Ricoh treibt seine globale Konsolidierungsstrategie im ProAV- und Digital-Workplace-Markt weiter voran – jetzt mit stärkerem Fokus auf APAC. Der japanische Workplace-Anbieter führt derzeit vertiefte Gespräche mit der Global Vision Multimedia Group (GVM) über eine strategische Partnerschaft, möglicherweise inklusive Kapitalbeteiligung. Die Verhandlungen laufen seit Januar und bauen auf einer bestehenden Zusammenarbeit bei Enterprise-AV-Projekten auf.
Der Schritt passt zu Ricohs aktuell hohem Expansionstempo. Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen mehrere Integratoren übernommen und integriert. Eine Beteiligung an GVM würde die Präsenz in einer der dynamischsten, aber auch komplexesten Weltregionen weiter ausbauen.
Parallel verändert sich die Nachfrage auf Kundenseite. Multinationale Unternehmen setzen verstärkt auf Managed Services, globale Standards und zentrale Ansprechpartner. Einheitliche SLAs und konsistente Servicequalität über alle Regionen hinweg werden zum Muss. Dieser Trend beschleunigt die Konsolidierung im ProAV- und Digital Signage-Markt. Ricoh positioniert sich klar als globaler End-to-End-Partner für Workplace-Integration, AV-Services und skalierbare Transformationsprojekte.
GVMs regionaler Stärke macht die geplante Partnerschaft besonders spannend. Das Unternehmen ist in Japan und Singapur verankert und in mehreren weiteren asiatischen Märkten aktiv. In einer stark fragmentierten Integratorenlandschaft mit vielen lokalen Anbietern gehört GVM zu den wenigen Playern mit echter grenzüberschreitender Lieferkapazität. Für einen globalen Anbieter ist das ein strategischer Vorteil, um Service-Lücken zwischen Amerika, Europa und APAC zu schließen.
Eine engere Zusammenarbeit würde beiden Seiten nutzen: Ricoh stärkt seine Fähigkeit, globale Rollouts und Managed Services auch in Asien-Pazifik konsistent umzusetzen. GVM erhält Zugang zu internationalen Kunden, zusätzlichem Investment und größerer Skalierung.
Auch inhaltlich ergänzen sich die Partner gut. Ricoh bringt globale Reichweite, standardisierte Services und ein breites Digital-Workplace-Portfolio. GVM liefert tiefes regionales Know-how und Erfahrung im heterogenen APAC-Markt. Gemeinsam könnten sie eines der leistungsfähigsten grenzüberschreitenden AV- und Workplace-Netzwerke der Region aufbauen.
Warum APAC besonders komplex bleibt
Asien-Pazifik gilt weiterhin als schwierigste Region für globale Digital-Signage- und ProAV-Rollouts. Rechtliche Vorgaben, Zertifizierungen und technische Standards unterscheiden sich stark zwischen den Ländern. Selbst bei Standardhardware wie professionellen Displays lassen sich Produkte oft nicht ohne Anpassung in mehreren Märkten einsetzen.
Das zeigt sich schon innerhalb von ASEAN: Nachbarländer wie Malaysia und Thailand haben unterschiedliche Zulassungen und Zertifizierungsregeln. Ein Display, das in einem Land zugelassen ist, braucht im anderen zusätzliche Freigaben oder Sicherheitsnachweise. Zentrale Beschaffung – in Europa oder Nordamerika üblich – funktioniert hier nur eingeschränkt.
Viele internationale Unternehmen unterschätzen diese Unterschiede. Probleme zeigen sich oft erst, wenn Zeitpläne kippen oder Geräte beim Import hängen bleiben. Deshalb sind erfahrene regionale Partner entscheidend. Wer Vorschriften, Logistik, Installation und Service in APAC beherrschen will, braucht lokales Know-how – technisch, kulturell und organisatorisch.

