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Rechenzentren könnten Städte heizen

Die Abwärme von Datacentern könnte als Heizwärme genutzt werden und somit dabei helfen, fehlendes Gas aus Russland zu ersetzen. Doch die Infrastruktur sei dafür nicht geschaffen worden, kritisiert der Verband Eco.
Server-Abwärme könnte zum Heizen verwendet werden. (Symbolbild; Foto: Ian Battaglia/Unsplash)
Server-Abwärme könnte zum Heizen verwendet werden. (Symbolbild; Foto: Ian Battaglia/Unsplash)

Nach Eco, dem Verband der Internetwirtschaft, könnten die von Rechenzentren erzeugte Wärme helfen, deutsche Großstädte deutlich energieeffizienter zu heizen – bis hin zu einer langfristigen CO2-Neutralität, wenn die Wärme konsequent genutzt wird. Als Beispiel nennt der Verband Frankfurt am Main: Nach ersten Prognosen könnte der Standort von mehr als 60 Datacentern und des weltweit größten Internetaustauschknotens: Bis 2030 könnten hier rein rechnerisch sämtliche Wohn- und Büroräume durch die Abwärmenutzung eine klimaneutrale Wärmezufuhr erhalten.

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Gerade angesichts der drohenden Energiekrise, könnte die Abwärmenutzung also eine interessante Alternative zu russischem Gas darstellen. Dies sei allerdings laut Béla Waldhauser, Sprecher der unter dem Dach des Eco-Verbands gegründeten Allianz zur Stärkung digitaler Infrastrukturen in Deutschland, kurzfristig nicht umsetzbar. Politik und Behörden in Deutschland hätten nicht rechtzeitig die entsprechenden Rahmenbedingungen gesetzt.

„Die traurige Realität ist: Um den aktuellen Energiebedarf mit Abwärme zu decken, hätte die Bundesregierung hier zehn Jahre früher ansetzen müssen – Deutschland hat die Wärmewende schlichtweg verschlafen“, sagt Béla Waldhauser. „Die Abwärmenutzung von Rechenzentren wird in den kommenden Jahren definitiv zu den Toplösungen zählen, wenn wir Energiekosten und noch dazu CO2 einsparen wollen. Doch selbst wenn die Politik jetzt den Turbogang einlegt und Verfahren beschleunigt, werden wir bis zum nächsten Winter nicht mit mehr Abwärme als Ersatz zu russischem Gas planen können.“

Investitionen sind nötig

Laut dem Eco-Sprecher hätten Bund, Länder und Kommunen schon sehr viel eher in das Fernwärmenetz investieren müssen. So sei es bei sogenannten Wärmenetzsystemen der vierten Generation möglich, Rechenzentren-Abwärme kostengünstig sowie effizient einzubinden und die daraus gewonnene Energie über mehrere Kilometer hinweg an Haushalte und Gewerbeanbieter zu verteilen. Doch verpuffe die meiste Abwärme aktuell entweder ungenutzt in der Luft oder werde oft ins Nahwärmenetz eingespeist – dann kann sie nur für Wohn- und Bürokomplexe in der unmittelbaren Nachbarschaft verwendet werden. Noch dazu stamme etwa die Hälfte der Heizungssysteme deutscher Privathaushalte aus dem vergangenen Jahrhundert und sei damit mehr als 20 Jahre alt.

Um zumindest innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre eine Alternative zu Gas bereitzustellen, fordert Béla Waldhauser von der Politik, dass Betreiber beim Ausbau von Abwärmesystemen mehr gefördert und Genehmigungsprozesse für den Neubau sowie die Modernisierung von Rechenzentren deutlich verschlankt werden.

Deutsche Pilotprojekte sind etwa das das Cloud-Rechenzentrum im Gebäudekomplex Eurotheum sowie das aktuelle Bauprojekt Westville im Frankfurter Gallus, bei dem rund 1.300 Mitwohnungen sowie Gewerbe- und Einzelhandelsflächen bis Mitte 2025 ebenfalls zum Teil durch die Abwärme von Rechenzentren abgedeckt werden sollen. Béla Waldhauser hofft nun, dass die Energiekrise zu einem Umdenken in der Politik führt. Bund, Länder und Kommunen sollten die Potenziale der Digitalisierung bei der Wärmeproduktion für private Haushalte sowie Büros nutzen – auch im Sinne der Nachhaltigkeit.