Für CMS-Entwickler in Europa und Nordamerika zeichnet sich eine neue Wettbewerbswelle aus dem Osten ab. Chinas Display-Hersteller erkennen Trends schnell, und ihr Innovationstempo ist nahezu unübertroffen. Auf der Infocomm China präsentierten sowohl etablierte als auch weniger bekannte Hardware-Anbieter erstmals Softwarelösungen wie CMS und Remote Device Management (RDM). Die Lösungen werden nicht als eigenständige Produkte von ISVs positioniert, sondern als Komponenten integrierter, AI-gesteuerter Ökosysteme, die von finanzstarken Hardware-Anbietern unterstützt werden. Oft sind sie vollständig integriert und ohne Aufpreis im Lieferumfang der Hardware enthalten.
Derzeit haben Navori, Vertiseit & Co. wenig Grund zur Sorge. Was Software und AI angeht, ist es angesichts des aktuellen geopolitischen Klimas unwahrscheinlich, dass westliche Kunden chinesische Lösungen einsetzen werden. Gleichzeitig verlassen sich chinesische Kunden seit langem vorrangig auf heimische Plattformen. Insbesondere im DooH-Bereich müssen CMS-Implementierungen von vornherein für staatliche Behörden zugänglich sein. Eines der wenigen westlichen Unternehmen, das sich in China erfolgreich etabliert hat, ist Telelogos. Mit seiner On-Premise-CMS-Lösung bedienen die Software-Pioniere aus Frankreich weiterhin erfolgreich große chinesische Unternehmen über lokale Partner.
Der Druck steigt
Allerdings wird der Innovationsdruck zunehmen. ProAV ist mittlerweile Teil der strategischen Fünfjahresplanung Chinas geworden. Vor diesem Hintergrund könnten chinesische AI-Hyperscaler wie Alibaba, Huawei und Tencent in Zukunft – neben Azure, AWS und Google Cloud – auch für westliche Digital-Signage-ISVs zu relevanten Plattformen werden. Chinas Hyperscaler wachsen auch außerhalb ihres Heimatmarktes in der APAC-Region, in Südamerika und in Afrika rasant. Dies könnte neue Chancen in Märkten außerhalb des Westens eröffnen, die zunehmend von chinesischen AI-Plattformen geprägt werden.
Da Chinas aufstrebende Display-Giganten nach EMEA und in den gesamten asiatisch-pazifischen Raum expandieren, müssen westliche ISVs SoCs von chinesischen Herstellern wie Hisense, TCL, BOE und Skyworth unterstützen – entweder nativ oder über Middleware-Plattformen wie SignageOS. Die gute Nachricht: Dabei handelt es sich in der Regel um Android-basierte SoCs, wenn auch mit herstellerspezifischen Merkmalen.
Chinas Binnenmarkt wird für westliche ISVs weitgehend ein geschlossener Markt bleiben, doch die Übernahme etablierter Anbieter visueller Lösungen durch chinesische Hersteller, deren globale Expansion und die wachsende Bedeutung chinesischer KI-Hyperscaler in vielen Märkten bieten interessantes Wachstumspotenzial.

