Die Zahl der spezialisierten Medientechnik-Anbieter in Deutschland nimmt weiter ab. Reine ProAV-Häuser geraten zunehmend unter Druck und können sich immer seltener gegen große IT-Systemhäuser behaupten. Der Markt verändert sich strukturell: ProAV setzt verstärkt auf Standard‑IT‑Protokolle und etablierte Tech‑Stacks, klassische Medienraum-Installationen werden zunehmend durch Displays und All‑in‑One‑Videobars ersetzt.
ProAV wird Mainstream – und dieser Wandel verändert auch den Channel. Wo früher individuelle AV‑Lösungen gefragt waren, dominieren heute skalierbare, IT‑nahe Standardkonzepte. Für viele inhabergeführte Spezialisten wird es dadurch zunehmend schwieriger, sich zu differenzieren.
Ein weiteres Beispiel für diese Entwicklung ist die vollständige Übernahme des Medientechnikdienstleisters ACT Beratung & System durch MR Datentechnik. Nach 36 Jahren hat Branchenurgestein Claus Lohse das Unternehmen zu Jahresbeginn vollständig verkauft. Bereits Anfang 2024 hatte sich MR Datentechnik an ACT beteiligt; Anfang 2026 erfolgte nun die komplette Übernahme des Unternehmens aus dem Münchner Umland.
Eine Ära endet
Mit dem Rückzug von Claus Lohse geht eine Ära zu Ende. Lohse zählt zu den Pionieren der deutschen Medientechnikbranche und war unter anderem durch sein Engagement beim Hosted‑Buyer‑Programm der ISE sowie beim Medientechnik‑Verbund AV Solution Partner weit über die Branche hinaus bekannt.
ACT ist nun eine hundertprozentige Tochter der fränkischen MR Datentechnik Unternehmensgruppe. Das IT‑Systemhaus erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 191 Millionen Euro und beschäftigt 490 Mitarbeiter. MR Datentechnik zählt zu den etablierten, bundesweit aktiven mittelständischen IT‑Systemhäusern in Deutschland.
Die Geschäftsführung von ACT übernimmt künftig Marie‑Kristin Ilse. Strategisch dürfte das Unternehmen damit noch stärker in das IT‑getriebene Leistungsportfolio der Gruppe integriert werden – ein weiterer Hinweis darauf, wohin sich der ProAV‑Markt entwickelt.

