Anzeige
Bundeswehr

Prowise erhält größten Auftrag der Geschichte

Prowise hat mit einer Touchscreen-Ausschreibung der Bundeswehr den größten Auftrag seiner Unternehmensgeschichte gewonnen. Der Zuschlag verdeutlicht einen wachsenden Trend in der öffentlichen Beschaffung: Sicherheitszertifizierungen und Software-Governance gewinnen zunehmend an Bedeutung und stehen Hardware-Spezifikationen kaum noch nach.
Bundeswehr Airbus 400M in Wunstorf (Bild: Bundeswehr/Rolf Klatt)
Bundeswehr Airbus 400M in Wunstorf (Bild: Bundeswehr/Rolf Klatt)

Sicherheitszertifizierungen spielen bei öffentlichen Ausschreibungen eine immer größere Rolle. Während bei US-Behörden häufig TAA-konforme Hardware und streng kontrollierte Lieferketten gefordert werden, hat sich in Deutschland die BSI-Zertifizierung zu einem wichtigen Kriterium bei sicherheitsrelevanten Vergaben entwickelt.

Das zeigt sich auch bei einer aktuellen Ausschreibung der Bundeswehr für interaktive Touchscreens. Den Zuschlag erhielt der niederländische Display- und Education-Spezialist Prowise.

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um den größten Auftrag in der Firmengeschichte. Angaben zum Volumen des Rahmenvertrags macht Prowise nicht. Öffentliche Ausschreibungen definieren in der Regel feste Preise, lassen die tatsächlichen Abrufmengen jedoch offen. Branchenkreise gehen davon aus, dass mehrere tausend Geräte ausgeliefert werden könnten. Die Nutzung dürfte sich zudem nicht auf die Bundeswehr beschränken, sondern auch anderen deutschen Sicherheits- und Verteidigungsbehörden offenstehen.

Vom Education-Spezialisten zum Defense-Lieferanten

Prowise ist im öffentlichen Sektor kein Unbekannter. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren mit mehreren bundesweiten Rahmenverträgen für Schulen und Bildungseinrichtungen eine starke Position im deutschen Bildungsmarkt erarbeitet.

Mit dem Bundeswehr-Auftrag bewegt sich Prowise nun in einem deutlich anspruchsvolleren Beschaffungsumfeld. Verteidigungsorganisationen legen größeren Wert auf Cybersecurity, Software-Governance, Compliance, Transparenz in der Lieferkette und langfristige Betriebssicherheit.

Die Bundeswehr zählt zu den größten öffentlichen Organisationen Deutschlands und stellt besonders hohe Anforderungen an Technologie, Informationssicherheit und Zuverlässigkeit. Ein Zuschlag in diesem Umfeld besitzt daher eine Bedeutung, die weit über den reinen Auftragswert hinausgeht.

Auf Anfrage von invidis wollte Prowise keine weiteren Details nennen, darunter auch nicht, welcher Partner oder Systemintegrator das Unternehmen bei der erfolgreichen Ausschreibung unterstützt hat.

Sicherheit wird zum entscheidenden Faktor

Prowise positioniert sich seit Jahren über Datenschutz, digitale Souveränität und europäische Softwareentwicklung.

Nach Angaben des Unternehmens wird die gesamte Software in Europa entwickelt und folgt dem Prinzip „Privacy by Design“. Damit adressiert Prowise die wachsende Nachfrage öffentlicher Auftraggeber nach mehr Kontrolle über Software, Updates und Datenverarbeitung.

Das wichtigste Differenzierungsmerkmal sind jedoch Sicherheitszertifizierungen. Prowise gibt an, der einzige Hersteller interaktiver Touchscreens mit einer BSI-IT-Grundschutz-Zertifizierung für seine Softwarelösungen zu sein. Die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vergebene Zertifizierung zählt zu den anspruchsvollsten Sicherheitsstandards in Deutschland.

Darüber hinaus verfügt Prowise, wie viele andere Anbieter auch, über die Zertifizierungen ISO 27001 für Informationssicherheitsmanagement sowie ISO 9001 für Qualitätsmanagement.

Mehr als eine Hardware-Entscheidung

Der Bundeswehr-Auftrag steht exemplarisch für einen grundlegenden Wandel in der öffentlichen Beschaffung. Bildqualität, Bedienbarkeit und Total Cost of Ownership bleiben wichtige Bewertungskriterien. Sicherheitsnachweise beeinflussen Vergabeentscheidungen heute jedoch deutlich stärker als noch vor wenigen Jahren.

Beschaffungsverantwortliche prüfen zunehmend, wie Hersteller Software entwickeln, Aktualisierungen bereitstellen, Daten verarbeiten und ihre Plattformen absichern. Unabhängige Zertifizierungen dienen dabei als wichtiger Nachweis.

In einigen öffentlichen Ausschreibungen werden SoC-basierte Digital-Signage-Lösungen mittlerweile aus Cybersecurity-Gründen ausdrücklich ausgeschlossen. Statt integrierter Computing-Plattformen werden dort klassische Display-Architekturen mit separaten Zuspielern bevorzugt.

Für Prowise bedeutet der Auftrag eine Ausweitung des Geschäfts über den Bildungsmarkt hinaus. Für die Pro-AV-Branche ist die Botschaft klar: Sicherheitszertifizierungen sind längst kein reines Compliance-Thema mehr. Sie entwickeln sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor bei der Vergabe großer öffentlicher Ausschreibungen.