JFK Terminal 5 – Digital Signage in Bestform

- Ende Oktober 2008 wurde das Terminal 5 am New Yorker Flughafen JFK nach zweijähriger Bauzeit eröffnet. Dies ist das Erste „post 9/11 Terminal“ – geplant und gebaut nach neuesten Sicherheitsbedingungen. Mehr als 20 Mio Fluggäste werden hier jährlich abgefertigt. Dies ist auch die neue Heimat der Fluggesellschaft Jetblue, die das 59.000 m² große Terminal exklusiv nutzen. Sowohl die Optik, Usability und die Technik im Terminal 5 sind „State of the art“. von Florian Rotberg

Bild: Jetblue

Dies gilt insbesondere für Digital Signage. In kaum einem anderen Flughafen auf der Welt wurde mehr Wert auf die vollständige Integration von Public Displays und derer konsequenter Nutzung gelegt. Als Bildschirme für FIDS-Anwendungen werden ausschließlich NEC Large Format Displays eingesetzt – teilweise mit Lautsprechern. Jeweils vier NEC-Displays sind im Portraitmodus angeordnet, um die Fluginformationen anzuzeigen. In den USA erfolgt die Sortierung der Fluginformationen nicht wie im Rest der Welt üblich nach Abflugzeiten, sondern nach Flugzielen. Auffallend ist die optisch sehr ansprechende Lösung gegen Ende des Tages die nicht mehr genutzten Displays mit einer Jetblue Grafik zu bespielen. Die FIDS-Displays werden ausschließlich für Fluginformationen genutzt. Werbung wird hier nicht eingeblendet.

Fluginformationen und Werbung. Klicken Sie auf das Bild, um die Galerie zu starten.

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An den Gates werden die Fluginformationsdisplays mit reinen Entertainment-Displays kombiniert. Letztere sind mit externen Lautsprechern bestückt und zeigen aktuellen Live-TV Content. Auffallend ist, dass der Ton nur im Umkreis von drei bis vier Metern von den Screens wahrnehmbar ist. Zusätzlich wird der in Nordamerika weitverbreitete Teletext (CC – Close Caption) als Untertitel eingeblendet.
Der zentrale Marktplatz wird dominiert von einem von der Decke kunstvoll abgehangenen Digital Signage Ring. Insgesamt wurden dort 43 Screens (42-Zoll) verbaut.

Das moderne Image des Terminals spiegelt die Philosophie von Jetblue wieder. Seit nun fünf Jahren mausert sich die Low Cost Airline zu einem ernsthaften Anbieter in Nordamerika. Der zu seiner Gründung durch Neilman finanziell bestausgestattete Carrier hebt sich durch zahlreiche Innovationen vom Wettbewerb ab.
Alle Flugzeuge wurden fabrikneu von Airbus und später auch Embraer übernommen und sind mit Live-TV ausgestattet. Den Fluggästen stehen somit 36 TV-Kanäle und 100 Radiostationen während des Fluges zur Verfügung. Der Sitzabstand ist sehr großzügig und fühlbar breiter als bei den Wettbewerbern aus den Segmenten der Netzwerk- und Lowcost-Carrier. Getränke, Snacks und das Entertainmentprogramm sind kostenfrei.
Seit einiger Zeit weitet Jetblue sein Angebot auch nach Mittelamerika und insbesondere in die Karibik aus. Ein sympathisches und sehr innovatives Produkt. Im Herbst 2008 beteiligte sich die Deutsche Lufthansa mit knapp 20% (die gesetzliche Beteiligungsgrenze für ausländische Investoren) an der Fluggesellschaft.

Internet als Serviceleistung

Im gesamten Terminal steht den Gästen ein kostenloser WiFi-Zugang zur Verfügung, dass intensiv genutzt wird. An mehreren freistehenden Bartresen sind Touchscreen-Displays installiert. Über die Displays lassen sich Speisen bestellen und mit Karte bezahlen. Zusätzlich kann aber auch kostenfrei auf das Internet zugegriffen werden. Ein wichtiges Detail sind die im gesamten Terminal verteilten Steckdosen, die reichlich genutzt werden – perfekt für die Steigerung der Dwell-Time.

Playstation am Automat

Sehr ungewöhnlich für europäische Verhältnisse sind die Automaten an denen man Sony Produkte „ziehen“ kann. Neben Kopfhörer gibt es dort Digital Kameras, E-Book-Reader und portabel Playstations. Diese Automaten gibt es auch entsprechend mit Apple Produkten bestückt an mehreren Standorten. Impulskäufe scheinen in den USA eine andere Qualität zu haben, als in Deutschland. Anders kann man die Vertriebsphilosophie dieser mitunter recht teuren Produkte nicht erklären. Aber es muss wohl funktionieren, anders lässt sich ein vergleichbarer Automat im Parkhaus von Macy‘s in Fort Lauderdale nicht erklären.

JCDeaux am Terminal 5. Klicken Sie auf das Bild um die Galerie zu starten.

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Außenwerbung fällt ins Auge

Digital Außenwerbung wird an zwei Standorten im Hauptbereich (airside) eingesetzt. JCDecaux installierte dort vier Large-Format-Displays im Aufenthaltsbereich der Gastronomie nach der Sicherheitskontrolle. Die 70-Zoll-Displays sind im Landscape-Modus back-to-back installiert und werden über Funk dynamisch mit Content versorgt. Deutlich sichtbar an den Antennen oberhalb der Gehäuse. JCDecaux vermarktet die Screens als Teil eines 52 Standorte umfassenden Netzwerks, das als „Prestige Digital Unit“ (PDU) bezeichnet wird.

Antiquierte Technik bei den Sicherheitskontrollen

Die mit der Sicherheitskontrolle beauftragte staatliche TSA konnte sich wohl inhaltlich nicht in die vorhandene Digital Signage Infrastruktur einbinden. Auch hier werden NEC Professional Screens mit zusätzlichen Lautsprechern genutzt. Allerdings erfolgt die Zuspielung des Contents mit einem unterhalb des Displays angebrachten DVD-Player. Das Ganze ist zwar optisch ansprechend umgesetzt – erinnert aber leider doch ein wenig an Schlecker-TV. Der Content umfasst Videosequenzen mit Hinweisen zum Sicherheitscheck und – wie leider weit verbreitet – viel zu kleine Textpassagen mit Warnhinweisen von Zoll und anderen öffentlichen Einrichtungen. Hier herrscht nicht nur in New York City sondern z.B. auch in Zürich, Stuttgart u.a. Handlungsbedarf.

Selbst ist der Mann

Selfservice-Checkin. Klicken Sie auf das Bild um die Galerie zu starten.

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Der Check-in ist geprägt durch einen dominanten Selfservice-Bereich. Ein Großteil der nordamerikanischen Fluggäste ist bereits seit Jahren auf den Selfcheck-in konditioniert. In der Vergangenheit über Kiosksysteme im Terminal, heute in der Mehrzahl über Online Check-in und selbst ausgedruckten Boardingpässen. Zusätzlich gibt es im Terminal 5 über 68 Check-in Automaten, über denen jeweils ein 32-Zoll NEC Screen installiert ist. Der großen Anzahl an Selbstbedienungsterminals stehen gerade mal ein Dutzend Check-in Desks gegenüber.

Touristeninformation

Ganz im Zeichen der autonomen Informationsbeschaffung stehen auch die Informationsterminals an der Gepäckausgabe. Die großen Terminals informieren Gäste über Transport- und Übernachtungsmöglichkeiten im Großraum New York City. Der Rest der Gepäckausgage ist eher unspektakulär gehalten.

Foto: Pheezy

Bild: Pheezy

Historisch gesehen tritt das neue Terminal 5 ein großes Erbe an. Das Urterminal und der Beginn des Jetzeitalters wurde 1962 vom finnischen Architekten Saarin mit dem TWA Terminal gelegt. Dem jahrelang ungenutzten Terminal wurde nun das T5 angedockt. Zurzeit wird das architektonische Schmuckstück renoviert. Nach Fertigstellung soll von dort ein Zugang zum Jetblue Terminal erfolgen. Eine Hommage an die goldenen Zeiten des Jetluftverkehrs ist somit auch der neue Claim „Happy Jetting“ von Jetblue.

invidis veröffentlicht zur CeBIT 2009 den zweiten Vertical Report „Digital Signage und Aviation“. Für Bestellungen und Rückfragen steht ihnen invidis consulting zur Verfügung.  (fro/eca)

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