Ursprünglich entwickelte Microsoft MDEP als Android-basiertes Betriebssystem für Konferenzraum-Hardware. Im Fokus standen etwa Teams-Rooms-Systeme oder Collaboration-Bars. Die großen Vorteile gegenüber regulären Android-Versionen sollten mehr Sicherheit, stabilere Updates und die tiefe Integration in Microsofts Management-Stack sein.
Von Beginn an setzte Microsoft dabei auf einen software- und hardwareagnostischen Ansatz: offene Standards, gemischte Geräteumgebungen und keine proprietären, kostspieligen Insellösungen für Meetingräume. Eigenschaften, die sich auch über den Konferenzraum hinaus übertragen lassen. Entsprechend positioniert Microsoft MDEP seit rund einem Jahr zunehmend auch für Digital Signage-Anwendungen.
Sichere, Microsoft-gemanagte Android-Plattform
Dabei geht es nicht primär darum, ein weiteres Betriebssystem auf den Markt zu schmeißen. Das große Ziel ist es laut Microsoft, einen offenen und sicheren Gerätestandard zu schaffen, über den AI-fähige Endpunkte miteinander kommunizieren können.
Im Office-Szenario könnte das so aussehen: Mitarbeitende buchen ihren Arbeitsplatz von zu Hause aus per App und werden nach Ankunft im Gebäude über Displays zum Ziel geführt. Wayfinding-Systeme, Raumbelegungsanzeigen, Sensorik und Zutrittskontrollen reagieren kontextbezogen – verbunden über eine gemeinsame Identitätsebene und verwaltet über eine zentrale Plattform. Digital Signage bewegt sich dadurch weg von einem isoliertes AV-System und wird Teil einer intelligenten, vernetzten Umgebung – ein Konzept, das wir bei invidis gerne als „NextGen Signage“ bezeichnen.
Integration in Microsoft Intune
Ein weiterer Vorteil von MDEP ist die Integration in Microsoft Intune. Damit lassen sich nicht nur Displaynetzwerke, sondern komplette Geräte-Ökosysteme über eine einzige Oberfläche zentral verwalten.
Der Plattformgedanke ist dabei keineswegs neu – auch Google, Samsung oder LG verfolgen ähnliche Strategien. Und noch muss Microsoft die Digital Signage-Branche davon überzeugen, warum es wirklich noch eine weitere Plattform braucht. Einen konkreten Schritt nach vorn machte der Konzern jedoch auf dem NRF 2026 in New York: Gemeinsam mit IAdea und Mediatek wurde dort die erste Digital Signage-Lösung auf Basis von MDEP angekündigt.
Neue Digital Signage-Lösung mit IAdea und Mediatek
Die gemeinsam entwickelte Lösung zielt auf Anwendungen wie digitale QSR-Menüboards, DooH-Displays oder interaktive Kiosksysteme ab. Auf Hardware-Seite kommt Mediateks Genio-720-SoC zum Einsatz, der Ultra-Wide-5K- oder Dual-2.5K-Displays unterstützt und bis zu 10 TOPS Edge-AI-Leistung bereitstellt.
Darauf aufbauend bringt IAdea seine Plattform IAdea DSM (Display Solutions on MDEP) ins Spiel – ein Ansatz, der stark an Middleware-Lösungen wie SignageOS erinnert. DSM positioniert sich als Brücke zwischen Betriebssystem und realem Einsatz und ermöglicht die Integration bestehender CMS-Plattformen, Menüboard-Systeme und Kiosk-Anwendungen.
Mit Blick auf die ISE 2026 dürften weitere Details zu dieser Lösung sowie zusätzliche MDEP-basierte Kooperationen folgen. Spannend wird vor allem die Reaktion der Branche: Bleibt es bei einem nüchternen „interessant“ – oder überwiegt am Ende doch das leicht ermüdete „nicht noch eine Plattform“? Aber zur Erinnerung: Auch Googles ChromeOS wurde im Signage-Umfeld zunächst skeptisch beäugt – und hat in den vergangenen drei Jahren dennoch ein beachtliches Partner-Ökosystem aufgebaut.



