Es ist nun ein Jahr her, seit ich offiziell die Rolle des CEO bei Intuiface übernommen habe. Derartige Jubiläen sind ein guter Anlass, zurückzublicken und zugleich das kommende Jahr zu planen.
Als ich mich vor einem Jahr entschieden habe, Teil dieses Teams zu werden, lag das nicht nur daran, dass mir die Technologie gefallen hat. Auch wenn sie – zugegeben – brillant ist. Es lag daran, dass ich einen gewaltigen, noch ungenutzten Wandel am Horizont der digitalen Kommunikation gesehen habe. Ich habe eine Branche erkannt, die an genau dem gleichen Abgrund steht, an dem Medien und Unterhaltung vor einem Jahrzehnt standen.
Die Digital Signage-Welt war lange Zeit bequem. Sie hat sich auf das sichere, vorhersehbare Modell der Playlist verlassen: ein Bild auf einen Screen bringen, es von 9 bis 17 Uhr einplanen und hoffen, dass jemand lange genug vom Handy aufschaut, um es zu bemerken. Aber Hoffnung ist keine Strategie – und passives Ausstrahlen reicht heute nicht mehr aus.
In den vergangenen zwölf Monaten hat sich diese Überzeugung bei mir nur weiter gefestigt. Wir bewegen uns weg von Displays, die Menschen nur etwas vorsetzen, hin zu Erlebnissen, die mit ihnen in den Dialog treten.
Der „Streaming-Moment“ für physische Räume
Mein beruflicher Hintergrund in der Medienbranche – ich habe mehr als zwölf Jahre bei mehreren führenden Softwareanbietern in diesem Umfeld gearbeitet – verschaffte mir einen direkten Blick auf das Ende des linearen Fernsehens. Wir erlebten, wie sich das Publikum vom Modell „zurücklehnen und empfangen“ abwandte und stattdessen das Modell „nach vorne lehnen und auswählen“ des Streamings annahm. Zuschauer akzeptierten nicht länger vorgegebene Programme, sondern verlangten nach Autonomie. Sie wollten ihren eigenen Weg wählen.
Als ich mir im vergangenen Jahr die Digital-Signage-Landschaft ansah, erkannte ich dort vielerorts genau dieses „lineare Fernsehen“ wieder: statische Menüboards, in Endlosschleifen laufende Unternehmensbotschaften, stumme Videowalls. Eine Einbahnstraße vorprogrammierter Inhalte.
Digital Signage & DooH: Die invidis Jahreskommentare 2025/2026
Der Grund, warum ich zu Intuiface gewechselt bin – und die treibende Kraft hinter unserer Strategie für 2025 und darüber hinaus – ist, diesen „Streaming-Moment“ in physische Räume zu bringen. Das heutige Publikum ist digital geprägt. Es tippt, wischt, fragt ab. Es will nicht belehrt werden, sondern interagieren.
Wenn eine digitale Strategie keine Handlungsmacht zulässt, hinkt sie nicht nur hinterher – sie bleibt unsichtbar.
Der ROI von Interaktion
Eine der größten Frustrationen im klassischen Digital Signage waren schon immer die Kennzahlen – oder genauer gesagt: ihr Fehlen. Branchenstandard war lange Zeit der sogenannte „Proof of Play“. Lief der Content? Ja. Hat es jemanden interessiert? Das weiß niemand.
Genau deshalb ist der Übergang zu interaktiven Anwendungen nicht nur eine kreative Entscheidung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Interaktive Erlebnisse geben dem Nutzer die Kontrolle. Er erkundet Inhalte, reagiert, tritt in Kontakt. Im Gegenzug erhalten Unternehmen etwas, das ihnen bislang weitgehend gefehlt hat: belastbare Engagement-Daten. Sobald Nutzer mit Inhalten interagieren – per Touch, Sprache, Aufmerksamkeit oder anderen Interaktionsformen – entstehen Daten.
Die Branche bewegt sich damit von „Impressions“ hin zu „Interactions“. Es lässt sich messen, wie, wo und wann Menschen mit Inhalten interagieren. Digitale Kommunikation wird so vom reinen Kostenfaktor zu einer messbaren, iterativen Disziplin mit klar nachvollziehbarem ROI und kontinuierlicher Optimierung.
AI als kreativer Copilot
Damit komme ich zur bislang bedeutendsten Investition, die wir bei Intuiface in meinem ersten Jahr getätigt haben.
2025 war das Jahr, in dem AI allgegenwärtig wurde – zugleich aber auch laut. Zahlreiche Produkte wurden um generische Funktionen ergänzt wie „Chat mit deinem PDF“ – oder sie verpackten einfache Large Language Models in eine ansprechende Benutzeroberfläche und bezeichneten dies als Innovation.
Bei Intuiface haben wir einen anderen Weg gewählt. Wir haben uns entschieden, die Erstellung interaktiver Erlebnisse grundlegend neu zu denken. AI wird dabei als echter kreativer Copilot integriert – mit Fokus auf jene Aufgaben, die Teams im Alltag ausbremsen.
AI verstehen wir nicht als Content-Generator für austauschbare Marketingtexte, sondern als eine Art „Underlord“, der im Hintergrund arbeitet. Sie orchestriert Layouts, übernimmt Datenanbindungen, steuert Logiken und sorgt für adaptive Inhalte.
Die AI wird direkt in den kreativen Kernprozess eingebunden und unterstützt bei:
- Struktur und Logik: automatische Organisation komplexer Navigationspfade
- Infrastruktur: Verwaltung von Schnittstellen, APIs und Datenverbindungen
- Storytelling: Vorschläge für Abläufe, die die Nutzerbindung erhöhen
Indem AI die technischen Mechaniken übernimmt, gewinnen Kreative Freiraum für Bedeutung, Emotion und Gestaltung. Es geht nicht darum, menschliche Kreativität zu ersetzen, sondern Reibung zu entfernen – damit gute Ideen schneller zur umgesetzten Realität werden.
Ausblick auf 2026
Mit Blick auf mein zweites Jahr und die weitere Entwicklung der Branche 2026 ist unsere Entscheidung klar: Wir setzen auf eine Zukunft, in der Wert über Engagement, Interaktion und Erkenntnisse definiert wird.
Um diesen Wandel voranzutreiben, bleibt unsere Mission unverändert: Jede Organisation dabei zu unterstützen, jeden Screen in eine lebendige Geschichte und jede Interaktion in messbare Wirkung zu verwandeln. Denn die Zukunft digitaler Kommunikation liegt nicht im Abspielen von Inhalten, sondern im Starten von Dialogen.
Ich freue mich darauf, viele von Ihnen auf der ISE 2026 wiederzutreffen.



