Projektion

Im Gasometer Oberhausen kann man die Erde jetzt von oben sehen

- Im Gasometer Oberhausen hat am Wochenende eine neue Ausstellung eröffnet. Krönender Höhepunkt: eine Erdkugel mit 20 m Durchmesser, die mit atemberaubender Projektion zum Leben erweckt wird. von Thomas Kletschke

Die Erde von oben - nicht als Buch, sondern als lebendige Projektionskugel (Foto: DLR)

Die Erde von oben – nicht als Buch, sondern als lebendige Projektionskugel (Foto: DLR)

Am vergangenen Freitag eröffnete im Gasometer Oberhausen die Ausstellung „Wunder der Natur“, die auf mehreren Ebenen des Museums und 117,5 m hohen Industriedenkmals präsentiert wird.

Den Höhepunkt der neuen Ausstellung aber stellt die Erde selbst dar. Im riesigen Innenraum des Gasometers wird unser blauer Planet leuchtend zum Leben erweckt: Der Rundgang durch die „Wunder der Natur“ gipfelt im Blick auf eine 20 Meter große Erdkugel, die im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers schwebt.

Dazu setzt man einerseits auf feinste AV Medientechnik sowie auf die Forschung. Bewegte, hoch aufgelöste Satellitenbilder – 8K bis 10K – werden detailgenau auf die Erdkugel projiziert. Der Besucher erlebt so die faszinierenden Erscheinungen der Erdatmosphäre im Wechsel von Tag und Nacht und den Wandel der Jahreszeiten. Die Fahrt im gläsernen Panoramaaufzug auf das Dach des Gasometers bietet anschließend einen Blick auf unseren Heimatplaneten, wie ihn sonst nur Astronauten erleben können.

Für das Bildmaterial hat die Gasometer Oberhausen GmbH – die im Gegensatz zu zahlreichen anderen Museen ganz ohne staatliche Subventionen auskommen muss – das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gewinnen können.

Dem blauen Planeten kommen die Zuschauer von jedem Punkt aus sehr nahe (Foto: DLR)

Dem blauen Planeten kommen die Zuschauer von jedem Punkt aus sehr nahe (Foto: DLR)

Für die Inszenierung des Contents zeichnen die Spezialisten der Intermediate Engineering GmbH aus Hamburg verantwortlich, die auch schon bei der 700 m² LED Medienfassade auf St. Pauli Projektbeteiligte waren.

Unter Zuhilfenahme von schlappen 1,5 Millionen Bildern hat das DLR die Animation zusammengestellt, die mit Hilfe von 12 Panasonic Projektoren auf die Kugel projiziert werden.

Intermediate Engineering teilte dem DLR-Team die exakte Ausrichtung aller Projektoren mit. Diese wurden dann am Computer als Kameras in einen virtuellen Gasometer gesetzt und filmten das 3D-Modell der Erdkugel ab. Dadurch erhielt jeder Projektor eine eigene Animation, die zusammen ein nahtloses Bild der Erde erzeugen.

Der Blick auf die schwebende Erdkugel zeigt, welche Informationen aus Fernerkundungsdaten gewonnen werden können. Das Ergebnis? „Die Begegnung von wissenschaftlicher Bilderwelt und poetischer Sicht“, so Kurator Prof. Dr. Peter Pachnicke.

Und technisch? – Wir haben bei Intermediate Engineering (IE) nachgefragt. So löst die virtuelle Erdkugel im 3D Modell mit 58.000.000 p auf; die Auflösung der virtuellen Kameras und die physikalische Auflösung der Projektion liegt bei 27.648.000 p.

Da die Projektion in einem sehr dunklen Innenraum umgesetzt wird, liege die erwartete Leuchtdichte der Projektion bei etwa 40 cd/m², so IE Geschäftsführer Heiko Wandrey gegenüber invidis. Insgesamt 52 Helligkeitssensoren sorgen für die automatisierte Kalibrierung.

Die Signale der Projektoren müssen bis zu 72 m Entfernung zurücklegen (maximale Projektionentfernung), um auf der 20 m Durchmesser großen und 290 kg schweren Erdkugel aufzutreffen.

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