Über die Vorhalle der Kirche betreten Besucher das Kirchenschiff, in dem die Projektoren bereits beim Ankommen aktiv sind. Lichtprojektionen erleuchten Decken, Säulen und Wandflächen, während erste Klänge den Raum füllen und in die Inszenierung einführen, die sich stehend, sitzend oder liegend auf Sitzsäcken aus horizontaler Perspektive erleben lässt.
Vom 11. Januar bis zum 12. April 2026 ist Infinity in der St.-Markus-Kirche in München zu sehen. Das Zürcher Künstlerkollektiv Projektil präsentiert mit der Arbeit eine immersive audiovisuelle Installation, deren Inszenierung bereits vor dem eigentlichen Showbeginn einsetzt.
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Die rund 30-minütige Inszenierung setzt auf 360-Grad-Projection-Mapping und Surround-Sound, die das Publikum räumlich umgeben und eine immersive Atmosphäre erzeugen. Musikalisch verbindet die Installation Werke Johann Sebastian Bachs mit modernen Klangwelten. Ergänzt wird das audiovisuelle Konzept durch eine begleitende Stimme mit Texten von Alan Watts, die dem Erlebnis eine zusätzliche inhaltliche Ebene verleiht.
Visuelle Schwerpunkte im Raum
Thema der von acht Projektoren auf Wände und insbesondere die Decke projizierten Show ist – nomen est omen – die Unendlichkeit. Der Großteil der visuellen Inszenierung entfaltet sich oberhalb des Publikums an der Decke: In Endlosschleifen angelegte Animationen bespielen Deckenflächen, Säulen und Wandbereiche der Kirche. Die gesprochene Textpassagen von Alan Watts begleiten die Projektionen, relativieren die eigene Existenz im Gefüge des Kosmos und eröffnen eine nihilistische Perspektive.

Solche raumbezogenen Inszenierungen sind mittlerweile deutschlandweit an prominenten Orten wie dem Kraftwerk Berlin oder dem Gasometer Oberhausen zu finden. Mit der St.-Markus-Kirche arbeitet Infinity in einem überschaubaren Raum, dessen Architektur die Inszenierung maßgeblich prägt.
Architektur als Ausgangspunkt der Inszenierung
Dabei entschied sich das Künstlerkollektiv bewusst für die St.-Markus-Kirche. Auf dieser Grundlage orientiert sich die Inszenierung grundsätzlich an der Architektur sakraler Räume und wird im nächsten Schritt an die spezifischen räumlichen Besonderheiten des jeweiligen Aufführungsorts angepasst. Jonas Sommer vom Künstlerkollektiv sagt: „Die Show ist auf diesen Raum ausgerichtet – und genau das macht sie einzigartig. Kirchen sind epochal, sie sind mystisch, und genau das passt gut zu dieser Art von Unendlichkeit.“
Er erklärt, die Show sei zunächst allgemein für Kirchen konzipiert worden und werde inzwischen in verschiedenen Städten gespielt – das Kollektiv ist weltweit aktiv. „Grundsätzlich wurde die Show für den Kirchenraum entwickelt“, erklärt er. Anschließend beginne die Arbeit des Adaptionsteams, das die Inszenierung jeweils auf die konkrete Architektur übertrage. Die Entwicklung der Show erstreckte sich dabei über einen Zeitraum von rund einem Jahr.
- 360-Grad-Projektion im Kirchenraum (Foto: Invidis)
- 360-Grad-Projektion im Kirchenraum (Foto: Invidis)
In der technischen Umsetzung legen die teils in Endlosschleifen angelegten Animationen und die großflächige Bespielung des Raums zunächst den Einsatz AI-gestützter Werkzeuge nahe. Zwar komme man „am Thema AI kaum noch vorbei“, konkrete Angaben zum Einsatz von AI macht das Kollektiv jedoch nicht.
Stattdessen erfolgt die Anpassung weiterhin manuell: „Das Mapping wird per Hand ausgeführt.“ Die einzelnen Showelemente werden präzise in die jeweilige Kirchenarchitektur integriert, um die Show an unterschiedlichen Orten realisieren zu können.

Auf invidis-Nachfrage verzichtet das Kollektiv bewusst auf detaillierte technische Angaben, um die immersive Illusion der Show zu bewahren.
Infinity ist vom 11. Januar bis zum 12. April 2026 in der St.-Markus-Kirche in München zu sehen. Die Installation ist ab 17:15 bis 21:45 Uhr geöffnet; Öffnungstage und -zeiten variieren je nach Woche. Tickets sind über die Infinity-Website erhältlich.




