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Loewe stellt Betrieb ein, Metz bleibt

Ab heute sind rund 400 Mitarbeitende von Loewe freigestellt. Die Produktion wurde eingestellt. Dass Produktion und Marke hätten gerettet werden können, zeigt das Beispiel des Konkurrenten Metz. Der expandiert gerade sogar.
Alte Fabrikhalle, Symbolbild (Foto: Pixabay / Tama66)
Alte Fabrikhalle, Symbolbild (Foto: Pixabay / Tama66)

Die Uhr tickt bei Loewe im bayerischen Kronach: Loewe ist plete und die Produktion ist eingestellt. Dass in dem Werk jemals wieder die Bänder angefahren werden gilt als nahezu ausgeschlossen. Ab dem 1. Juli 2019 sind fast alle der rund 400 verbliebenen Beschäftigten freigestellt. Lediglich 10 bis 15 Mitarbeiter sind jetzt noch für die Firma tätig.

Zuvor hatte das Management des 1923 gegründeten Unternehmens entschieden, sich in einer Insolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren. Grund ist demnach der Umsatzeinbruch von 20% bei den qualitativ hochwertigen Fernsehgeräten.

Loewe war das Geld ausgegangen, auch Gläubiger und Investoren wollten kein Kapital für den Weiterbetrieb geben.

Der vom Amtsgericht Coburg estellte vorläufige Insolvenzverwalter sucht nach einer Lösung. „Wir gehen davon aus, dass wir noch 4 Monate für den Investorenprozess brauchen werden“, so Insolvenzverwalter Rüdiger Weiß gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Bis Mitte Juli wolle man sich mit den Arbeitnehmervertretern einigen. „Erst wenn eine Einigung erzielt ist, dürfen Kündigungen ausgesprochen werden. Wenn sich kein Investor finden sollte, könnten die Arbeitsverträge längstens bis 31. Oktober gehalten werden.“

„Loewe hatte schon seit Jahren einen defizitären Geschäftsbetrieb“, sagte Weiß der dpa. „Alle im Unternehmen sind sich einig, dass die Vergütungsstruktur nicht angemessen ist. Allein um die Personalkosten zu decken, wäre ein Jahresumsatz von 150 Millionen Euro erforderlich, für eine schwarze Null bräuchten wir 180 Millionen Euro Umsatz. Tatsächlich waren es zuletzt 120 Millionen.“

Die Geschäftsführung will, dass das Unternehmen sich künftig auf Vertrieb, Marketing, Design und Forschung und Entwicklung konzentrieren werde. Damit machte sie klar: Eine Produktion ist nicht mehr geplant.

„Die Belegschaft von Loewe wurde die ganze Zeit verarscht“, zitierte der Bayerische Rundfunk Jürgen Apfel, den ersten Bevollmächtigten der Gewerkschaft IG Metall in Coburg. Die IG Metall ist demnach auch mit der Ernennung des vorläufigen Insolvenzverwalters Weiß unzufrieden, da dieser schon bei der Insolvenz in Eigenverwaltung kein positives Ergebnis für die Mitarbeiter aushandeln konnte.

Zudem wirft die IG Metall dem Management „Haifischkapitalismus“ vor. Es ginge nur noch um Profitmaximierung.

In den letzten Jahren war Loewe de facto nie aus dem Krisenmodus herausgekommen, invidis hatte wie andere Fach- und Publikumsmedien berichtet, zuletzt im Mai 2019.

Dass die verschiedenen Insolvenzverfahren, die Loewe bislang durchlaufen hat nicht zum Erfolg geführt haben, war nicht zwangsläufig. Dafür sind letztlich sich die Managements, Investoren und Verwalter der vergangenen Jahre verantwortlich. Im Frühjahr 2014 war mit Stargate Capital bei Loewe ein neuer Eigner an Bord gekommen.

Ein anderes Beispiel zeigt, dass es eine TV-Marke samt Produktion Made in Germany immer noch schaffen kann: Metz.

Seit Gründung durch Paul Metz im Jahre 1938 ist Deutschland Entwicklungs- und Fertigungsstandort der Firma mit Sitz in Zirndorf. Auch Metz und seine Mitarbeitenden mussten durch das Tal der Tränen. Und die Insolvenz in Eigenverwaltung führt hier zum Ziel für Gläubiger wie Beschäftigte. Denn der damalige Insolvenzverwalter Joachim Exner aus Nürnberg brachte es 2014 zuwege, dass letztlich TV-Gigant Skyworth im November 2014 einsteigen konnte.

Heute, 4,5 Jahre später, wird weiter in Zirndorf produziert; die Firma kann auf Vorteile des zur Branche gehörenden Konzerns setzen. Und Metz versichert, auch künftig weiter hierzulande produzieren zu wollen. Die Zeit zeigt, dass Metz und Skyworth Wort gehalten haben. Ein gutes Beispiel, dass der viel geschmähte Einstieg chinesischer Unternehmen nicht das Ende des Abendlandes bedeuten muss.

Damit ist Metz der letzte TV-Hersteller mit deutscher Produktion. Zudem wird bei Metz auch weiter auf F&E gesetzt.

Übrigens: Metz expandiert gerade international, Metz Classic soll bald in China verfügbar sein. In den DACH-Ländern, weiteren Teilen Zentraleuropas, Südosteuropas sowie Indien, Hongkong und neuerdings Südkorea ist die Marke METZ blue bereits eingeführt – mit jeweils länderspezifischen Produkt-Line-Ups und entsprechender für den lokalen Anspruch relevanten Ausstattung, angesiedelt im Midrange-Segment des jeweiligen Marktes. Weitere Länder folgten noch 2019. Langfristig soll METZ blue weltweit verfügbar sein.

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