ISE 2016

Endlich weg von der Insel – IT und AV forcieren den Dialog

- Wie jede Messe ist auch die ISE 2016 ein Treffpunkt fürs Netzwerken. Auch im technischen Sinne werden Netzwerke immer wichtiger, wenn es um professionelle Digital Signage und AV Lösungen geht. Branche und Messe haben den Trend zur weitgehenden Konvergenz erkannt. von Thomas Kletschke

ISE Besucher beim Fachgespräch (Foto: ISE)

ISE Besucher beim Fachgespräch (Foto: ISE)

Nein, das ist keine alte Geschichte, aber eine altbekannte: Ein großer europäischer Versicherunskonzern startete unlängst ein Digital Signage Projekt. Auch einige Zeit nach dem Roll out gibt es immer noch keine Integration in die IT Architektur des Unternehmens.

„Das erleben wir leider immer noch immer wieder. Ein frühzeitiges und kontinuierliches Zusammenarbeiten von IT und DS oder AV ist noch kein Selbstläufer“, so der erfahrene Dienstleister, der das Projekt gestemmt hat, im Gespräch mit invidis.

Und das mehr als 15 Jahre, nachdem die ersten Profi IP Mediensteuerungen auf den Markt gekommen sind. Ein Trend, der langfristig ist, das seit Jahren immer engere Zuammenrücken von AV und IT. Insellösungen sind nur noch für kleine oder wenig lukrative Teile des Marktes interessant.

Ohne Verständnis für Medienkonvergenz und weitreichende Integration sind große Projekte heutzutage zum Scheitern verurteilt, werden teurer, verzögern sich – oder liefern nicht das gewünschte Ergebnis. Denn Protokolle und Netzwerktechnik bilden die Grundlage für jedes moderne AV oder Digital Signage System.

Innerhalb der Branche ist das Bewusstsein dafür seit einiger Zeit vorhanden. Aber: Es gibt auf Seiten der IT-Verantwortlichen bei Endkunden oder im AV Channel noch so manchen, der Berührungsängste mit der jeweils anderen Seite hat. Der Bedarf am stärkeren und regelmäßigen Austausch ist also nach wie vor vorhanden – das signalisieren Hersteller, Integratoren und Distributoren.

Interaktiver Mirror Screen auf der ISE: Ohne IT funktioniert hier nichts - zumindest nichts Spannendes (Foto: ISE)

Interaktiver Mirror Screen auf der ISE: Ohne IT funktioniert hier nichts – zumindest nichts Spannendes (Foto: ISE)

Deshalb hat die Integrated Systems Europe (ISE) die Beteiligten bei einem IT Round Table zusammengebracht, um den Dialog zwischen den verwandten Disziplinen auf eine neue Ebene zu bringen. Unternehmen mit IT Schwerpunkt, AV Spezialisten, IT Analysten und IT Journalisten haben sich schon zu ersten Gesprächen getroffen, um einen Dialog zu etablieren.

Davon profitieren alle Seiten. Beispiel Endkunden: Sie möchten die Gewähr, dass die Schnittstellen, die die AV und DS Industrie zur Verfügung stellt, reibungslos mit der wichtigen IT Infrastruktur funktionieren. Für die IT Abteilungen in den Unternehmen ist es essentiell, eine Gewähr zu haben, dass die von ihnen für interne Kunden zur Verfügung gestellte Infrastruktur weiterhin und in allen Feldern ihre Zwecke erfüllen kann.

In den letzten Jahren zieht die ISE deshalb auch in zunehmendem Maße Besucher von Endkundenseite an. „Inzwischen haben wir einen Anteil von etwa einem Drittel von Endnutzern unter allen Besuchern. Davon wiederum sind ca. 30% ITler. Also sind schon jetzt etwa 10% der ISE Besucher ITler aus dem Bereich der Unternehmenskunden“, sagt ISE Managing Director Michael Blackman im invidis Interview. „Das ist ein Anteil, der sicherlich noch größer werden wir. Auch auf Seiten der Aussteller registrieren wir ein stärkeres Engagement aus der IT Industrie“, so Blackman weiter. Zu den neuen Ausstellern in diesem Jahr gehören Unternehmen wie Logitech, Asus oder Plantronics.

Sie gesellen sich zu den Großen aus den beiden Industrien, die zu den angestammten ISE Ausstellern gehören. Darunter finden sich so prominente Firmen wie Advantech, Avnet, AOpen, Aten, BenQ, BlackBox, Bose Professional, Canon, Cisco, Crestron, Delta Electronics, Epson, Hitachi, Huawei, iiyama, InFocus, Ingram, Matrox, Mitsubishi, NEC, Optoma, Panasonic, Polycom, Ricoh, Samsung, Sharp, Sony, Surgex, TD Maverick, Toshiba, und Viewsonic.

Auf die – letztlich akademische – Streitfrage, ob AV Teil von IT ist oder nicht, kann es im sich abzeichnenden IoT Zeitalter nur eine klare Antwort geben: Jein. Für Mike Blackman und die Teilnehmer des Round Tables stellt sich die Situation ähnlich dar: IT ist der Glue, der Kleber und Kitt, der AV, Conferencing und DS erst richtig interessant macht.

Geht es um wichtige Fragen wie Bandbreite oder um IT Security müssen die Gewerke nahtlos zusammenarbeiten. Mit IoT und Industrie 4.0 stehen weitere Herausforderungen vor der Tür, die nur in Kooperation gelöst werden können.

Dem wird auch die ISE mehr Rechnung tragen. Allein in den verschiedenen Theatres sind verschiedene Diskussionen und Vorträge geplant, die sich diesen und verwandten Themen annehmen. Beispiel Cloud: Welche speziellen Voraussetzungen braucht es, um Video Inhalte in die Cloud zu verlegen? – Oder das Internet of Things: Was muss bei Gebäudeautomation und -steuerung beachtet werden? – Beispiel Netzwerke: Welche Anforderungen stellen Enterprise Data Networks in Bezug auf die AV Integration?

Bislang galt noch allzu oft: AV darf als kleiner Juniorpartner auch ab und an mal ran. Dies ändert sich. Weniger als ein Jahr nachdem große Web und IT Konzerne wie Alphabet / Google oder Microsoft mit starkem Engagement die Bereiche AV und DS als notwendige Ergänzung für die Services für ihre Business Kunden erkannt haben – und damit auch Geld verdienen – ist ein Schwenk hin zu mehr Kommunikation auf Augenhöhe spürbar.

Und – auch davon weiß der Integrator aus dem Beispiel oben zu berichten: Zickt die IT, gibt es immer mehr CEOs oder CIOs, die ihre Abteilungen zurückpfeifen. Denn auch in den Vorstandsetagen ist der Anteil derjenigen spürbar gewachsen, die der Integration oder Skalierbarkeit von Lösungen eine hohe Priorität einräumen. Ist die Vorstands-Ansage dann einmal umgesetzt, profitieren alle beteiligten Seiten davon – das berichten Dienstleister, Endkunden und Berater unisono.

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