Rundfunk

USA testen DooH über Antennensignal

Der US-Broadcaster Sinclair und der Digital Signage Integrator USSI testen in den USA die Übertragung von Content und Daten an hunderte von DooH-Screens nicht über das Internet sondern via einem neuen rückkanalfähigen digitalen terrestrischen Rundfunkstandard ATSC 3.0.
DooH-Content via Terrestrischen Rundfunk (Foto: Kaan Kosemen / Unsplash)
DooH-Content via Terrestrischen Rundfunk (Foto: Kaan Kosemen / Unsplash)

Ein spannender Versuch startet in den USA: Der Broadcaster Sinclair – Betreiber von hunderten von Lokal-TV und Sportkanälen und erzkonservativer glühender Trump-Unterstützer – kooperiert mit dem Digital Signage Service Anbieter USSI Global um DooH-Screens via rückkanalfähigen digitalen TV-Sendeanlagen mit Content zu versorgen. So berichtet der invidis-Partner Sixteen-Nine am Gründonnerstag.

Der Pilotbetrieb der Sinclair Broadcast Group und des Digital Signage Integrators USSI Global erfolgt mit einem DooH-Netzwerk von in EV-Ladesäulen integrierte Screens. Die Übertragung der lokalen Inhalte, DooH-Werbung und Daten erfolgt über den NextGen Broadcast-Standards (ATSC 3.0), dem nordamerikanischen Pendant zum europäischen DVB-Standard, der als DVB-RCT auch rückkanalfähig ist. Allerdings ermöglichte der europäische DVB-RCT Rückkanal nur die Übertragung von ein paar Kilobytes pro Sekunde. Die Entwicklung wurde daher eingestellt.

invidis Kommentar

Der Vorteil einer IP-basierten terrestrischen Datenübertragung liegt darin, dass sie bei vorhandener TV-Sendeinfrastruktur auch in ländlichen Gebieten hohe Übertragung ermöglicht, wo schneller Mobilfunk nicht verfügbar ist. Außerdem kann in Notfall-Situationen öffentliche Warnmeldungen auch an DooH-Screens übertragen werden, ohne funktionierenden Mobilfunknetz. Die Hochwasser-Katastrophe im letzten Sommer in Rheinland Pfalz und NRW zeigte, wie schwierig Notfall-Kommunikation ohne funktionierender Mobilfunk-Infrastruktur ist.

Mit der Einführung von ATSC3.0 im Laufe des Jahrs 2022 will Sinclair auch individuelle Werbung für jeden TV-Nutzer ausspielen. Ein Feature das auch für programmatische DooH-Kampagnen sinnvoll ist

Experten sehen das sich die Rundfunktechnologie ATSC 3.0 und der Mobilfunkstandard 5G gut ergänzen können. Es bleibt abzuwarten ob und wann ATSC 3.0 auch in Europa eingeführt wird. Immerhin hat der Münchner Technologiekonzern Rohde & Schwarz bereits eigene ATSC basierte Sendeinfrastrukturlösungen entwickelt.