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Schweiz

Starker Franken setzt Unternehmen unter Druck

Die Stärke des Schweizer Frankens stellt das exportorientierte Rückgrat der Wirtschaft auf die Probe – und auch die Digital Signage-Branche bleibt davon nicht verschont. Seit Januar 2025 hat der Franken um rund 17 Prozent aufgewertet, was die Margen in stark exportabhängigen Industrien schrumpfen lässt und neue Fragen zu Preissetzung und Budgetplanung für 2026 aufwirft.
Der Schweizer-Franken-Kurs ist ganz oben. (Foto: Razvan Sassu / Unsplash)
Der Schweizer-Franken-Kurs ist ganz oben. (Foto: Razvan Sassu / Unsplash)

Schweizer Wirtschaftsverbände warnen, dass die anhaltende Stärke der Währung die internationale Wettbewerbsfähigkeit untergräbt. Globale Schweizer Unternehmen haben die Auswirkungen bereits in ihren Ergebnissen für 2025 benannt und dabei Umsatzlücken von rund fünf Prozent auf Wechselkurseffekte zurückgeführt.

Das makroökonomische Umfeld verschärft den Druck zusätzlich: Der Franken legte im vergangenen Jahr um 14 Prozent zu und gewann seit Jahresbeginn weitere drei Prozent, da Investoren angesichts geopolitischer Unsicherheiten und eines schwächeren US-Dollars Zuflucht in sicheren Währungen suchten. In einer Volkswirtschaft, in der Exporte von Waren und Dienstleistungen mehr als 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen, schlagen Währungsbewegungen schnell auf die operative Realität durch – von Preisgestaltung über Beschaffung bis hin zur Personalplanung.

Kleiner Markt, hohe Abhängigkeit

Der Schweizer Digital Signage-Markt ist vergleichsweise klein, arbeitet jedoch mit Premium-Margen. Er wird von Swisscom (JLS) sowie einer Handvoll kleinerer Integratoren wie Bild + Ton, Kilchenmann und Echion Switzerland geprägt. Gleichzeitig sind mehrere bekannte Schweizer Anbieter von Digital Signage-Lösungen – darunter Navori, Spinetix und Cingerine – stark exportorientiert. Für diese Unternehmen verschärft die Kombination aus hoher inländischer Kostenbasis und starkem Franken den Margendruck, selbst wenn ein erheblicher Teil der Entwicklungs- oder Supportteams außerhalb der Schweiz angesiedelt ist.

Projektangebote in Euro oder US-Dollar lassen sich ohne Zugeständnisse bei Umfang oder Support schwerer durchsetzen, während importierte Komponenten, die in Fremdwährungen bepreist sind, Prognosen und Cashflow-Management erschweren.

Das ist einer der Hauptgründe, warum sich Schweizer Integratoren auf den heimischen Markt konzentrieren und in benachbarten Märkten wie Deutschland, Frankreich oder Italien nur selten sichtbar sind. Für EU-Projekte arbeiten Schweizer Integratoren mit Auftragsfertigern in der Slowakei, Ungarn oder Polen zusammen, um Logistik- und Zollabhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Lieferzeiten zu verbessern.

CMS-Softwareentwickler wie Navori sind gegenüber der Aufwertung der Heimatwährung weniger anfällig, da sowohl Umsätze als auch Kosten überwiegend in Fremdwährungen anfallen – vor allem in US-Dollar.

Zölle und starker Franken: doppelter Gegenwind

Neben Wechselkursen bleibt die Handelspolitik eine zweite entscheidende Variable. Die Schweiz und die USA einigten sich im vergangenen Jahr auf einen politischen Rahmen, um zusätzliche US-Zölle auf Schweizer Exporte auf 15 Prozent zu begrenzen – zuvor lagen sie bei 39 Prozent. Diese Vereinbarung ist jedoch noch kein verbindlicher Vertrag. Auf beiden Seiten wird weiterhin am rechtlichen Text und an den Umsetzungsdetails gearbeitet. Bis ein finales Abkommen unterzeichnet und in Kraft gesetzt ist, müssen Exporteure mit Unsicherheit bei Versandplänen, Gesamtkosten und der vertraglichen Risikoverteilung rechnen.

Für Hardware-Akteure im Digital-Signage-Bereich verändert die Kombination aus Währungsrisiken und unklarer Zollpolitik Projektzeitpläne und Vertragsgestaltung. Verzögerte Rollouts im Einzelhandel, schrittweise Modernisierungen in der Hotellerie oder eine stärkere Priorisierung von Software und Services bei Unternehmenskunden sind plausible Reaktionen, wenn die Kostentransparenz sinkt.

Ausblick

Sollte der Franken auf hohem Niveau bleiben, dürfte sich der Konsolidierungsdruck im Inland verstärken – insbesondere für kleinere Integratoren. Exportstarke Softwareanbieter könnten hingegen Chancen in Lizenzmodellen und White-Label-Partnerschaften finden, bei denen Erlöse weniger hardwareabhängig und widerstandsfähiger gegenüber Wechselkursschwankungen sind. Vorerst steht das Schweizer Digital-Signage-Ökosystem vor einer bekannten Herausforderung: die Wettbewerbsfähigkeit in einem Hochkosten- und Starkwährungsumfeld zu sichern – und dabei die Innovationskraft und Zuverlässigkeit zu bewahren, die die Schweizer Marke auszeichnen.