandelsketten zu organisieren, mit markenbasierten und ladenübergreifenden Kundenerfahrungen.“  Im kommenden Jahr erwartet Riegel, dass Scala zum ersten Mal mehr als eine Million neue Lizenzen verkauft, im Vergleich zu 300-400.000 Lizenzen zur Zeit. Natürlich unter der Voraussetzung, dass Covid die Welt nicht wieder in den Stillstand zwingt.

Auch wenn der Druck auf Lizenzpreise in Asien ein anderer ist wie bei Stratacache-Stammkunden wie Walmart, die schiere Masse an neuen Stores macht den Markt so interessant. „Unser Kunde Walmart betreibt 5.000 Stores in Nordamerika, während unser neuer Partner Reliance in den kommenden 18 Monaten 200.000 Stores in Indien eröffnen wird.“ Die Projekte in den Emerging Markets von Asien unterscheiden sich allerdings sichtbar von Digital Signage in Europa oder Nordamerika. Es herrscht Nachfrage weniger nach großen Display-basierten Touchpoints, sondern nach kleinen interaktiven Kiosksystemen mit 20″-32″ Touchscreens.