Viscom 2015 Messe Report

Software, Sensoren und eine Prise Sex

- Düsseldorf | Trockenste Technik mit High End Technologie sexy erklären: Im letzten Teil unseres zweiteiligen Messe Reports samt Bildergalerie zeigen wir, wie cool die Branche ist (altbekannt) – und, dass sie auch so rüberkommt. von Thomas Kletschke

Auch bei Stinova werden die Features immer smarter (Foto: invidis)

Auch bei STiNO werden die Features immer smarter (Foto: invidis)

In den beiden Artikeln (hier geht es zu Teil 1) des invidis Messe Report können Sie sich über die wichtigsten Digital Signage-Trends informieren. In der in diesem Artikel verlinkten Bildergalerie sehen Sie zahlreiche weitere zugehörige Fotos zu den Artikeln.

Multitouch, Multi User Touch, Gestensteuerung und andere Mittel sorgen für Interaktivität, die den Namen auch verdient. Ohne die Arbeit der Software-Anbieter lassen sich entsprechende Anwendungen nicht umsetzen.

Die auf der Viscom 2015 vertretenen Hersteller haben ihre jeweilige Software zumeist allgemein gezeigt – aber neue Features waren überall zu entdecken.

Für Mike Moran, Country Manager bei Smartsign, war es die beste und zugleich schlechtesteViscom aller Zeiten. Klar, es war die erste für den schwedischen Hersteller überhaupt, der es mit dem Schritt von den Nordics rein nach DACH offenbar sehr ernst meint. Auf dem kleinen Stand zeigte der Hersteller, dass man die eigene Philosophie – Offenheit des Systems – durchzieht. So waren Screens von LG, Samsung und NEC zu sehen. Und Smartsign konnte das Versprechen (wir laufen auf webOS ebenso, wie auf MagicInfo – und haben natürlich noch einiges mehr drauf) einhalten. Die Schweden halten es mit den Display Vendors, wie diese: Größere oder komplexere Projekte brauchen eine eigene Software, die kein Screen Hersteller wird liefern wollen.

Auf Screen von NEC auf dem Smartsign Stand lief ein Case von Albert Bauer Companies für Juwelier Wempe, bei demwir die berechtigte Hoffnung haben, ihn einmal in seiner ganzen Pracht vorstellen zu können. Infos dazu gab es von Benjamin Ditscheid, Project Management Digital Signage, Albert Bauer Companies. Ein Gespräch lohnte sich: Denn das kleine Pömpelchen in Nähe des Screens stellte sich als Sensor heraus, der Teil der Original Installation ist, und über die von NEC entwickelte Middleware leafengine eine Interactive Digital Signage Installation ermöglicht. So lässt sich Sensorik sehr elegant nutzen – und man kann NEC zum langen Atem auf diesem Feld beglückwünschen. Und, bezüglich dieser Kooperation, Smartsign gleich mit.

Beispiel STiNO: Die Software touchPromoter verfügt nun über ein kleines und feines zusätzliches Feature, mit dem sich in Anwendungen abwechlungsreiche interaktive Elemente nutzen lassen. Nutzer können via Touch ein Puzzle zusammenstzen, bei dem die Puzzleteile nicht nur aus Foto Content, sondern aus Bewegtbild bestehen. Im Vor Ort Test machte das Ganze einen sehr guten Eindruck (Optik, Usability, Auflösungen). Während man beispielsweise fünf Puzzleteile vor einem dunklen Hintergrund hin und her schiebt, bis sie das richtige Ganze ergeben, laufen in jedem Puzzleteil Videosequenzen. Auch die beiden Softwarelösungen ePromoter und eDoorSign werden in ihren aktuellen Versionen auf der Viscom gezeigt. Wie bei den meisten anderen Messen – und STiNO ist eines der Branchenunternehmen, das man auf vielen Messen findet – war auch Philips Signage Solutions als wichtiger Hardwarepartner aus der Displaybranche am Stand vertreten.

Bei eyefactive waren die seit Beginn der Kooperation von Lang AG und eyefactive entstandenen gemeinsamen Lösungen zu sehen. Neben dem Multitouch Tisch Aurora und weiteren Lösungen zeigte man auf einem Multitouch Large Format aus Langs Eigenmarken-Portfolio, wie gut man Inhalte aus Social Media Kanälen wie Facebook oder Twitter in ausgereiften Interactive Digital Signage Systemen integrieren kann. Die Funktion Social Stream ist eine der Neuerungen in der Software aus der jüngeren Vergangenheit.

Der Softwarehersteller war in diesem Jahr mit seiner Nominierung für einen Digital Signage Best Practice Award 2015 nominiert – mit dem virtuellen Shelf für Apotheken, dem ApoShelf. Eine ganze Wand – wie bei der echten Installation – war auf der Messe nicht installiert. Auf einem Einzel-Screen konnte man sich dennoch von der sehr guten Lösung überzeugen.

Mit einer ganz anderen Art von Software zeigt 3D Interaction Technologies, wie nah sich Spezialsoftware für Konstruktion oder Visualisierung und Digital Signage Systeme sowie Gaming Engines kommen. Und wie cool eine Kombination einzelner Elemente wirken kann.

Die Dresdner Company vermarktet ihr Ergebnis unter dem Namen Govie. Das aus Game und Movie zusammengesetzte Kunstort zeigt die Richtung an. Als Basis wird unter anderem eine Gaming Engine (deren Name der Hersteller nicht nennen wollte) genutzt. Das Prinzip: Daten und Pläne oben rein, unten kommt eine nicht vor-gerenderte interaktive Animation heraus, bei der sich auf Wunsch nahezu beliebige technische Details visuell zeigen lassen.

Mit dem Govie lassen sich hochkomplexe und vor allem dröge technische Zusammenhänge für Präsentationen so umsetzen, dass sie noch dem gelangweiltesten Zuschauer klar und deutlich sind. Mit Govie wurde beispielsweise in einem realen Case eine neue siebenstöckige Fabrik aus dem Bereich Lebensmittel / Hygiene vorab als Modell zusammengesetzt. Dabei konnte vom Kunden vorab festgestellt werden, dass in der bisherigen Planung bestimmte Belegungen in dem Gebäude nicht so durchführbaren, wie in den Einzelplänen vor gesehen. Hier hat also ein Unternehmen deutlich Geld einsparen können.

Mit selbiger Software lassen sich auch Großprojekte wie Airports entsprechend unterstützen – kürzlich gab es dafür eine Nominierung auf der Inter Airport Europe für einen der dort vergebenen Inter Data Awards. Die Ergebnisse selbst von komplexeren Visualisierungen lassen sich auf guten Consumergeräten anzeigen (etwa: Laptop um 1.000 Euro, Mittelklasse Consumer Grafikkarte).

Kleinere und ebenfalls sehr ansehnliche und interaktive Govie Projekte laufen auch auf Tablets. So hat etwa ein mittelständischer Hersteller einer Flammkuchen-Soße (was es alles gibt) in Süddeutschland die Einkäufer mehrerer Handelsketten so begeistern können, dass die Soße bei ihnen jetzt gelistet ist.

Ein weiterer und ebenfalls realer Case kommt ebenfalls sexy rüber: Ein Hersteller von spezieller Treiberelektronik für LED Lighting reichte früher diverse Diagramme und Tabellen rum, um nachzuweisen, dass LED Leuchtmittel ohne seine Produkte schneller an Licht- und Farbintensität verlieren. Niemanden außer Freunden von Kurvendiskussionen bringt das aus dem Häuschen. Im Govie wird ein Flugzeug Interieur samt Ambient LEDs gezeigt (man stelle sich an so einen vor). Ein paar wenige Buttons zeigen, wann man mit welchem Verschleiß ab welchem Zeitpunkt unter welchen Bedingungen zu rechnen hat.

Wer Gelegenheit hat: live anschauen, und überlegen, ob sich mit dem Govie nicht auch noch andere schöne Anwendungen visualisieren lassen. Statt Luftströmen, Kurbelwellen und Antriebsriemen von Radladern (ein anderer realer Case) lassen sich beispielsweise das Garn, das Horn und die Löcher noch des kleinsten Knopfes eines maßgeschneiderten Anzugs vorab so präsentieren, ändern und erklären, dass es dem Kunden auf 500 Euro mehr oder weniger vielleicht auch nicht mehr ankommt.

Maßgeschneidert, toll wirkend, aber sicherlich günstiger als so mancher Cut vom Schneider: Das trifft auch auf die modularisierten Smart Display mit dem leicht aussprech- und umso schwieriger zu schreibenden Namen [re:frame] zu, die Iltis & Wiesel jüngst gelauncht haben. Am Stand des Start ups war ordentlich was los – wir drücken die Daumen, was das Einsammeln der qualifizierten Leads angeht.

Geht es nach Größe, Standgestaltung und Darstellung von greifbaren und spannenden Szenarien, konnte man sich in diesem Jahr bei LG, bei Caldera, bei dimedis und bei Basys einiges abschauen.

Denn Hersteller LG hatte sich zwei Partner ins Boot geholt, mit denen ein toller Stand entstanden ist. Die ppm planung + projekt management gmbh zeigte dabei, dass man nicht nur im Ladenbau ab der oberen Mittelklasse unterwegs ist, sondern auch Stand Design drauf hat. Es würde uns sehr wundern, wenn wir da nicht auch in freier Wildbahn demnächst interessante gemeinsame Projekte beobachten können. Die könnten auch mit Hilfe von Andreas Kalinka und Florian Pfahl noch spannender werden. Die beiden Jungunternehmer, die unter Space Interactive firmieren, beweisen, dass man mit ’nem Magister und kreativen Studium nicht zwingend in der Gosse landen muss – sondern High End VR, Projection Mapping und andere Zaubereien mit und ohne Kinect schaffen kann. Die kleine Company aus Krefeld zeigte auf einem großen UHD LFD samt Kinect, wie schön Interaktivtät sein kann. Die beiden jungen Unternehmerarbeiten auch jetzt schon mit ppm zusammen, unter anderem entwickelten sie auch eine interaktive Anwendung für ppm, in der ppm seine Dienstleistungen erklären kann.

Beispiel Caldera: Ja, die findet man wieder auf der Viscom. Und zwar in der Halle, in der DS eigentlich nicht präsent ist. Clever, seine Kiosk Systeme direkt da auszustellen, wo die analoge, respektive Non-DS Fraktion zu finden ist. Vor allem, wenn man dann noch zusätzlich eine kleine Ecke des sorgfältig gestalteten Stands mit einem Case so an-featuret: „Beleben Sie Ihre Druckprojekte mit dynamischer Beschilderung.“ (Vgl. Bildergalerie).

Zu dimedis kann mit dem Award für das Bosch Projekt und neuen Aufträgen aus dem Bereich der sonst oftmals weniger gern gebenden Öffentlichen Hand ebenfalls festhalten: ein Stand, bei dem die verschiedenen Produkte klar erklärt werden. Witziges, fast winziges Detail am Rande: Eine 2×3 Video Wall aus 24″ Screens von NEC. Auf kleinem Raum wird einer 6er Wall anschaulich gezeigt. Wenn man das so umsetzt, wie gesehen, wunderbar. So ist auf einem endlich großen Messestand mehr Platz für andere Stand-Elemente, ohne dass da etwas zusammengequetscht werden muss.

Einen der größeren Stände hatte die Basys GmbH angemietet. Auch hier war ein offenbar reges Interesse beim Publikum zu beobachten, die sich über das komplette – und ebenfalls toll präsentierte – Portfolio informierten, das von den auf der Viscom 2013 gezeigten Small Signage Screens bis zu großen Outdoor Formaten in 70″ reicht.

Gäbe es einen Preis für besonders aufmerksamkeitsstarkes Präsentieren auf der Viscom, ginge er heuer ins Nachbarland Österreich: WG Electronics demonstrierte seine transparenten ETS 96 nach dem Sex sells Prinzip. Die aus jeweils vier transparenten Full HD Screens (es werden Panel von LG verwendet) zusammengesetzten ETS 96 lassen sich in derzeit bis zu sechs Einheiten kombinieren. Hier waren es drei. Ob man das nun unbedingt als 12 K Wall bewerben muss, sei dahingestellt.

Eine Schaufensterpuppe in Reizwäsche samt wechselnd laufendem Content (hier kamen Unterwäsche, Uhren und anderes zum Einsatz) in dem beleuchteten „Schaufenster“ reicht eigentlich schon. Es dürfte das am meisten fotografierte Motiv der Messe gewesen sein. Selbstredend waren auch hier Interessenten beiderlei Geschlechts und mutmaßlich aller möglichen sexuellen Orientierung zu sehen – die sich nach Begutachtung durchaus eingehend informierten. Rein optisch ließe sich so eine Präsentation auf der ISE 2016 gut an. Die Assoziation mit den Vierteln Amsterdams, in denen sich mancher nach oder vor der Messe herumtreibt, liegt jedenfalls nahe.

Während der EuroShop 2014 hatte WG Electronics es übrigens kurz mit echten Unterwäsche Models hinter den transparenten Screens probiert. Dem Vernehmen nach hat man dies damals noch während der Messe aufgrund des Massenandrangs am eigenen Stand (und der bemitleidenswerten Standnachbarn) zugunsten der entschärften Puppen-Variante aufgegeben.

Wer es bis hierher durchgehalten hat, darf nun gerne in unserer Viscom 2015 Bildergalerie unsere optischen Eindrücke genießen.

Durch Klick auf das Anreisserbild gelangen Sie zur Bildergalerie Viscom 2015

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