Poster.tv-Netzwerk steht nicht zum Verkauf

- Seit der Inhaftierung der beiden Geschäftsführer der Inncona Geschäftsführungs GmbH im Mai dieses Jahres, sind die Gerüchte über den Verkauf und die Zukunft der poster.tv GmbH nicht abgerissen. Erstmalig äußert sich Nicole Hopfner, Geschäftsführerin von poster.tv, exklusiv auf invidis über Inncona und die Zukunft ihres Unternehmens. von Oliver Schwede

Bild: Poster.TV

Frau Hopfner, zurzeit wird in der Digital-Signage-Branche viel über poster.tv gesprochen und spekuliert. Angeblich sucht poster.tv einen Käufer für das bestehende Netzwerk. Können Sie dies bestätigen?

Nicole Hopfner: poster.tv sucht derzeit aktiv keinen Käufer. Wir werden allerdings von vielen Seiten auf Kooperationen angesprochen, was wir auch begrüßen. Ich denke, dass Wall, Ströer und JCDecaux das seinerzeit beim Aufbau der Städtenetze [gemeint sind die City Light Poster; Anmerkung der Redaktion] sehr geschickt gemacht haben. Innerhalb kürzester Zeit haben wenige Unternehmen ein Gesamtnetz aufgebaut, das heute quasi gemeinsam vermarktet wird. Wenn beispielsweise BMW eine bundesweite Plakatkampagne plant, sind immer alle drei im Boot und verdienen richtig Geld. Die Unternehmen, die heute digitale Indoor-Netze aufbauen, sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Wenn wir es gemeinsam nicht schaffen, innerhalb von zwei bis drei Jahren ein Netz mit 20–30.000 Bildschirmen aufzubauen, wird es für alle schwer. Wir werden dann die Reichweite nicht nachweisen können, die große Werbekunden einfach fordern.

Können Sie uns die geschäftlichen Verbindungen zwischen der Poster.tv GmbH und der Inncona GmbH & Co. KG näher erläutern? Die Inncona GmbH fungiert als Leasinggeber, poster.tv als Leasingnehmer. Wie genau war/ist dieses Geschäftsmodell aufgebaut? Wem gehört das Netzwerk, wem gehören die Vermarktungsrechte?

Nicole Hopfner: Für uns war die Inncona eine Leasinggesellschaft wie jede andere auch – nur mit dem kleinen Unterschied, dass Inncona im Vergleich zu anderen die Finanzierungen mit einem wesentlich höheren Eigenkapital unterlegt hat. So war die Inncona 2005 der Partner, der bereit war, uns damals als Start-up den Netzaufbau zu finanzieren. Da sich in der Folgezeit viele Kommanditgesellschaften für Investitionen in poster.tv entschlossen haben, bestand für uns auch bis zur Inhaftierung der Inncona-Geschäftsführung kein direkter Anlass, den Finanzierungspartner zu wechseln.

Zu Ihrer Frage Netzwerk und Vermarktungsrechte: Das Netzwerk gehört den Inncona-KGs und poster.tv gemeinsam, die Vermarktungsrechte und Verträge mit den Standorten liegen ebenfalls bei poster.tv – allerdings mit der Einschränkung, dass poster.tv hinsichtlich der Vermarktung einen Kooperationsvertrag mit der CityCards-Gruppe geschlossen hat. Andere Einsatzfelder außerhalb Gastronomie- und Fitness werden derzeit von uns alleine aufgebaut.

Die Geschäftsführer der Inncona GmbH befinden sich in Untersuchungshaft. Wie geht es nun weiter?

Nicole Hopfner: Das Herzstück der Inncona-Gruppe ist ja nicht die Komplementär-GmbH deren Geschäftsführung verhaftet ist, sondern die Kommanditisten, die letztendlich das Geld für die Investition bereitgestellt haben – und von denen ist meines Wissen keiner verhaftet worden und wird auch keiner verhaftet werden, weil die Investition in Start-up-Unternehmen nicht strafbar ist. Mit diesen Kommanditisten – die wir zwischenzeitlich in vielen Fällen persönlich kennen gelernt haben, besprechen wir die Zukunft von poster.tv und den weiteren Netzausbau.

Im Juni haben wir darüber berichtet, dass poster.tv zusammen mit Medex eine neue DS-Lösung auf dem Markt anbietet – mit 17- oder 19-Zoll-Monitor an Kardio-Trainingsgeräten. Ist das ein Weg, das Netzwerk auszubauen, ohne die Inncona GmbH als Finanzierungsquelle zu nutzen?

Nicole Hopfner: Neben dem Gastronetz, das wir bisher mit Inncona finanziert haben, ist unser Unternehmen seit über einem halben Jahr dabei, ganz andere Netze – auch Netze, die mit einer Werbefinanzierung überhaupt nichts zu tun haben – aufzubauen. Hier nutzen Dritte unsere herausragende technische Plattform, um beispielsweise elektronische Informationssysteme für Mitarbeiter aufzubauen. Hier finanzieren die Unternehmen ihre Hardware selbst, d.h. sie kaufen diese bei uns und nutzen die Internet-Plattformen und Server mit einer Sublizenz.

Ihnen selbst und poster.tv wurden in einigen Internet-Foren vorgeworfen, unseriös gehandelt zu haben. Sind Sie sich irgendeiner Schuld bewusst oder sehen Sie sich und poster.tv als Opfer des wirtschaftlichen Vorgehens der Inncona GmbH?

Nicole Hopfner: Ich möchte hierzu nur so viel sagen: Gegen die damaligen Betreiber der Internet-Seite, über die unwahre Behauptungen über poster.tv und mich veröffentlicht wurden, habe ich Anfang 2008 Strafanzeige gestellt – bezeichnender Weise wurde die Seite zwei Tage später vom Netz genommen – und zwar so, dass eine Verfolgung, wer Betreiber dieser Seite war, offensichtlich äußerst schwierig ist. Die Seite hatte kein Impressum und wurde bei lunarpages in den USA gehostet. Insider wissen, warum. Den Foren möchte ich hier auch noch einmal danken, sie haben – nachdem ich mit den Betreibern Kontakt aufgenommen und die Hintergründe geschildert habe – ohne wenn und aber, oft auch eigenständig, entsprechende Beiträge entfernt.

Frau Hopfner, vielen Dank für das Interview. (eca)

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.