Invidis Kommentar

Ausschreibungen gewinnen ist nur der erste Schritt

- Nun also auch Leipzig. Ein niederländischer Außenwerber spuckt den beiden großen Ströer und JCDecaux in die Suppe. Mit Leipzig kann RBL Media nach Aachen zum ersten Mal auch eine Großstadt gewinnen. Stadtvermarktungsverträge sind Langläufer – 15 Jahre laufen sie in der Regel. Das ist auch notwendig, denn der Invest ist immens. von Florian Rotberg

invidis Kommentar

invidis Kommentar

Der bisherige Rechteinhaber JCDecaux muss nun bis 2019 alle Werbeträger und Stadtmöbel (Bushaltestellen) abbauen. RBL Media baut dann alles „schöner, moderner und grüner“ wieder auf. Wie „grün bzw. CO2-Neutral“ ein Abriss und Neubau wirklich ist steht auf einem anderen Blatt.

Außenwerbung Deutschland: RBL Media vermarktet in Leipzig, digitalisiert

Die Herausforderung für RBL besteht nun darin, innerhalb von einem Jahr die Übernahme vorzubereiten und die Finanzierung zu stemmen. 900 Bushaltestellen sind kein Schnäppchen, insbesondere wenn ein Teil davon digitalisiert werden. Ein ordentlicher Teil der Millioneninvestition geht in den Tiefbau um die neuen Bushaltestellen und Werbeträger mit Strom und teilweise mit Internet zu verbinden.

Dass neue Anbieter im Markt den Aufwand und die Komplexität oft unterschätzen zeigt zurzeit auch Paris. Dort wurde das öffentliche Bikesharing-Konzept nach 10 Jahren neuvergeben. Der bisherige Etathalter JCDecaux verlor das Prestigeprojekt. Die Nachfolger gewannen die Ausschreibung mit großen Versprechen. Ein Jahr später fehlen immer noch die Mehrzahl der Dockingstationen und Fahrräder. Anstelle von täglich 100.000 Anmietungen werden zurzeit nur maximal 20.000 Anmietungen gezählt. (FAZ-Artikel)

Natürlich müssen Stadtvermarktungsverträge regelmäßig ausgeschrieben werden. Aber vielleicht sorgen die Städte in Zukunft dafür, dass bei einem Betreiberwechsel nicht unsinnig abgerissen und wiederaufgebaut wird. Eine geregelte Übergabe bietet sich an. Die städtische Transport for London hat dieses zum Beispiel so umgesetzt. Der Invest in Screens und der Betrieb erfolgte durch die TfL, nur die Werbevermarktung wurde ausgeschrieben. Damit sind auch kürzere Laufzeiten möglich.

Fairerweise muss erwähnt werden, dass auch diese Art der Ausschreibung Herausforderungen mit sich bringt. Die Ausschreibung trieb die Angebote in schwindelerregende Höhen. 165 Millionen Euro zahlt der Gewinner Exterion nun jährlich für die Rechte in der Londoner U-Bahn.

DooH Markt in UK: 1,4 Mrd. Euro Deal – Exterion erhält Zuschlag in London

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.