Serie Banking 2.0

Das ist die Digitalstrategie der Glarner Kantonalbank

- Unter Finanzexperten gilt die Glarner Kantonalbank (GLKB) als die digitalste Bank der Schweiz. Was unterscheidet sie von anderen Finanzinstituten? – Und wieso spielen dabei Schachbrettmuster und Software eine entscheidende Rolle? von Thomas Kletschke

Flagship der Glarner Kantonalbank - Herz der digitalsten Bank der Schweiz (Foto: GLKB)

Flagship der Glarner Kantonalbank – Herz der digitalsten Bank der Schweiz (Foto: GLKB)

Wer die digitalste Bank der Schweiz kennenlernen will, macht sich ins Glarnerland auf, nach Glarus, die Hauptstadt des Kantons Glarus. Wen weite Reisen oder Höhenluft abschrecken, der muss ab und zu nach Zürich fahren. Oder kann gleich zu Hause bleiben, denn die GLKB ist omnipräsent.

Wenn sich Bankexperten, Finanzmarktspezialisten und Wirtschaftsjournalisten treffen, dann geschieht dies in der Schweiz deutlich häufiger, als in Deutschland. Schließlich ist der Finanzplatz seit eh und je besonders gut ausgebaut. Dies betrifft alle Teile des Marktes: Private Banking, Wealth Management, Retail Banking, Fondsverwaltung et cetera. Besonders oft treffen sich solche Runden seit einiger Zeit, um über die gravierenden Umwälzungen zu sprechen, die die globale Finanzindustrie verändern. Schließlich macht heute gefühlt jeden Tag ein neues FinTech Start up von sich reden – egal, ob es dabei um Robo Advisors, Blockhain, Crowdlending, Narrow Banking oder andere disruptive Trends geht.

Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, auf einem solchen Forum – das wahlweise das Banking ohne Banken thematisiert (ein Terminus, den selbst die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma nutzt) oder die Balkanisierung der Banken beklagt (wenn man eine Schlagzeile der Neuen Zürcher Zeitung heranzieht) – den GLKB CEO Hanspeter Rhyner zu treffen, den die Schweizer Wirtschaftspresse gern als den Rockstar der eigenen Branche bezeichnet (Finanz und Wirtschaft, SRF TV), und dessen Institut das Spezial-Blog Finews bereits 2014 zu digitalsten Bank des Landes ausgerufen hat.

Bei einer Bilanzsumme von 4,989 Milliarden SFr (Geschäftsjahr 2015) wurde ohne Gewinnvortrag ein Reingewinn von 20,022 Millionen SFr erwirtschaftet (darin enthalten: positiver Einmaleffekt in Höhe von 3,1 Millionen SFr), inklusive einem Vortrag von 61.000 Franken betrug der Bilanzgewinn 22,083 Millionen SFr. Nach heutigen Kursen wurden also bei einer Bilanzsumme von 4,638 Milliarden Euro Gewinne von 18,613 Millionen Euro, beziehungsweise 18,671 Mio. Euro erzielt. Rechnet man den Einmaleffekt heraus, wäre der Bilanzgewinn 2015 noch 18,983 Millionen SFr schwer, nach heutigen Kursen 17,649 Millionen Euro. Der Jahresgewinn stieg laut Bilanz im Vergleich zu 2014 um 27,8%, der Bilanzgewinn um 27,9% Im Jahr 2015 beschäftigte die GLKB 205 Mitarbeitende sowie 16 Lernende, die unter dem Motto „Zämä zum Ziel“ arbeiteten. Echtes Multichannel gibt es bei den Glarnern noch nicht, dieses ist aber in Vorbereitung, wie es auf Nachfrage heißt. Womöglich möchte man da auch viel selbst entwickeln, siehe unten.

Digital Signage Screen im Wartebereich der GLKB (Foto: JLS Digital)

Digital Signage Screen im Wartebereich der GLKB (Foto: JLS Digital)

In den Aufgaben sowie der Staatsnähe und der Mittelverwendung und Gewinnabführung (etwa wenn es um Sponsoring, Karitatives und lokale Wirtschaftsförderung geht) sind Schweizer Kantonalbanken den deutschen Sparkassen nicht gänzlich unähnlich. Zum Vergleich die Bilanz der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling aus dem Jahr 2015, deren Bilanzsumme bei 4,643 Milliarden Euro lag. In allen Geschäftsbereichen der Bank im reichsten deutschen Bundesland Bayern erwirtschafteten insgesamt 955 Mitarbeitende einen Bilanzgewinn von 8,602 Millionen Euro (Jahresüberschuss: 11,470 Mio. Euro; Differenzbetrag kam in die Sicherheitsrücklage). Gewinn und Jahresgewinn lagen jeweils leicht unter Vorjahr. Die Bank hat derzeit etwa 50 Filialen, setzt ebenfalls auf digitale Services, etwa eine App, und befindet sich auf dem Weg der weiteren Multichannel-Anbindung, heißt es auf Nachfrage.

Der Vergleich zwischen diesen zwei Banken ist keine exakte Analyse, sondern soll Branchenfremden die Unterschiede bei den Kennzahlen zeigen, die sich auch bei einem Vergleich der GLKB mit mancher großen Schweizer Privatbank zeigen würden. Auch unter Berücksichtigung der nationalen Unterschiede sowie der erst mit Kursen von 2016 erfolgten SFr / Euro Umrechnung ist das Bild aber eindeutig: Die GLKB ist ein sehr erfolgreiches und absolut profitables Institut. Beide Banken sind jeweils moderne Banken in ihrem jeweiligen Sektor (Kantonalbank, Sparkasse), beide Institute sind in wirtschaftlich prosperierenden Regionen angesiedelt, beide haben regional eine starke Verwurzelung.

Bei den Kanälen, die die Glarner Kantonalbank bespielt, werden allein zur Kontaktaufnahme bis auf reitenden Boten und Telegramm alle analogen und digitalen Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme angeboten: Telefon, Messenger Apps (WhatsApp, Swisscom IO), klassische Mail, SecureMail, Online Formulare, Post, Fax oder eben der Besuch der Filiale. Hinzu kommen Onlinebanking und Mobile Banking. Auch Social Media wird genutzt. Der Chef selbst twittert höchstpersönlich. Für Bank-Vorstände noch keine Selbstverständlickeit. Erst recht, wenn er mit Smilies kommuniziert – in der konservativen Branche fast noch ein Affront.

Neben diesen für das Retail Banking wichtigen Kanälen wird Digital Signage genutzt, dies aber maßvoll. In den insgesamt sechs Filialen der GLKB hat man Plakate ausgemistet und setzt in der Filiale oder im Schaufenster auf Screens. Die Hauptstelle nutzt auch Outdoor Signage über eine Stele am Eingangsbereich. In toto sind also etwa zehn bis zwölf Large Format Screens installiert, wie es auf Nachfrage heißt. Als Dienstleister für Digital Signage ist seit Jahren die JLS Digital AG im Boot.

Was alles den sehr großen finanziellen und branchenintern bewunderten Erfolg bei weitem noch nicht erklärt. Denn die GLKB hat verschiedene Digitalplattformen auf den Weg gebracht, mit denen sie richtig gut verdient. Auch für deren Entwicklung werden einige der 2012 installierten 200 Workstations und  350 Monitore (letztere allesamt: Eizo Flexscan 24-Zöller vom Typ EV2450) genutzt worden sein, die in Glarus in Back Offices, im Trading und Kundenbereichen in Betrieb sind. Entwickelt wurden so etwa die erste reine Online-Hypothekenplattform der Schweiz (Ausleihe von Immobiliendarlehen), den Hypomat der inzwischen auf Lizenzbasis auch von andern Schweizer Kantonalbanken sowie Pensionskassen genutzt wird. Seit 2014 sind digitale Plattformen wie der Risikomat (Todesfallversicherungen) und der Kontomat am Start. Bei letzterem können Kunden sich Sparprodukte eigenhändig zusammenstellen. Weitere Digitalprojekte sind in Vorbereitung. Für die Endkunden-Seite soll es künftig Zugriff auf einen digitalen Berater sowie ein Internetcockpit geben, schrieb Finanz und Wirtschaft im Februar 2016. Von diesem aus solle der Kunde „die ganze Welt offen“ haben, wird Rhyner in dem Artikel zitiert. Zudem wird laut dem Artikel darüber nachgedacht, mit einem Zweig Software-Entwicklung ein zweites Standbein aufzubauen.

Im Unterschied zu anderen Instituten gilt: „Wir machen’s einfach.“ Ein wenig Start up ist also längst in die DNA der GLKB eingewoben. Vielleicht liegt es ja auch an dem Schachbrettmuster der Straßen in der Stadt Glarus, dass sie dort inzwischen andere Wege gehen als andernorts – kürzere, digitalere.

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