Serie Banking 2.0

Deutsche Bank – „Ein Drittel unserer Filialen bereits mit Screens ausgestattet“

- Große Tanker brauchen kleinere Lotsen: Die Deutsche Bank sucht via Wettbewerb nach innovativen Ideen für die Bankfiliale der Zukunft. Begeisterungsfähige Konzepte sind erwünscht, meint Michael Tirpitz, Director Marketing, im invidis-Interview. von Thomas Kletschke

Michael Tirpitz, Director, Marketing, Deutsche Bank Privat- und Firmenkunden (Foto: Deutsche Bank)

Michael Tirpitz, Director Marketing, Deutsche Bank Privat- und Firmenkunden (Foto: Deutsche Bank)

Tablets für den Bankberater, Kiosksysteme allerorten, Multitouch-Tische in der Immobilienberatung oder Video-Kassen mit langen Öffnungszeiten: Was deutsche und internationale Banken seit einiger Zeit in ihren Flagship-Filialen und zunehmend in der Fläche installieren, gehörte früher in die Domäne hipper Modemarken oder teurer Labels. Um den Innovationsgedanken rund um Multichannel und Omnichannel nicht abreissen zu lassen, holen sich die Finanzinstitute gerne auch Anregungen von außen. Aktuell läuft der Kreativwettbewerb Future Banking, den die Deutsche Bank und Design Boom initiiert haben. Was sich das größte Kreditinstitut Deutschlands davon verspricht, verrät Michael Tirpitz, Director Marketing, Deutsche Bank Privat- und Firmenkunden im invidis-Interview.

invidis: Die Deutsche Bank engagiert sich nun mit dem Wettbewerb um das Thema Zukunft des Retail Banking. Welche Entwürfe haben eine besonders große Chance, als preiswürdig anerkannt zu werden?

Michael Tirpitz: Aufgabe ist die Entwicklung von Ideen, Anwendungen oder Serviceleistungen einer Bank, die zum Ziel haben, Kunden in ihrer digitalen Welt und Lebensplanung zu unterstützen und zu bereichern. Besondere Chancen haben die Entwürfe, die den Kunden positiv überraschen und begeistern.

Wie schätzen Sie derzeit im deutschen bzw. im DACH-Markt das Potenzial ein, dass die hiesigen Filialbanken noch heben können? Wo verbergen sich technologisch, im Marketing und beim Joy of Use aktuell noch zu bergende Schätze?

Michael Tirpitz: Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebensbereichen haben sich die Erwartungen und Präferenzen der Kunden drastisch verändert. Die physische Welt des Retail-Banking und die digitale Welt des Internet verschmelzen immer mehr. Kunden unterscheiden nicht mehr zwischen digital und analog. Sie suchen heute flexible, integrierte und dynamische Lösungen für ihre finanziellen Bedarfe. Trends wie Einfachheit, Convenience und Gamification gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Mit der Flagship-Filiale Q110 hat die DB schon sehr früh auf moderne digitale Medien am PoI gesetzt. Welche im Wettbewerb zu erwartenden Innovationen könnten auch dort gut ins Konzept passen?

Michael Tirpitz: Mit „Q110 – Die Deutsche Bank der Zukunft“ setzen wir schon seit 2006 auf moderne Technologien, neue Prozesse, haptische Produkte und bankfremde Dienstleistungen. In allen Bereichen sind neue Ansätze denkbar. Wir sind sehr offen für Ideen und lassen uns gerne überraschen. Ausgewählte Vorschläge werden dann auf einer Innovationsmesse in Berlin ausgestellt.

Deutsche Bank Filiale Aachen (Foto:invidis)

Deutsche Bank Filiale Aachen (Foto: invidis)

Moderner Bewegtbild-Content – zentral und dezentral erstellt und eingespielt – hat auch im Bereich Finanzdienstleistungen inzwischen seinen festen Platz im Repertoire. Sehen Sie im laufenden Retail Banking-Wettbewerb schon Trends zu größeren Präsentationsformen wie bei Video Walls und Projektionen?

Michael Tirpitz: Grundsätzlich gilt, dass Bewegtbild-Content immer wichtiger wird, um die Kunden zu erreichen. Wir haben diesen Trend frühzeitig erkannt. Schon heute setzen wir komplexe Sachverhalte filmisch und grafisch um. Mit Hilfe von Video-Clips können sich Kunden mit Themen wie Investment, Vorsorge, Baufinanzierung oder gewerbliche Finanzierung vertraut machen. Auch in die Filialwelt ist das Bewegtbild eingezogen. Bereits ein Drittel unserer Standorte sind mit LCD Screens ausgestattet, auf denen Produkte, Inhalte oder das aktuelle Tagesgeschehen abgebildet werden.

Hand aufs Herz: Wie viel Emotion sollte das Siegerkonzept transportieren, um zugleich die erforderte Seriosität nicht außer Acht zu lassen? Gibt es da Do’s und Don’ts?

Michael Tirpitz: Die Ideen sollen Kunden in ihrer Lebenswelt und bei ihren täglichen Finanzgeschäften unterstützen, also aus Kundensicht einen Nutzen stiften und Relevanz zeigen. Natürlich spielt der Faktor Emotion dabei eine große Rolle. Schließlich können aber nur Ideen realisiert werden, die zur Marke Deutsche Bank passen.

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