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Amsterdam

Außenwerbeverbot für Fleisch und fossile Energie

Amsterdam setzt eines der europaweit strengsten klimabezogenen Werbeverbote um: Die Stadt untersagt OoH-Werbung für Fleischprodukte und fossile Energie.
Der Amsterdamer Stadtrat hat ein Werbeverbot für Fleisch und fossile Energien beschlossen. (Foto: JCDecaux)
Der Amsterdamer Stadtrat hat ein Werbeverbot für Fleisch und fossile Energien beschlossen. (Foto: JCDecaux)

Amsterdam ist die nächste niederländische Kommune, die Außenwerbung für Fleisch und fossile Energien in öffentlich zugänglichen Bereichen untersagt. Der Stadtrat stimmte am Donnerstag dafür, die lokalen Vorschriften anzupassen und ein umfassendes Verbot umzusetzen, das sowohl statische Plakatflächen als auch DooH in städtischer Verantwortung betrifft. Das verkündete die Partei Groen-Links, die das Vorhaben gemeinsam mit einer anderen Partei einreichte.

Plakatflächen und Wartehäuschen betroffen – Schaufenster sind ausgenommen

Die neue Regelung gilt für Plakatflächen und Bushaltestellen, einschließlich der von JC Decaux betriebenen Straßenbahn- und Bushäuschen. Werbung innerhalb von Einzelhandelsgeschäften bleibt erlaubt – Händler können weiterhin Produkte im Schaufenster oder mittels Aushänge bewerben.

Dabei ist Vertretern des Gemeinderats bewusst, dass das Verbot bestehende Verträge mit Außenwerbevermarktern berühren könnte. Rechtliche Schritte gelten daher als wahrscheinlich, sollte die Regelung wie geplant am 1. Mai in Kraft treten.

Kleiner Marktanteil – große symbolische Wirkung

Trotz der politischen Signalwirkung dürfte der wirtschaftliche Effekt begrenzt bleiben: Laut städtischen Angaben machen Fleischwerbungen lediglich 0,1 Prozent des Amsterdamer OoH-Marktes aus. Werbung für fossile Energieträger kommt auf 4,3 Prozent.

Mit dem Schritt reiht sich Amsterdam in eine wachsende Zahl niederländischer Städte ein, die klima-sensible Werbekategorien einschränken. Nijmegen führte eine ähnliche Regelung bereits 2025 ein. Den Haag, Utrecht und Delft hatten entsprechende Beschlüsse schon 2024 verabschiedet. Dieser Kurs passt die Werbung im öffentlichen Raum zunehmend an nationale Klima- und Gesundheitsziele an.

Einschränkung von OoH-Werbung

Die mitlaufenden Debatten erinnern an die Diskussionen um das KLWG, das Kinder-Lebensmittel-Werbegesetz.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wollte unter Cem Özdemir im Jahr 2023 dieses Vorhaben auf dem Weg bringen. Demnach wollte man die Werbung für ungesunde Lebensmittel gegenüber Kindern drastisch einschränken. Interne Uneinigkeiten in der Ampel-Regierung und externe Kritik, zum Beispiel vom ZAW, führten dazu, dass das Gesetz nie über einen Entwurf hinauskam.

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Im Vereinigten Königreich wird ein ähnliches politisches Vorhaben mit einer Zuckersteuer umgesetzt. Die Soft Drinks Industry Levy (SDIL) gilt seit 2018 für abgepackte Softdrinks. Ab 2028 ist davon auch die Advertising-Branche betroffen, weil die Regelung auf eine breite Palette von OoH-Produkten ausgeweitet wird. Dies betrifft unter anderem zuckerreiche Getränke wie Milchshakes sowie aromatisierte Kaffeemischgetränke.

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