Serie Banking 2.0

Nidwaldner Kantonalbank modernisiert ihren Flagship

- Nach weniger als sechs Jahren hat die Nidwaldner Kantonalbank (NKB) ihren Flagship in Stans umfassend modernisiert. Die Denke dahinter: Man wird weniger Bank. Warum das für Kundschaft und Mitarbeiter attraktiv ist. von Thomas Kletschke

Empfang im Flagship der Nidwaldner Kantonalbank (Foto: NKB)

Empfang im Flagship der Nidwaldner Kantonalbank (Foto: NKB)

Im November 2011 startete die Nidwaldner Kantonalbank einen strukturellen Umbau ihres Filialnetzes. Das Konzept: Die bisherige Hauptstelle in Stans wurde zum Flagship geadelt. In einer weiteren großen Filiale in Stans* wurden unter anderem Digital Signage-Screens – damals zwei 70″ Large-Format-Displays – für die emotionale Kundenansprache genutzt wurden, wie man zugleich auch in der Zentrale auf Screens für interne und effizienzsteigernde Zwecke setzte (Anzeige von automatisierten Raumbuchungen für die Mitarbeiter).

Jetzt hat das Schweizer Institut erneut in seinen Flagship investiert. Mitte Juli 2017 war Wiedereröffnung. So baute die NKB die Kundenhalle um und vergrößerte den Multimedia-Raum. Hinzu kommen neue interaktive Elemente.

Hinter der zunächst unspektakulär klingenden Maßnahme stehen mehrere Erkenntnisse aus sowohl bleibenden Kundenbedürfnissen wie verändertem Kundenverhalten, die bei den Bankern dazu geführt haben, es mit weniger Bank zu wagen – ohne das Kerngeschäft aus den Augen zu verlieren.

Auch für die NKB gilt: Viele Bankgeschäfte werden heute via Smartphone oder Computer erledigt. Bartransaktionen und einfache Dienstleistungen am Bankschalter hätten in den vergangenen Jahren „markant abgenommen“. Die Dienste am Schalter würden immer weniger beansprucht, so die Bank in einer Stellungnahme. „Diese Entwicklung hat uns bestärkt, die Kundenhalle am Hauptsitz den veränderten Bedürfnissen anzupassen“, begründet Heinrich Leuthard, Vorsitzender der Geschäftsleitung, die Maßnahmen an gleicher Stelle.

Wie bei vielen anderen Flagships in Europa – allen voran im deutschsprachigen Raum vor allem in Österreich und der Schweiz – hat man dabei alte Zöpfe abgeschnitten. Wer die Halle betritt, wird von einem Mitarbeiter persönlich empfangen und je nach Anliegen zu einem Service-Desk für Basisgeschäfte, an einen der fünf Automaten – 2x ATM für Auszahlungen in CHF oder Euro, 2x ATM für Einzahlungen, 1x Geldwechsler – alle 24/7 nutzbar – in die Wartezone für vereinbarte Termine oder in eines der sechs Beratungszimmer begleitet. Für Kunden, die einen gesonderten Beratungsplatz wünschen, ändert sich also nichts.

Für Mitarbeiter bedeutet dies allerdings mehr Arbeit in öffentlich zugänglichen Bereichen. Entsprechend wurden sie auf die „Arbeit auf dem Präsentierteller“ oder ihre neue Aufgabe als Conferencier (oder eine ganz andere, bislang branchenfremde Tätigkeit) vorbereitet.

Exkurs: Generell ist die Transformation des Berufs auch bei den Arbeitnehmervertretern der Schweizer Banken angekommen. Diese sind also gewillt mitzumachen, wenn man sie lässt. Das zeigt ein in dieser Woche veröffentlichtes Statement von Roger Bartholdi, dem Präsidenten des Zürcher Bankpersonalverbands, der anlässlich des 100. Geburtstags seiner Regionalgruppe der heutigen Gewerkschaft SBPV zu den aktuellen Herausforderungen für Bankangestellte sagte: „In der Regel ist das Personal bereit, neue Aufgaben zu übernehmen, man muss seitens Arbeitgeber jedoch auch die Chance dazu bekommen.“ Denn trotz Stellenabbau gebe es zahlreiche offene Stellen. Für die Transformation von einer Stelle zu einer anderen würden ständige Aus- und Weiterbildungen benötigt, um neue Aufgaben zu übernehmen.

Neben den zum Flagship-Konzept gehörenden neuen Jobs und veränderten Arbeitsbedingungen gehört vielleicht auch bald eine Art AV- bzw. VR-Experte im Dienste der Kunden – vergleichbar mit neuen Jobprofilen, wie sie 2016 an dieser Stelle im sonst so malerischen Schwarzwald oder 2017 in diesem Institut im bodenständigen Bayern auftauchten.

Der bestehende Multimedia-Raum im obersten Stock wurde vergrößert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses „NKB Forum“ ist modular aufgebaut und bietet Platz für kleinere Besprechungen sowie Seminare für zehn bis 120 Personen. Mit neuester AV-Technologie und Infrastruktur ausgestattet kann das Forum ab November 2017 für externe Veranstaltungen gebucht werden. Dazu ist ein separater Eingang mit Lift vorhanden. Damit wird die Nidwaldner Kantonalbank also auch nebenbei zur Event-Location – so wie manch anderer schicker Banken-Flagship in bester Lage auch.

In der Kundenhalle wurde zudem ein interaktives und screen-basiertes System installiert – ein Foto der Installation finden Sie an dieser Stelle bei den Kollegen der Nidwaldner Zeitung. Nach invidis Informationen handelt es sich dabei übrigens um ein Schweizer Produkt, den in diesem Sommer gelaunchten Virtuellen Portier (ViPo) von SwissScreen. Die Gesamtkosten für den Umbau des Flagships liegen im „niedrigen siebenstelligen Franken-Bereich“, so NKB-Bankratspräsident Christian Waser gegenüber der Nidwaldner Zeitung.

Seit Juli 2017 trommelt die NKB zudem per Social Media für sich: Seitdem existieren ein eigener Facebook-Account und eine Präsenz bei Instagram*. Im März 2017 ist auch der neue Corporate-Auftritt (Responsive) im Web live gegangen, der von der Calydo AG stammt.

* In der ursprünglichen Fassung hieß es, dass der Flagship in Stans 2011 mit 70″ Screens ausgestattet wurde. Korrekt ist, dass es sich um eine andere Filiale handelt. Zudem hatten wir versehentlich geschrieben, dass die NKB in Twitter aktiv ist. Die NKB hat dort keine Präsenz, wohl aber auf Instagram.

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