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Cybersecurity

"Technologie an sich ist oft schwach"

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und der durch AI beschleunigten Cyberbedrohungen stehen Digital Signage und ProAV vor einer neuen Ära der Bedrohung. Cybersicherheit kann nicht länger nur ein Zusatz sein – sie muss in jede Ebene der digitalen Infrastruktur integriert werden.
Pere Ferrer, ehemaliger Generaldirektor der Polizei der katalanischen Regierung und heute Sicherheitsberater der ISE (Bild: ISE)
Pere Ferrer, ehemaliger Generaldirektor der Polizei der katalanischen Regierung und heute Sicherheitsberater der ISE (Bild: ISE)

Diese Woche treffen sich weltweit führende Politiker und Sicherheitsexperten in München zur jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz. Auf den ersten Blick scheinen Debatten über den Krieg in der Ukraine, die Zukunft der Nato oder die Souveränität in der Arktis weit entfernt von Digital Signage und ProAV zu sein. Aber die Verbindung ist enger, als vielen in der Branche bewusst ist. Geopolitische Instabilität und die rasante Entwicklung AI-gesteuerter Bedrohungen haben die Risikolandschaft grundlegend neu geformt– und Digital Signage steht mittendrin.

invidis sprach mit Pere Ferrer, ehemaliger Generaldirektor der Polizei der katalanischen Regierung und heute Sicherheits- und Cybersicherheitsberater von ISE. Seine Botschaft ist klar: Die Welt hat sich verändert, und die ProAV-Branche muss sich mit ihr verändern.

Von zufällig zu zielgerichtet

Viele Jahre lang waren Cyberangriffe meist zufällig: Viren, einfache Malware und opportunistische Hacks. Selbst dann waren die Kosten für größere Vorfälle hoch – durchschnittlich 4 bis 5 Millionen Euro an direkten und indirekten Verlusten.

Die heutigen Angriffe haben jedoch wenig mit denen der Vergangenheit zu tun. AI ist zu einem Kraftmultiplikator geworden: schnell, kostengünstig, automatisiert, hochentwickelt und hyperpersonalisiert.

„Die Bedrohungen haben sich vervielfacht, und das Tempo der Veränderungen hat sich dramatisch beschleunigt“, sagt Pere Ferrer. Die AV-Branche dringt in immer sensiblere Bereiche vor, wodurch die Angriffsfläche erheblich erweitert und die potenziellen Einstiegspunkte für Angreifer vervielfacht werden.“

Ein kürzlich erfolgter Angriff auf eine Multi-User-Plattform für den Flughafenbetrieb verdeutlicht, was auf uns zukommt. Das Ziel war Teil einer kritischen Infrastrukturumgebung – jedoch nicht deren Hauptsystem. Stattdessen nutzten die Angreifer eine sekundäre, geschäftskritische Anwendung aus. Dies reichte dennoch aus, um den Betrieb zu stören und systemische Schwachstellen aufzudecken. Hybride Angriffe, bei denen physische und cybertechnische Elemente kombiniert werden, erschweren die Abwehrmaßnahmen zusätzlich.

Wir müssen die Lösung sein

Westliche Gesellschaften und auch die Digital Signage-Branche müssen erkennen, dass sie in einem strukturell instabilen globalen Umfeld agieren. Das Bewusstsein für Cybersicherheit muss entlang der gesamten Wertschöpfungskette geschärft werden.

Für Digital Signage-Unternehmen bedeutet dies:

  • Compliance von Anfang an, mit Zertifizierungen und Normen wie ISO 27001
  • Kontinuierliche Tests von Plattformen, Diensten und Infrastruktur
  • Regelmäßige, realistische Schulungen für Mitarbeiter, um Schwachstellen zu identifizieren.
  • Ständig aktualisierte Szenarien, da sich Angriffe schneller entwickeln als jährliche Audits

Unternehmen müssen widerstandsfähig werden – nicht nur gegen Cyberbedrohungen, sondern auch gegen Schwachstellen bei Lieferanten, Partnern und Technologien. „Die Bedrohungen nehmen zu“, betont Pere Ferrer. „Um sich gegen sie zu verteidigen, braucht es eine Handvoll koordinierter Lösungen.“

Seine Kernbotschaft ist unverblümt und einprägsam: „Technologie an sich ist oft schwach – wir selbst müssen die Lösung sein.“

Digital Signage ist längst Business Critical

Digital Signage und ProAV sind längst mehr als nur einfache Displays. Sie sind heute fester Bestandteil von Kontrollräumen, Fabrikhallen, Verkehrsknotenpunkten und öffentlichen Dienstleistungsumgebungen. Dieser Wandel bringt neue Verantwortung mit sich.

„Die Konvergenz von AV und IT/OT – in Verbindung mit steigenden Anforderungen an die physische Sicherheit – verändert unsere Risikolandschaft“, erklärt PEre Ferrer. „Die Herausforderung geht weit über den Schutz digitaler Assets hinaus. Wir müssen die Widerstandsfähigkeit unserer Organisationen stärken. Wenn wir nicht in der Lage sind, die Betriebskontinuität zu gewährleisten, können kritische Daten verloren gehen und wichtige Dienste beeinträchtigt werden.“

Cybersicherheit kann daher kein optionales Add-on oder eine Compliance-Maßnahme in letzter Minute sein. Sie muss von Anfang an in jede Ebene der digitalen Infrastruktur integriert werden.

Die neue Realität für ProAV

Die Branche muss akzeptieren, dass ein höheres Bedrohungsniveau die neue Normalität ist. Robuste Technologie, sichere Architekturen und ein sensibilisiertes Unternehmen sind keine Alleinstellungsmerkmale mehr, sondern Mindestanforderungen.

Der Digital Signage-Sektor, der mittlerweile tief in Unternehmens-IT-Umgebungen eingebettet ist, muss sich voll und ganz an dieser neuen Sicherheitsrealität beteiligen. Pere Ferrer warnt: „Cybersicherheit ist keine zusätzliche Ebene.“ Stattdessen muss sie integraler Bestandteil des Designs sein.