Ströer-Co-CEO Christian Schmalzl wird das Unternehmen nach Ablauf seines derzeitigen Vertrags im Sommer 2028 verlassen. Der langjährige Top-Manager, der maßgeblich daran beteiligt war, Ströer von einem traditionellen Außenwerbeanbieter zu einem diversifizierten Digitalmedienkonzern zu entwickeln, teilte dem Unternehmen mit, dass er für eine Verlängerung nicht zur Verfügung steht.
Geboren 1973 in Niederbayern, kam Christian Schmalzl 2012 als COO zu Ströer und wurde im März 2017 Co-CEO. Im Führungsduo, das er gemeinsam mit Firmengründer Udo Müller bildete, prägte Schmalzl die strategische Ausrichtung des Konzerns in einem Jahrzehnt tiefgreifender Veränderungen. Er gilt weithin als Architekt der OoH-Plus-Strategie von Ströer, mit der das Unternehmen weit über seine traditionellen Wurzeln in der Außenwerbung hinaus neu positioniert wurde. Unter seiner Führung baute Ströer sein Portfolio durch eine Reihe von Akquisitionen systematisch aus und integrierte Online-Portale wie T-Online, den globalen Datenanbieter Statista, Beauty- und E-Commerce-Unternehmen sowie Kundeninteraktionsdienste, einschließlich Callcentern.
Gleichzeitig leitete Christian Schmalzl den entscheidenden Vorstoß des Unternehmens in den Bereich Digital-out-of-Home. Heute ist Ströer mit einem geschätzten Marktanteil von 80 Prozent der dominierende Akteur auf dem boomenden deutschen DooH-Markt. Während das Unternehmen seine Präsenz im Inland stärkte, veräußerte es nach und nach den Großteil seiner früheren internationalen OoH-Vermögenswerte in Europa und im Nahen Osten und konzentrierte sich auf den Aufbau eines schlanken und hochprofitablen deutschen Medienkonzerns. Statista, eine der bedeutendsten Akquisitionen der Gruppe, hat sich seitdem zu einer weltweit anerkannten Datenmarke entwickelt.
Viel Zeit zur Vorbereitung
Ströers Entwicklung zu einem der gefragtesten Medienunternehmen Deutschlands hat wiederholt das Interesse großer Investoren geweckt. In den vergangenen 18 Monaten gab es Berichten zufolge mindestens zwei groß angelegte Verkaufsprozesse, die jedoch beide aufgrund unterschiedlicher Bewertungserwartungen letztlich scheiterten. Branchenbeobachter hatten auch lange spekuliert, dass Christian Schmalzl nach mehr als einem Jahrzehnt in der Unternehmensspitze eine neue berufliche Herausforderung suchen könnte, zumal das Unternehmen nach der Pandemie einen stabilen Kurs zu steuern schien. Seine Entscheidung, 2028 zurückzutreten, kommt daher intern wenig überraschend.
Da Christian Schmalzl bis zum Ende seines Vertrags im Sommer 2028 in seiner Funktion verbleibt, tritt Ströer nun in eine kontrollierte Übergangsphase ein. Der Aufsichtsrat kann den Nachfolgeprozess ohne Druck vorbereiten, ein Luxus, den man sich bei Führungswechseln dieser Größenordnung selten leisten kann. Für Ströer werden die kommenden Jahre eine wichtige strategische Phase darstellen: die weitere Ausweitung seiner Präsenz im Bereich der digitalen Medien bei gleichzeitiger Sicherung der Stabilität an der Spitze nach dem Ausscheiden eines der einflussreichsten Führungskräfte des Unternehmens.



