Brandschutz

Keine Displays mehr verheizen

Hamburg | Welche Hürden Digital Signage-Integratoren bei der Implementierung von Brandschutzmaßnahmen nehmen müssen, zeigte eindrucksvoll der Vortrag von Ben Hur auf der Best Medientechnik 2021.
"Wir können nicht die nächsten zehn Jahre Displays nach einer Norm verbrennen, die für Baustoffe konzipiert wurde" - Walter Jünkering, CEO von Ben Hur (Foto: JOB Gruppe)
„Wir können nicht die nächsten zehn Jahre Displays nach einer Norm verbrennen, die für Baustoffe konzipiert wurde“ – Walter Jünkering, CEO von Ben Hur (Foto: JOB Gruppe)

Die Konferenz Best Medientechnik der Job-Gruppe, die im November stattfand, beschäftigte sich mit dem Thema Digital Signage und Brandschutz. Welchen Herausforderungen Digital Signage-Integratoren im Alltagsgeschäft begegnen, zeigten dabei zwei Vorträge der Digital Signage-Integratoren Ben Hur und gekartel.

Brandschutz: Unklarheit verhindert Digitalisierung

Walter Jünkering vom Digital Signage-Integrator Ben Hur kann bereits auf einige Erfahrung mit dem Thema Brandschutz zurückgreifen. Zusammen mit der Lang AG und der Job-Gruppe realisierte er bereits 2020 eine Lösung mit integriertem Brandschutz am Frankfurter Flughafen – heute ist die Lösung unter anderem dort zum Standard geworden. Der Weg dahin war allerdings kein einfacher: Zahlreiche Experimente, Diskussionen mit Brandschutzbeauftragten und Rückschläge musste das Unternehmen hinter sich bringen.

Hersteller liefern keine Informationen

Als besondere Herausforderung sieht Walter Jünkering zuallererst die fehlenden Regulierungen, die zu oft ein Trial-and-Error-Vorgehen forcieren – bei einem großen Digital Signage-Projekt ein Ding der Unmöglichkeit. Hinzu kommt der kurze Produktlebenszyklus in der Medientechnik: Durch die Entwicklung neuer Produkte ist das Definieren eines brandschutzkonformen Standards für den Integrator schwer. Zudem würden Hersteller keine fundierten Informationen zum Brandverhalten oder zur Brandlast liefern.

Brandschutz: Digital Signage als Teil der Lösung

Somit wird bei einem Projekt mit hohen Brandschutzanforderungen immer ein komplexer Prozess bei Ben Hur in Gang gesetzt: In einer zertifizierten Prüfanstalt wird das Brandverhalten des Produkts analysiert, gefolgt von einer intensiven Diskussion mit dem projektverantwortlichen Brandschutzgutachter. Dann kommt es zu einer Modifikation des Produkts, und dieses wird wiederum verbrannt. Als letzter Schritt optimiert Ben Hur das Brandschutzkonzept in enger Zusammenarbeit mit den Brandschützern vor Ort.

Schneller Handlungsbedarf

Zu den Lösungsschritten gehört unter anderem die Modifikation des Displays – zum Beispiel das Ersetzen von brennbaren Kunststoffkomponenten durch Metallteile. Auch die Integration von Löschsystemen, die einen Brand von innen verhindern, gehören dazu. Andere Ansätze sind denkbar, aber praktisch kaum umsetzbar, zum Beispiel das Einhausen in ein nicht-entflammbares Material. Eine andere Option ist zum Beispiel das Platzieren von Sprinklern an der Risikoquelle, aber das bedeutet beim Auslösen einen Totalschaden. Besser sind hier Geräte-integrierte Lösungen, die dann auch das Austauschen eines einzelnen Moduls erlauben.

Brandschutzkonforme Stele von Ben Hur und der Lang AG (Foto: JOB Gruppe)
Brandschutzkonforme Stele von Ben Hur und der Lang AG (Foto: JOB Gruppe)

Insgesamt sieht Walter Jünkering schnellen Handlungsbedarf, was die Vereinheitlichung von Brandschutzanforderungen betrifft: „Die gewollte Digitalisierung geht zwangsläufig einher mit immer mehr Infoflächen im öffentlichen Raum, immer größeren Werbeflächen und der damit verbundenen digitalen Steuerung.“ Und für diese Installationen muss auch in Brandschutz-sensiblen Bereichen ein sinnvolle Regelung herrschen. „Wir können nicht die nächsten zehn Jahre Displays nach einer Norm verbrennen, die für Baustoffe konzipiert wurde“, fasste der CEO von Ben Hur zusammen. Eine Feststellung, der sich sicherlich viele andere DS-Integratoren anschließen werden.

Brandschutz und Digital Signage: Zuhören, diskutieren, umsetzen