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Projektionen erinnern an Rail Mail – Londons alte Post-U-Bahn

- Von 1927 bis 2003 transportierte Royal Mail Postsendungen in London mit einer eigenen speziellen U-Bahn-Linie. Jetzt dient sie als unterirdische Museums-Bahn im British Postal Museum – inklusive spektakulärer Projektionen in 21 m Tiefe. von Thomas Kletschke

Früher waren es Briefe, heute reisen Menschen mit der Rail Mail – und zwar in die Vergangenheit (Foto: The Postal Museum)

Früher waren es Briefe, heute reisen Menschen mit der Rail Mail – und zwar in die Vergangenheit (Foto: The Postal Museum)

Mehr als 75 Jahre betrieb die britische Post eine eigene, rund 10 km lange U-Bahn unter den Straßen Londons. In 21 m Tiefe waren zweitweise bis zu acht Bahnhöfe in Betrieb. Die kleineren Post-Bahnwagen auf der kleineren Spurbreite bretterten mit bis zu 40 km/h durch die Stollen und Tunnel, manche von ihnen lediglich 2 m breit.

Als Mail Rail im Jahr 2003 ihren Betrieb aufgrund von Postfilialschließungen sowie günstigerer Straßenbeförderung einstellte, hielten eine Hand voll Ingenieure das Netz fortlaufend in Schuss, für den Fall – dass es je wieder benötigt werden würde. Im Jahr 2015 hat das British Postal Museum einen Teil des Streckennetzes übernommen. Das Ziel: Rail Mail in ein besonderes Museum zu verwandeln, das den Besucher auf eine unterirdische Zeitreise mitnimmt.

Die Attraktion – Londons erste Museumsneueröffnung seit einem Jahrzehnt – eröffnete im September 2017 ihre Tore. Allein im Oktober 2017 kamen 15.500 Menschen, um zu sehen, wie Postbeförderung unter Tage so läuft. Die Besucher von Rail Mail können eine Miniatur-Eisenbahn besteigen, die sie in den ehemaligen, für Wartungszwecke verwendeten Betriebsbahnhof hinunter transportiert, Tropfsteintunnel durchquert und sie nach einem 20 Minuten dauernden audiovisuellen Spektakel wieder am Startpunkt absetzt – ermöglicht durch AV-Technik. Zum Einsatz kommen Projektoren von Digital Projection.

AV-Integrator D J Willrich (DJW) zeichnet für das außergewöhnliche Projekt verantwortlich – DJW hat zahlreiche Museumsprojekte umgesetzt, unter anderem auch seinerzeit dieses mit den James Bond-Karren im National Motor Museum .

In der anfänglichen Planungsphase wurden Projektionstests durchgeführt, um sicherzugehen, dass das Konzept den Anforderungen einer fesselnden sowie informativen Besuchererfahrung gerecht wird. Josh Miller, Projektleiter bei DJW erklärt: „Aufgrund der besonderen Eigenschaften dieser Attraktion kam der Minimierung von Wartungsarbeiten bei der Auswahl des Laserprojektionssystems eine wesentliche Rolle zu.“ Nach den Tests entschied man sich für Projektoren des Typs E-Vision Laser 8500.

Mit der visuellen Zeitreise zurück in die Vergangenheit, hindurch durch die ursprünglichen Tunnel und vorbei an den alten Bahnsteigen, führt Mail Rail die Besucher tief unter die Sortierstelle Mount Pleasent der Royal Mail, wo die original erhaltenen, weitestgehend unveränderten Bahnsteige zu sehen sind. Vor dem Besteigen des Zuges wird den Besuchern in einer ersten und 4 m breiten Projektion die Geschichte der Mail Rail näher gebracht. Diese 240 m² große Freifläche wird außerdem als Veranstaltungsort für Unternehmensveranstaltungen genutzt, wobei der Projektor bei solchen Anlässen bedarfsweise an zusätzliche Quellen angeschlossen werden kann.

Im Anschluss besteigen die Besucher den Zug und begeben sich auf eine 15-minütige Fahrt durch die Tunnel inklusive Audio-Kommentaren, während sie hinunter zum ersten Bahnsteig gebracht werden. Dort wird eine Mischung aus Archivmaterial und animierten Grafiken auf einer 18 m breiten Fläche projiziert. Die Auflösung der Projektion liegt bei 7.000 x 1.200 p. Ein 7th Sense Delta Infinity Server und fünf Projektoren sind hier im Einsatz.

An einem zweiten Bahnsteig wird die Reise dreier Briefe im London der 1930er Jahre erzählt. Diese 22 m-Projektion in Lebensgröße löst mit 8.920 x 1.200 p auf (1x 7th Sense Delta Infinity Serve, 7x Digital Projection E-Version Laser 8500 Projektoren).

Die Installation verlief aufgrund der Arbeit im Untergrund nicht ohne Herausforderungen – die Arbeitsumgebung machte besonders robuste Systeme erforderlich. Da die Ausrüstung stets Staub, Luftfeuchtigkeit sowie Temperaturschwankungen ausgesetzt war, mussten maßgefertigte Schutzgehäuse von VizBox gefertigt werden.

Mehrere Bahnsteige werden mit Projektionen wie dieser bespielt (Foto: Digital Projection)

Mehrere Bahnsteige werden mit Projektionen wie dieser bespielt (Foto: Digital Projection)

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