ISE 2016

Top 10 für „Made in Shenzhen“ – LED Signage ist erwachsen

- Es gibt mindestens 10 sehr gute Gründe, warum „Made in Shenzhen“ ein Qualitätsmerkmal ist. Denn die LED Industrie der VR China hat den großen Sprung nach vorne längst geschafft. von Thomas Kletschke

Beide Male 1,25 mm PP - Screen aus vier LED Modulen und LED Wand am Leyard Stand (Foto: invidis)

Beide Male 1,25 mm PP – Screen aus vier LED Modulen und LED Wand am Leyard Stand (Foto: invidis)

Auf der ISE 2016 hat sich ein Trend fortgesetzt, der im vergangenen Jahr bereits in groben Zügen erkennbar war: Die LED Industrie ist erwachsen geworden.

Man kann sich als Branche insgesamt darüber freuen, dass ein weiteres Medium neben LCD, Projektion und OLED für die AV Kommunikation zur Verfügung steht.

De facto bedeutet LED, dass die Hardware zum überwiegenden Teil aus Shenzhen stammt, der seit 1980 bestehenden Planstadt und chinesischen Sonderwirtschaftszone. Hier nimmt alles seinen Anfang – auch die Bauteile, die in den USA, Europa oder andernorts für die Produkte der dortigen Industrie genutzt werden.

Damit gilt: die chinesische LED Industrie ist erwachsen.

Dies in mehrerlei Hinsicht – und zahlt direkt oder indirekt auch auf das Konto von europäischen oder US Herstellern ein, die LED Signage betreiben, wie etwa Daktronics, SiliconCore oder Barco.

Qualität

  • In der Vergangenheit konnte man auf Fachmessen wie der ISE noch problemlos Hersteller finden, die LED mittlerer oder schlechter Qualität in Mengen zu Schleuderpreisen anbieten. Längst sind diese Billigheimer verschwunden. Natürlich gibt es sie – aber auf einer Profi AV Messe haben sie keine Chance mehr.

Sortiment

  • Früher bedeutete LED, dass es zumeist um Outdoor Module und Outdoor Screens ging. Inzwischen sind LED Indoor und Fine Pitch LED Indoor zu Preisen erhältlich, die sich lohnen.
  • Innerhalb der Untergattungen Outdoor und Indoor ist das Sortiment deutlich ausdifferenzierter.

Marktentwicklung

  • Alleine zwischen 2014 und 2015 konnte der LED Markt sich laut IHS Displaysearch in etwa verdoppeln (Shipments).
  • Die Marktforscher rechnen bis 2018 damit dass LED Screens mit Pixel Pitches zwischen 1,5 mm und 4 mm einen Marktanteil von 5% im Bereich High End Indoor Signage erreichen könnten. Also: bis zur übernächsten ISE.
  • Auch bei den High End LED Produkten wird es langsam aber sicher günstiger für Kunden – bei immer noch guten Margen für die Hersteller. Wurden im vergangenen Jahr nach IHS Berechnungen teilweise noch bis zu 60.000 US-Dollar pro m²  LED mit 2 mm Pixel Pitch fällig (Vergleichswert LCD Technologie: 1.000 Dollar), werden die Produkte erschwinglicher.
  • Fine Pitch LED Signage liefert die Crème der Hersteller zu der Giganten wie Absen, Leyard, Liantronics und Unilumin gehören. Mindestens 20 große chinesische Hersteller haben entsprechende Forschungs- und Produktionskapazitäten. Liegen die Fine Pitch Rekorde bei derzeit bei 0,95 mm – auch hier sind es die Top-Hersteller, die liefern können – haben chinesische Unternehmen zumindest schon Prototypen mit 0,7 mm. gezeigt – und zwar vor gut 1,5 Jahren
  • Nehmen wir real verkaufbare High End LED Indoor Produkte mit einem Pixel Pitch von 1,25 mm, dürften weltweit 20 oder mehr große chinesische Hersteller ein entsprechendes Portfolio marktreif haben, oder kurz davor stehen.
  • Auch bei LED Signage sind Spezialitäten wie 3D LED Screens inzwischen marktreif. Bei Software und Controllern hat die LED Industrie Weiterentwicklungen vorangetrieben.
  • Mit LED Mesh lassen sich zu kalkulierbaren Preisen selbst großflächige Skyscraper verkleiden.

Internationalisierung

  • Seit Jahrzehnten sind die Staaten der westlichen Hemisphäre mit der VR China in einem wichtigen wirtschaftlichen Austausch. Auch zwischen China und Taiwan gibt es seit den 1990er Jahren starke wirtschaftliche Verflechtungen. Taiwans Industrie investiert seitdem stark im chinesischen Mutterland – aller politischen Konflikte zum Trotz. Davon konnte Chinas Wirtschaft ebenso profitieren wie die taiwanesische.
  • Seitdem in China auch der Börsenhandel immer mehr Freiheiten genießt, können sich chinesische Unternehmen fremdes Kapital besorgen und ein Going Public wagen.
  • Übernimmt ein chinesisches Unternehmen eine US Company – wie etwa Leyard den Hersteller Planar – freut sich die lokale Wirtschaftsförderung in den USA. Selbst realitätsferne Populisten vom Schlag eines Donald Trump spielen bei solchen Gelegenheiten kaum noch die geifernde China-Hasser-Karte aus.

Markenentwicklung und Markenbewusstsein

  • In Analogie zum B2C Markt für TVs und in Analogie im historischen Rückblick auf die sprunghafte Entwicklung bei den südkoreanischen Marken sind Brands aus China inzwischen Brands. Punkt – und ohne Wenn und aber.
  • Das kommunizieren die Unternehmen aus der VR China inzwischen auch selbstbewusst – was sich in Details hinzieht bis zu aufwändig gestalteten Produktkatalogen, die in ausreichender Zahl, in Englisch sowie mit internationalen Referenzlisten gespickt sind.
  • Eigenwerbung der LED High Ender gibt es auch schon längst – sogar am Times Square, wo Absen als erster Hersteller seine Claims absteckte.

Stolze Partner

  • Inzwischen sprechen die LED Manufakturen aus Europa offen über ihre Lieferanten. Es gilt zu Recht als Qualitätsausweis, wenn man auf nachhaltige Geschäftsbeziehungen zum High End Lieferanten verweisen kann.
  • Nennt man einen solchen Partner unter zwei, aber nicht öffentlich, hat das einen guten Grund: die Konkurrenten aus Europa und den USA sollen nicht beim eigenen Lieferanten buhlen, da sonst der durch chinesische Fertigkeit entstandene Vorsprung gefährdet sein könnte.

Interesse bei der Konkurrenz

  • Inzwischen kann man Mitarbeiter großer japanischer Unternehmen (und wohl auch aus anderen Ländern) dabei beobachten, wie sie in Teams die Stände der chinesischen Hersteller besuchen, um zu schauen, was die Konkurrenz anbietet.

Neue Verticals

  • Einhergehend mit dem rasanten technologischen Fortschritt und günstigeren Preisen auch für Fine Pitch ist LED Indoor Signage in weiteren vertikalen Märkten angekommen- oder erfährt dort eine wesentlich stärkere Präsenz. Neben dem Bereich Retail hört man auch in der Airportwerbung immer öfter von entsprechenden Projekten.

Personal und Unternehmenskultur

  • Die großen chinesischen High End LED Fertiger rekrutieren international mehr Personal. Dazu gehören auch Führungskräfte, die von US Herstellern oder anderen Produzenten gewechselt sind.
  • Wir haben auf der ISE 2016 keinen Hersteller gefunden, der sein Engagement in DACH derzeit nicht massiv ausbaut – oder dies im vergangenen Jahr bereits getan hat.
  • Die chinesischen LED Hersteller beschäftigen ganz offenbar mehr englischsprachiges Personal. Das zieht sich vom technischen über den Sales Bereich bis hinein ins Marketing.
  • Entweder gibt es keine Maulkörbe mehr, und die Chinesen setzen auf mehr Offenheit – oder die unternehmen beschäftigen mehr Menschen mit internationaler Erfahrung, die sich die Freiheit einfach selbst nehmen: Auch für den kurzen Schnack sind die Mitarbeiter inzwischen zu haben. Kommunikativ wendet man die Techniken an, die in den USA und Europa Standard sind. Das ist gut fürs Geschäft – und entspannt beide Seiten.

Vernetzung innerhalb der Branche

  • Innerhalb der europäischen AV Szene ist die Vernetzung zwischen den großen Herstellern und Partnern aus der Distribution enger geworden. Das bedeutet auch, dass die Konzerne sehr wohl verstehen, wie der Markt funktioniert – und was er fordert.

Unsere Nachrichten zur ISE 2016 finden Sie an dieser Stelle.

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